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HR-Tipp | Wie Führung im interkulturellen Kontext gelingen kann


HR-Tipp: Gelungene Führung im interkulturellen Kontext

Zielgruppe:



Führngskräfte & Teams im interkkulturellen Kontext


Tipp-Geber:


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Dr. Karin Schreiner (Intercultural Know How – Training & Consulting)


Führungskräfte, die international besetzte Abteilungen oder Teams leiten, sind im sehr gefordert, denn sie müssen gruppendynamisch komplexe Situationen richtig einschätzen und bei Konflikten oder Missverständnissen so früh wie möglich eingreifen. Sie benötigen ein entsprechendes Mindset, das heißt vor allem kulturelles Bewusstsein: Das zu hinterfragen, was im eigenen kulturellen Kontext selbstverständlich ist. Ein Beispiel zu Kommunikation und Zeitverständnis in einem internationalen Unternehmen:

„Um 15 Uhr sollte ein von Ihnen geleitetes Team-Meeting beginnen. Die meisten der Teilnehmenden sind bereits fünf Minuten vorher anwesend, eine kleine Gruppe steht vor dem Meetingraum und redet noch angeregt miteinander. Erst ein paar Minuten nach 15 Uhr betritt die Gruppe den Raum, ohne sich zu entschuldigen. Sie sind verärgert und weisen darauf hin, wie wichtig es sei, pünktlich zu beginnen. Eine Teilnehmerin aus dieser Gruppe meint – durchaus unprätentiös – lachend, es käme doch nicht auf drei oder vier Minuten an, und außerdem hätten sie sich über Meeting-relevante Themen ausgetauscht.“

Eine Kleinigkeit, die Sie nachdenklich stimmt. Sie wissen auch, dass es immer dieselben Teammitglieder sind, die die Gelegenheit solcher Meetings nutzen, um sich vorher auszutauschen, auch auf die Gefahr hin, sich zu verspäten. Sie nehmen sich vor, bei der nächsten Arbeitssitzung zu thematisieren, auf welchen unterschiedlichen Ebenen Mitglieder im Team Informationen austauschen und Themen verhandeln.

Auch wie eine Führungskraft Anweisungen gibt, ist kulturell unterschiedlich und kann zu Missverständnissen führen. Dazu ein Beispiel eines britischen Ingenieurs, der für ein großes IT-Unternehmen in Österreich arbeitet:

„Als Engländer stelle ich eine Arbeitsaufforderung an mein Team folgendermaßen in den Raum: ‚Wir sollten den Bereich XXX nochmals überprüfen.’ Alle wissen dann, dass etwas zu tun ist, alle fühlen sich angesprochen und besprechen unter sich, wer was genau tut. Hier in Österreich war mir nach einiger Zeit klar, dass eine so formulierte Arbeitsaufforderung an alle von meinen Teammitgliedern nicht so verstanden wird wie in England. Ich nahm daher das ‚Wir’ aus dem Satz heraus und ersetzte es durch ‚Ihr’ und fügte hinzu: ‚Wer von euch macht das?’ Damit war allen klar, wer was zu tun hat.“

Der Ingenieur hat rasch die Kommunikationscodes in seinem neuen Arbeitskontext verstanden und seine Ausdrucksweise daran angepasst. Damit traf er die Erwartungen seines österreichischen Teams.

Führungskompetenz im internationalen Kontext erfordert daher viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit kulturellen Unterschieden. Interkulturelle Sensibilität, Empathie und Klarheit in der Kommunikation von Seiten der Führungskraft sind nötig, um individuell auf Mitarbeiter zu reagieren und sie ihren Erwartungen entsprechend zu führen. Führungskräfte müssen selbst interkulturelle Kompetenz und ein Bewusstsein für kulturelle Vielfalt entwickeln, um sensibel für jene „blinde Flecken“ zu sein, derentwegen es immer wieder zu Fehlern und Missverständnissen kommt.

Tipps

  • Hinterfragen Sie möglichst alles, das Sie im Umgang mit anderen als selbstverständlich annehmen: Ihre eigenen Erwartungen an Ihre Mitarbeitenden, die Erwartungen von Seiten der Mitarbeitenden, Zeitverständnis, wie Sie Anweisungen geben, wie Meeting ablaufen, der Umgang mit Terminen und Deadlines usw.
  • Nehmen Sie sich Zeit, um möglichst unmittelbar Missverständnisse und Unstimmigkeiten in Ihrer Abteilung oder im Team offen zu besprechen.
  • Probieren Sie unterschiedliche Settings aus, in denen Probleme in der Abteilung oder im Team angesprochen werden können: im ganzen Team, in Zweier-Gesprächen, in der Kaffeeküche oder beim Mittagessen, im eigens dafür angelegten on-line Chat-Room, in einem anonymisierten on-line Forum.
  • Schaffen Sie Gelegenheit für regelmäßig stattfindende interkulturelle Workshops, die Raum für Diskussionen über kulturelle Unterschiede und den Umgang damit bieten.
  • Seien Sie sich bewusst, dass Sie als Führungskraft ein Role Model sind: Je offener Sie sind, desto offener sind es Ihre Mitarbeitenden.

Buchtipp

Kulturelle Vielfalt richtig managen. Die neuen Herausforderungen der globalisierten Arbeitswelt. Verlag fischer&gann, ISBN 978-3-903072-48-0, € 28,-

Das Buch beschäftigt sich mit den täglichen Herausforderungen des interkulturellen Arbeitsalltags und zeigt anhand von Interviews mit Führungskräften aus Business, Bildung und Gesundheit Lösungen und Tipps auf.


 

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