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Bewusstes Leadership und Mitarbeiterorientierung für eine neue Arbeitswelt

Führungskräfte müssen nicht nur den Wandel in der Arbeitswelt steuern, sondern die Mitarbeiter auf die damit verbundenen Veränderungen vorbereiten und sie dafür begeistern. Menschenführung im Zeitalter der Digitalisierung ist eine große Kunst geworden: die zukünftige Arbeitswelt verlangt neben einer permanenten Anpassung auch neue Kompetenzen von Mitarbeitern und Führungskräften. Die Veränderungen in der Arbeitswelt sind so rasant, dass viele Unternehmen sowohl auf Managementebene als auch bei der Aus- und Weiterbildung kaum Schritt halten können.

Autorin: Claudine Pirkner, MAS (Geschäftsführerin der Impulse Beratung)

Unternehmen im Allgemeinen und HR-Abteilungen im Besonderen stehen mitten in einem tiefgreifenden Wandel, der beiden einen schwierigen Balanceakt abverlangt. Vor dieser Herausforderung sollte sich das Personalmanagement seiner wesentlichen Rolle bewusst werden und sich für die Förderung von Führungsqualität und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Mitarbeiter einsetzen. Nur unter dieser Voraussetzung werden Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben und den Wechsel in ein digitalisiertes Umfeld erfolgreich meistern können.

Veränderungsbewusstsein im Unternehmen entwickeln

Die Digitalisierung der Arbeitswelt in Zusammenhang mit schwer vorhersagbaren Prognosen stellen die Führungskräfte unter Druck. Gleichzeitig fordern neue Generationen an Mitarbeitern von den Unternehmen, über Kultur, Strukturen und Prozesse nachzudenken.

Alte Konzepte der Unternehmensführung, die auf Kontrolle, Problemorientierung und oft Angst als Machtinstrument fokussiert sind, behindern die Bereitschaft und Fähigkeit zur Veränderungen bei Mitarbeitern ebenso wie Innovation und Kreativität.

Unternehmen sollten daher ihre Organisation laufend überdenken, mit Unterstützung durch die Personalabteilungen auf allen Ebenen das Bewusstsein für Veränderungen entwickeln und sich Gedanken machen zu Themen wie Unsicherheit, Kommunikation, Lernfähigkeit und Selbstführung. Ein partizipativer Führungsstil fördert die Entwicklung von Veränderungsbewusstsein bei den Führungskräften und die Veränderungskompetenzen von allen Mitarbeitern.

Die Rolle von allen Beteiligten im Unternehmen muss dabei überdacht werden. Die Personalisten haben mit dieser Herausforderung die Gelegenheit, vom Verwalter zum Gestalter zu werden und damit für Führungskräfte und Mitarbeiter die Rahmenbedingungen für die Zukunft zu schaffen.

Führungsqualität fördern

Die Zeit der Illusion der Perfektion in der Organisation ist lang vorbei. Wer heutzutage Führungskraft werden will, sollte ein breitgefächertes Wissen vorweisen können sowie digitale, fachliche und menschliche Kompetenzen einbringen. Zusätzlich bedarf es einiges an Mut, sich regelmäßig in Frage zu stellen sowie die Fähigkeit, ein Team zu moderieren und zu coachen. Ein regelmäßiger Austausch mit einem Mentor sowie laufende Reflexion mit einem Business Coach helfen dabei, die eigenen Schwächen zu erkennen und anzunehmen.

Die Führungsebene sollte ihre Einstellung zu Veränderungen und das Verhalten den Mitarbeitern gegenüber ändern und sich Gedanken über den Umgang mit Konflikten, Macht, Verantwortung, Loyalität und Solidarität von Mitarbeitern machen. Die HR-Abteilung kann die Haltung der Führungskräfte und die Führungsqualität mit einem regelmäßigen Coaching Angebot unterstützen. Die Begleitung macht den Unterschied in der Führungsqualität aus.

Wertschätzende Kommunikation stärken

Bei der Führung von Teams ist Kommunikation ein zentraler Hebel für die Führungskräfte. Die meisten Probleme im Unternehmen kommen von mangelnder Kommunikation und laufen oft auf persönlicher Ebene. Doch gerade in Zeiten der Digitalisierung ist es wichtig, sich auf sein Gegenüber einzulassen und nicht nur auf Sachebene, sondern auch auf der Persönlichkeitsebene zu kommunizieren. So wird Vertrauen aufgebaut, Ängste werden reduziert, Konflikte werden besser verstanden und es wird ein besseres Arbeitsklima geschaffen. Ein besserer Umgang miteinander und größeres Verständnis füreinander entstehen, wenn Emotionen im Unternehmen weniger unterdrückt und weniger in Sachaussagen verpackt werden. Führungskräfte haben durch eine wertschätzende, offene und authentische Kommunikation viel zu gewinnen. Durch zeitgerechte und ehrliche Kommunikation auf Augenhöhe verstehen und verkraften Mitarbeiter Fakten und Ereignisse deutlich besser. Energie wird befreit und Ideen für neue Lösungen werden entwickelt.

Bei der Rekrutierung ist es daher wesentlich, die Kommunikationskompetenz zu erheben. Im Rahmen der Führungskräfteentwicklung ist Augenmerk auf die Stärkung der Kommunikationskompetenz zu legen, denn Kommunikation ist der beste Katalysator für eine neue Führungskultur im Unternehmen.

