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Aufgedeckt: der verdeckte Arbeitsmarkt

Ein Teil – oder sogar Großteil – der Jobs wird über den verdeckten Arbeitmarkt abgewickelt. Was ist der verdeckte Arbeitsmarkt und wie kann er am besten genutzt werden?

Im Experten-Interview erzählen Outplacement-Beratern, wie sie im verdeckten Arbeitsmarkt fungieren und wie ein Laie am besten vorgeht.

 

Fragen dieses Interviews: Haben Sie besseren Zugang zum verdeckten Arbeitsmarkt als Ihre Kandidaten?

Wird der verdeckte Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren zunehmen? Wie hoch ist der Prozentsatz der Stellen, die niemals ausgeschrieben werden?

Wie nutzen Sie den verdeckten Arbeitsmarkt konkret?

Wie können Arbeitssuchende agieren, um ohne Ihre Hilfe ebenfalls Zugriff auf den verdeckten Stellenmarkt haben zu können?

INTERVIEW-PARTNER

 



Haben Sie besseren Zugang zum verdeckten Arbeitsmarkt als Ihre Kandidaten?

Michaela Buttazzoni (BDO Consulting): 100% ja. Das ist eine der ganz große Stärken unseres Programmes. Ein wichtiger Faktor des verdeckten Arbeitsmarktes ist ein gutes Netzwerk – und wir haben ein sehr großes, das wir unseren Klienten gern zu Verfügung stellen. Das fängt bei unseren hausinternen BDO-Möglichkeiten an – hier stellen wir immer wieder spannende Synergien zwischen unseren Klienten und Kollegen aus M&A, Start up, Family Office… her. Und es geht bis zum Netzwerk unserer Berater: Wir denken immer mit, wo gewinnbringende Kontakte möglich sind, um gezielt darauf aufmerksam zu machen.

Dr. Peter Holzmüller (Lee Hecht Harrison / OTM Karriereberatung): Ja, aus mehreren Gründen: In Österreich haben wir über 3500 erfolgreich platzierte Kandidaten (3500 Alumni). Jjeder unser 25 Mitarbeiter und Berater hat mit fast 800 Berufsjahren und beinahe 300 erfolgreichen Jahren in der Career Transition ein eigenes belastbares Netzwerk,  auf das unsere Kandidaten zugreifen können. Daneben können wir ein internationales Netzwerk von >70 Ländern mit 28 Sprachen und über 3 Mio. Kandidaten aufweisen. Und wir verfügen über Spezialausbildungen im Netzwerken, wie z.B.: unsere Lee Hecht Harrison Methode SMART

Mag. Peter Marsch (Jobsbutler): Wir haben den besten Zugang zum verdeckten Arbeitsmarkt. Durch die in Wien entwickelte einzigartige Software wird der verdeckte Arbeitsmarkt für jede Person durch einen speziellen Algorithmus errechnet und wird kurzfristig eine Grundzahl von 300 bis 400 potentiellen Arbeitgebern/Unternehmen definiert. Bei diesen Unternehmen ist die Chance sehr hoch, dass es verdeckte, nicht offiziell ausgeschriebene Positionen für die Bewerber gibt.

Mag. Martina Chvalina-Kohlbach (Chvalina & Kolbesen – 2blickwinkel.at): Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung auch in der Personalsuche nutzen wir unser Netzwerk und stellen dies gerne unseren Kandidaten zur Verfügung.

Wird der verdeckte Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren zunehmen? Wie hoch ist der Prozentsatz der Stellen, die niemals ausgeschrieben werden?

Mag. Peter Marsch (Jobsbutler): Wir sind uns sicher, dass der verdeckte Arbeitsmarkt größer wird. Auch die Tatsache, dass alle Jobbörsen bereits über rückläufige Stellenanzeigenbuchungen klagen, heißt nicht, dass dies nur die Vorzeichen einer Konjunkturabkühlung ist. Defacto nimmt die Anzahl von Stelleninseraten auch deshalb ab, da Unternehmen und Bewerber immer besser vernetzt sind und aus diesen Grund immer seltener ausgeschrieben wird. Aktuell liegt der verdeckte Arbeitsmarkt bei ca. 70 %, wir rechnen mit einem weiteren Anstieg auf 75 – 80 % in den nächsten Jahren. Bei der Bewerberzielgruppe 50 + und Führungskräfte ist der verdeckte Arbeitsmarkt aktuell bei 95 %!!

Wie nutzen Sie den verdeckten Arbeitsmarkt konkret?

Veronika Aumaier (Aumaier & Partner Coaching): Hauptsächlich über das eigene Netzwerk und über social media. Dort werden gerade im Bereich der Stellen mit Berufsausbildung häufig Stellenangebote geteilt, die nie zur Ausschreibung gelangen.

