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HRweb vor Ort | Ein enthusiastischer Corporate Culture Jam 2018

Corporate Culture Jam 2018, ccj18, 16+17mai2018, Wien

 

Als leidenschaftliche Tänzerin und Culture Enthusiast freute es mich umso mehr, dass der heutige erste Tag des Corporate Culture Jam 2018 mit Dancing Star & Tanztrainer Andy Pohl beginnt. Ein lebendiger Start, der Körper und Ratio verbindet. Es ist ganz klar erfrischend und aktivierend einen einmal ganz anderen Start in einen Konferenztag zu haben. Mit der inspirierenden Botschaft „Stay cool und sortiere deine Beine“ leitet Jam-Initiatorin Karin Krobath von IDENTITÄTER dann schwungvoll über zur ersten Keynote.

 

Corporate Culture Jam 2018 || Tag 1

Rainer Peraus (Speaker, Experte für Disruption & neue Zukunft, Youtopia Group, Maria Enzersdorf) eröffnet den Corporate Culture Jam 2018 mit einer Keynote die “Zukunftstabus im Potenzialurwald thematisiert. Er startet ganz klar mit der Aussage, dass Transformationsfähigkeit – als DIE WICHTIGSTE KOMPETENZ gesehen werden muss.

Jedoch gibt es einige Faktoren, welche Transformation verhindern:

  • Kontrollverlust, wenn es eine richtige Transformation ist, dann wissen wir nicht wie es weitergeht, dh wir verlieren die Kontrolle
  • Machtverlust: nicht nur, dass wir nicht wissen, wo es hingeht, sondern wir können es oft auch nicht beeinflussen
  • Liebe: Menschen haben Angst vor Liebesvorlust in Transformationsphasen – was passiert mit meinem Status mit meinem Netzwerk? Verliere ich meine Peers nach der Transformation?
  • Angst vor dem Tod: Tod der Identität – größtes tabuisiertes Thema in unserer Gesellschaft – wer bin ich als Führungskragt nach der Transformation

Was wir derzeit erleben ist, dass wir versuchen die Transformationen hinauszuzögern, zu verhindern. Hierbei werden kurz die 4V der Verhinderung vorgestellt:

  1. Verwechseln
  2. Verdrängen
  3. Versteifen
  4. Verbieten

JEDOCH: Zukunft kann NICHT durch Denken erneuert werden

Wir müssen etwas schaffen, was wir nicht denken können? Wenn wir im Transformationsmodus sind, hat das Denken nur zufällig eine Chance!

Die darauffolgende Jam Session mit Julia Culen (Partnerin Culen Mayhofer Partner, Wien) startete mit der Frage: „Wie selbstorganisierend ist dein Unternehmen?“ In Gruppen und dann im Plenum werden die wichtigsten Aspekte angeregt diskutiert. Julia Culen präsentiert im Rahmen ihres Vortrages die Mythen der Selbsorganisation, wie folgt:

  • Mythos 1: Hierarchie ist verstaubt und muss abgeschafft werden.
  • Mythos 2: Selbstorganisation kann eingekauft und verordnet werden.
  • Mythos 3: Selbstorganisation führt zu Markterfolg.
  • Mythos 4: Alle MitarbeiterInnen sind eigentlich Mini-Unternehmer
  • Mythos 5: Selbstorganisation führt zu besseren Entscheidungen
  • Mythos 6: Agilität und Innovationskraft steigen, wenn alle mitreden.
  • Mythos 7: Selbstorganisation ist cool
  • Mythos 8: Jetzt können wir endlich die Führungskräfte abschaffen

Culen meint, dass es immer eine Form von Ordnung gibt, ob es in Kreisen ist oder in Kasterln, denn Hierarchien geben uns Orientierung. Es bedarf jedoch einer Neuinterpretation von Hierarchien. Als Negativ-Beispiel brachte sie die verordnete Selbstorganisation bei Zappos, welche als Anordnung von oben nicht funktionierte, denn 20% der Belegschaft hat das Unternehmen verlassen und das Unternehmen rutschte von einem „der best places to work“ auf die unteren Ränge.

Die Diskussion im Plenum zeichnete sich durch ein sehr offenes Klima aus, wobei immer wieder die essentielle Rolle von Führungskräften angesprochen wurde. Ein klares Statement ist nochmals, dass Selbstorganisation nicht verordnet werden kann.

Nach der ersten Vormittags-Session teilten sich die Teilnehmer in drei parallele Sessions auf

  • Praxis PUR / Authentizität & Unternehmenskultur
  • Praxis PUR / Arbeitswelt & Mitarbeiter
  • Praxis PUR / Digitalisierung & Kollektive Intelligenz

Folgend zwei kurze Snapshots aus der Session: Praxis PUR / Arbeitswelt & Mitarbeiter:

Wie wir „WIR > ICH“ in unserer neuen Arbeitswelt umgesetzt haben. Von der konkreten Vision zum Unternehmensalltag.