Beziehungsmanagement und Netzwerk aufbauen

Die modernen Kommunikationsmittel haben die Beziehungen im Unternehmen verändert. Es gibt wenig Kontakt und Auseinandersetzung zwischen Mitarbeitern und Führungskräften. Persönlicher Kontakt scheint oft nicht erwünscht, besonders wenn schlechte Nachrichten vermittelt werden müssen. Die elektronische Kommunikation hat das Arbeitsleben auf die Sachebene reduziert und den verbalen Austausch mit Kollegen ins Hintertreffen geraten lassen. Es steht außer Zweifel, dass diese Haltung in einer herausfordernden Situation nicht zeitgemäß ist. Die Nähe zum Menschen ist notwendiger denn je und Kommunikationsstärke und vernetztes Denken sind wesentliche Kompetenzen im Zeitalter der Digitalisierung.

Wenn die Führungskräfte Interesse an den Mitarbeitern zeigen und aktiv zuhören, gestaltet sich Kommunikation einfacher. Es geht darum, die Faktenebene zu verlassen und die Mitarbeiter als Mensch zu erfassen, sie anzunehmen, anzuerkennen und dem Gegenüber grundsätzliche Wertschätzung zukommen zu lassen. Diese Haltung verbessert die Qualität des Miteinander und vereinfacht es, Beziehungen herzustellen und aufzubauen. Dafür brauchen Führungskräfte jedoch den Mut, ein empathisches Verhalten zu zeigen und achtsam in ihrer Kommunikation zu sein. Sie müssen die Oberfläche verlassen und den Weg finden, um die Mitarbeiter in das Unternehmensgeschehen einzubinden und sie zu unterstützen.

Zusätzlich sollten Führungskräfte in der Lage sein, innerhalb des Unternehmens Netzwerke zu bilden, um Informationen und Wissen zu teilen oder für ihr Team einzuholen.

HR-Abteilungen können die das kommunikative Verhalten der Führungskräfte durch Kommunikationstrainings stärken und die Bedeutung von aufrichtiger Kommunikation durch Verankerung in der Unternehmenskultur unterstreichen.

Denk- und Handlungsfähigkeit durch Emotionssteuerung

Trotz der turbulenten Zeit ist es für Führungskräfte wichtig, sich nicht von Emotionen überfordern zu lassen und einen klaren Kopf zu bewahren. Dafür ist es hilfreich zu lernen, seine Emotionen zu verstehen und seine Resilienzhaltung zu stärken, um Gefühle dauerhaft und effektiv kontrollieren zu können. Gefühle entstehen durch die individuelle Bewertung von Situation und aus früheren Erlebnissen und Erfahrungen. Durch die Steuerung der Emotionen können Konflikte und Herausforderungen besser bewältigt werden, denn Handlungsfähigkeit und lösungsorientiertes Denken werden dadurch gestärkt. Krisensituationen sind damit besser zu bewältigen, die handelnde Person verfällt weniger leicht in Panik.

Die Selbstreflexion mit einem Coach ist ein sehr wichtiges Element, um die Steuerung der Emotionen zu erlernen.

Mitarbeiterorientiert statt aufgabenorientiert

Die Transformation der Arbeitswelt mit der Erhöhung ihrer Komplexität verlangt nach einem partizipativen Management, bei welchem Mitarbeiter Eigenverantwortung und Autonomie für ihren Bereich übernehmen, Initiative ergreifen und aktiv in Entscheidungsprozesse eingebunden sind. Diese Führungskultur fördert Engagement, Motivation und den Beitrag zu Innovation im Team im Unternehmen. Dabei unterstützt eine wertschätzende Kommunikation mit konstruktivem Feedback die Anerkennung der Fähigkeiten und Erfolge Mitarbeiter, sie vereinfacht die Anpassung an Veränderungen und reduziert das Stressniveau. Die Rolle der Führungskräfte ist es, ein „Wir“-Gefühl, Werte und Teamgeist zu schaffen, klare Strukturen, Regeln und Prozesse für das Team zu definieren sowie eine Fehlerkultur im Team zu etablieren. Diese agilen Maßnahmen sollten ein positives Vertrauensklima für eine bessere Leistungsfähigkeit im Team schaffen. Damit können Mitarbeiter konstruktiv, fokussiert und zielorientiert handeln und mit Veränderungen besser umgehen, ohne sich aus der Bahn werfen zu lassen.

Lernfähigkeit und Anpassungsfähigkeit als Schlüssel für die Transition zur neuen Arbeitswelt

Die Einführung einer neuen Führungskultur verändert die Rolle der Vorgesetzten und fördert die Potenzialentfaltung und Selbstführung der Mitarbeiter. Mit Unterstützung der Geschäftsführung und der HR-Verantwortlichen und durch regelmäßige Weiterbildung, Reflexion über die Einstellung und Haltung vor Veränderungen wird die Transition von der alten zur neuen Arbeitswelt vereinfacht.

Selbstverständlich benötigen Führungskräfte und Teams Zeit für den Aufbau der neuen Rahmenbedingungen, ein gutes Durchhaltevermögen sowie eine professionelle Begleitung.

Unternehmen, welche einen bewussten Führungsstil umgesetzt haben, sind für Herausforderungen besser gerüstet, widerstandsfähiger und wettbewerbsfähiger.


Gast-Autorin

Claudine Pirkner, MAS, ist Geschäftsführerin der IMPULSE BERATUNG e.U. Sie begleitet Unternehmen und Einzelpersonen in Themen wie berufliche Entwicklung, Burnout-Prävention, Leadership, Resilienz, strategische Kommunikation und Organisationsentwicklung. Als Unternehmensberaterin, Business Coach und Resilienztrainerin vereint Sie Kompetenz und interdisziplinäre Erfahrung.

www.impulse-beratung.com


 

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