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Augen zu und durch | Gelebte Konfliktstrategie im Job

Nichts hören, nichts sehen und daher auch nichts sagen – diese Konfliktstrategie ist bei vielen Menschen das bevorzugte Verhaltensmuster wenn es unangenehm wird. In Konfliktsituationen verhalten wir uns dann wie Kinder: Wir drücken die Augen zu und agieren nach dem Motto: „Was ich nicht sehe, das gibt es auch nicht.“

Unangenehmes auszublenden ist eine „Lösungsstrategie“, die auch in den Unternehmen weit verbreitet ist. Daher werden Konflikte oft erst dann sichtbar, wenn sie schon weit fortgeschritten sind. Schade, denn damit wird die Chance vertan, Konflikte bereits im Keim zu ersticken und damit unangenehme Folgen zu vermeiden.

Konfliktstrategie Aussitzen

„Gute Miene zum bösen Spiel machen“, „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“ oder „Die Faust in der Hosentasche ballen“ – das sind bekannte Redewendungen. Und gleichzeitig auch wichtige Hinweise darauf, wie wir in Punkto Streitkultur in unserer Gesellschaft sozialisiert wurden. Nur nicht anecken, nicht auffallen und in heiklen Situationen ja nicht aus der Deckung wagen  – das sind die Dogmen, die hinter solchen Statements stecken.

Kein Wunder also, wenn viele von uns dann so reagieren, wenn es zu Unstimmigkeiten kommt: Abwarten und Schweigen. Manchmal macht das ja auch Sinn. Vor allem dann, wenn die Emotionen bereits hochkochen und jedes weitere Wort Öl ins Feuer gießen würde. Allerdings ist in solchen Situationen der Konflikt bereits sichtbar und damit auch bearbeitbar.

Viel gefährlicher (und weit verbreiteter) sind aber jene Situationen, in denen sich eine Partei zutiefst im Unrecht fühlt, dies aber nicht offen anspricht. Dieses Schweigen hat einen extrem destruktiven Charakter: Es führt zu einer Störung in der Kommunikation und in weiter Folge verlagert sich der Konflikt  schnell von der Sach- auf die Emotionsebene. Damit sind die Weichen für eine weitere Eskalation gestellt.

Konfliktstrategie Opferrolle

In einer Konfliktsituation eine aktive Rolle einzunehmen, bedeutet immer auch in die Selbstverantwortung zu gehen. Aber auch darin werden wir durch unsere gesellschaftliche Prägung blockiert. Wir leben nämlich im Zeitalter der Schuldzuweisung. Es ist ja auch so verlockend: Einen Sündenbock zu finden heißt auch immer, das eigene Verhalten nicht reflektieren zu müssen. Und das wiederum bedeutet, wir müssen uns nicht ändern, sondern die Anderen. Es lebe die bequeme Opferrolle!

Daher gibt es – neben den fehlenden Vorbildern in der Gesellschaft – vermutlich noch einen weit wichtigeren Grund, warum wir unseren eigenen Anteil an bestimmten Ergebnissen oder Konfliktsituationen nicht gerne hinterfragen: Es könnte nämlich sein, dass wir zu der Erkenntnis kommen, einiges zu dem Misserfolg oder zu der Konfliktsituation mit beigetragen zu haben.

Das könnte in der Folge dazu führen, dass wir zukünftig unser Denken und Handeln in ähnlichen Situationen ändern müssten, um nicht wieder die gleichen Fehler zu machen. Und nichts fällt uns Menschen schwerer als die Veränderung.

Konfliktlösungsstrategie Aktives Ansprechen

Wegducken, Ausweichen oder Verdrängen – diese Verhaltensmuster sind Brandbeschleuniger in Konfliktsituationen. Wer aus Harmoniesucht oder Konfliktscheu schweigt wenn’s gärt, schadet damit letztendlich allen. Und trägt durch dieses passive Verhalten wesentlich zu einer Konfliktdynamik bei, die irgendwann dann so endet: In einer gewaltigen Eskalation und mit Verlierern auf beiden Seiten.

Unstimmigkeiten bereits beim ersten Auftauchen anzusprechen, Unklarheiten zu hinterfragen und die eigene Sichtweise zu deponieren – das ist mit Sicherheit zielführender. Das erfordert aber den Mut, in Konfliktsituationen klar Position zu beziehen und auch die Bereitschaft, notwendige Grenzen aufzuzeigen. Also genau jene Verhaltensweisen, die nicht dem Mainstream unserer Gesellschaft entsprechen.

Everybody’s Darling wird bei Unstimmigkeiten nie einen entscheidenden Beitrag leisten. Dann schon eher der unbequeme Typ mit Ecken und Kanten. Nicht einfach im Handling, dafür aber greifbar und authentisch.

„Nicht jene, die streiten sind zu fürchten, sondern jene, die ausweichen.“
(Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach)

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Ein Kommentar

  1. Walter Paltram am

    Gratulation zu diesem tollen Beitrag –
    ja, ich denke auch, dass es ein Problem unserer Zeit ist, immer wieder die Schuld bei anderen zu suchen –
    vor allem keine Veränderung – dabei leben wir in einer Zeit – wo sich die Räder immer schneller drehen –

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