Mag. Barbara Schopper (HR Consulting | Outplacement | Karriereberatung): Ich suche nicht unbedingt nach konkreten Positionen, sondern nach Möglichkeiten, Outplacement-Kandidaten mit Unternehmen und Entscheidungsträgern in Kontakt zu bringen, für die die Kompetenzen und Erfahrungen des Kandidaten interessant sein könnten. Ähnlich wie bei Initiativbewerbungen soll gegenseitiges Interesse entstehen und gemeinsam überlegt werden, wie eine Zusammenarbeit im Unternehmen aussehen könnte. Im Idealfall werden neue Positionen geschaffen oder Outplacement-Kandidaten für künftig zu besetzende Rollen, die noch nicht ausgeschrieben sind, in Evidenz genommen.

Michaela Buttazzoni (BDO Consulting): Das bleibt unser Erfolgsgeheimnis 😉 Die Tools dafür geben wir gern unseren Klienten weiter!

Wie können Arbeitssuchende agieren, um ohne Ihre Hilfe ebenfalls Zugriff auf den verdeckten Stellenmarkt haben zu können?

Mag. Barbara Schopper (HR Consulting | Outplacement | Karriereberatung): Arbeitsuchende sollten bereits im Rahmen aufrechter Dienstverhältnisse ihr berufliches Kontaktnetzwerk pflegen, mit (ehemaligen) Chefs und Kollegen Kontakt halten, Alumni Netzwerken in Schulen und Universitäten beitreten und bei Messen, Veranstaltungen, Vorträgen und Events mit Kunden, Partnern und Lieferanten netzwerken und Kooperationen suchen. Die Kontaktpflege mit allen relevanten „Umwelten“ erleichtert und fördert den Um- und Aufstieg in Positionen, für die keine Bewerbungen verschickt werden müssen.

Dr. Peter Holzmüller (Lee Hecht Harrison / OTM Karriereberatung): Jeder hat ein Netzwerk, das er nutzen und weiterentwickeln kann. Mit unseren Tools (Career Ressource Network = eigene individuelle Kandidatenplattform, oder auch LinkedIn & Xing), und nationalen und internationalen Kontakten ist es dann wesentlich leichter.

Veronika Aumaier (Aumaier & Partner Coaching):  Je nach Ausbildung und Art der gesuchten Stelle bzw. Branche ein Facebook oder Lnikedin Profil erstellen und sich so gut als möglich vernetzten und Gruppen der Region beitreten. Berufseinsteiger können mit dem gezielten Anschreiben von Firmen bezüglich Praktikumsstellen gute Erfolge erzielen. Initiativbewerbungen sind eine weitere sinnvoll Initiative. Vorausgesetzt, dass sie nicht nach dem Gießkanneprinzip gestreut sind, sondern aufgrund einer Homepagerecherche auf das Unternehmen zugeschnitten verfasst werden. Die Chancen zu einem Interview erhöhen sich, wenn man die Initiativbewerbung an einen Ansprechpartner schickt, bei dem man nötigenfalls telefonisch nachfragen kann. Netzwerkveranstaltungen und Peergrouptreffen sind derzeit die zeitgemäße Form, das eigene Netzwerk zielgerichtet zu vergrößern. Denn in Zeiten der beruflichen Veränderung ist es besonders wichtig, dass man mit möglichst vielen Menschen darüber spricht, dass man verfügbar ist und was man gerne machen möchte.

Michaela Buttazzoni (BDO Consulting): Wichtig ist vor allem, sein persönliches Netzwerk zu nutzen – und dabei nicht nur an das Berufsumfeld zu denken. Vereine, Alumni-Clubs, Bekannte: Überall können sich spannende Kontakte ergeben, wenn diese wissen, wo die berufliche Reise hingehen soll. Diverse Veranstaltungen, Messen, aber auch privaten Feiern sind Möglichkeiten, die man nicht auslassen sollte.

Mag. Martina Chvalina-Kohlbach (Chvalina & Kolbesen – 2blickwinkel.at): Durch Unterstützung im Aktivieren des persönlichen Netzwerkes und der optimalen Positionierung in sozialen Medien erhöhen sich die Chancen unserer Kandidaten auf Angebote am verdeckten Stellenmarkt.



Die Gesprächspartner


Veronika Aumaier, MAS, MSc
Geschäftsführerin

Aumaier & Partner Coaching GmbH

www.aumaier-coaching.com

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Dr. Peter Holzmüller
Geschäftsführender Gesellschafter

Lee Hecht Harrison / OTM Karriereberatung GmbH

www.LHHaustria.at

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Mag. Peter Marsch
Geschäftsführer

jobsbutler GmbH

www.jobsbutler.com

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Mag. Martina Chvalina-Kohlbach
Eigentümerin

Chvalina & Kolbesen – 2blickwinkel.at

www.2blickwinkel.at

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Mag. Barbara Schopper
Geschäftsführung

HR Consulting | Karriereberatung | Outplacement

www.schopper.at


Michaela Buttazzoni
Senior Manager / Prokuristin

BDO Consulting GmbH

www.bdo.at


Interview durchgeführt von

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb

www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


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