Der Frage, ob die Einführung neuer Arbeitskonzepte dazu führen kann zu einer neuen Form der Zusammenarbeit zu führen, gingen Eva Strassegger (Projektleiterin Caritas Wien) und Bernhard Herzog (Projektleiter M.O.O.CON Wien) in ihrem Vortrag nach. Ausgangspunkt des Projektes war eine Dachschräge und in weiterer Folge zu viele Menschen auf zu wenig Quadratmetern. Partizipation in allen Phasen: Im Rahmen einer Arbeitsgruppe, die sich aus Führungskräften zusammengesetzt hat wurde ein Bürokonzept ausgearbeitet und die Detailplanung gemacht. In einem weiteren Schritt wurde die Arbeitsgruppe mit dem Betriebsrat und MitarbeiterInnen als neue Mitglieder verändert. Die sog. „Moodboards“, also Bilder, die beschreiben „wer wir sind“ – halfen in diesem Prozess zur Identitätsfindung. Ein weiterer Projektschritt hat die genaue Analyse von Tätigkeitsprofilen beinhaltet, also die Vielfalt an Tätigkeiten und der Grad an Mobilität wurden ausgewertet um die Detailanalyse abzuschließen und die passenden Räume für die jeweiligen Tätigkeiten abzuleiten. Während dem Projekt fanden immer wieder Townhalls mit allen Mitarbeitern statt, um über den Projektstand zu informieren. Hierbei informieren die Mitarbeiter der Arbeitsgruppen selbst die Kollegen über das „Warum?“ hinter getroffenen Entscheidungen. Des Weiteren wurden Workshops für Führungskräfte durchgeführt um neue Wege der Führung zu erarbeiten.

Mitarbeiter als Markenbotschafter. Das Jobbotschafterprogramme bei OTTO

Verena Gabriel (Referentin HR Marketing) & Wibke Nagel (Referentin Recruitment) beschrieben in ihrem Vortrag wie sie es geschafft haben das Jobbotschafterprogramm bei OTTO zu einem Erfolgsmodell wachsen zu lassen. Otto ist der zweitgrößte Online Händler nach Amazon im deutschsprachigen Raum, der Wettbewerb um die besten IT Fachkräfte wird jedoch zunehmend schwieriger. Das individuelle Erleben des Bewerbungsprozesses und des Unternehmens durch den Kandidaten wird immer wichtiger, also die sog. Candidate Experience. Bewerber erwarten sich heute fachlichen Austausch, einen Eindruck vom Team, sowie einen Bewerbungsprozess auf Augenhöhe. Daher wurde ein Jobbotschafter Konzept entwickelt, welches sich aus 7 verschiedenen Modulen zusammensetzt – von der Kandidatengewinnung bis hin zur Kandidatenauswahl. Für das Programm kann man sich als Mitarbeiter freiwillig anmelden und wird dann auch durch die Personalabteilung ausgebildet. Das Programm hat auf reges Interesse gestoßen, denn in den ersten zwei Wochen gab es bereits über 100 Anmeldungen für diese Jobbotschafterrollen, zurzeit sind über 200 Mitarbeiter als Jobbotschafter tätig. Das Projekt läuft erst seit einem halben Jahr, doch das Zwischenfazit ist sehr positiv, denn die Kandidaten, die Mitarbeiter und OTTO selbst profitieren vom Jobbotschafterprogramm.

Unternehmenskultur für die digitalisierte Welt & Innovation @ ccj18

Nach der Mittagspause sprachen Dr. Simon Sagmeister (Gründer und Geschäftsführer von the Culture Institute, Zürich) und Reza Razavi (Culture Revolutionary Officer der BMW AG, München) über eine Unternehmenskultur für die digitalisierte Welt. Mit dem Motto „Change fixes the past. Transformation creates the future“ machen sie klar den Punkt, dass Change das System vielleicht besser, schneller, billiger macht, wobei durch Transformation neue Systeme entstehen. Unter dem Motto “The greatest danger in times of turbulence is not turbulence itself, but to act with yesterday’s logic” (Peter Drucker) werden die zwei Strategien dargestellt, welche oft als Reaktion auf Veränderung gewählt werden:
Strategie 1: Bekämpfen
Strategie 2: Belächeln
Wobei es eben wichtig ist nicht zu bekämpfen oder zu belächeln, sondern Strategie 3 zu wählen: Gestalten, frei nach Peter Drucker: „Wandel gestalten, nicht auf den Wandel reagieren.“ Die Botschaft mit welcher die beiden den Vortrag beenden ist „Kulturveränderung beginnt bei jedem Einzelnen in der Organisation!“

Nach der Nachmittagspause holte uns Christina Taylor (Managing Partner, Creaholic und Autorin aus Biel) mit ihrem Vortrag „OOPS! Innovation ist kein Zufall. Erkenntnisse aus 15 Jahren bewusstem Design der Innovationskultur bei Swisscom“ zurück. Sie streicht klar hervor, dass Erfinder das Kundenerlebnis priorisieren, die die Technologie oder das kurzfristige Geschäft. Christina Taylor hebt ganz klar hervor, dass Erfinder Rahmenbedingungen brauchen und kreative Leader diese Rahmenbedingungen schaffen (müssen).

Den Abschluss des ersten Tages bereiteten Axel Ebert (Gründungspartner IDENTITÄTER und Initiator von wortwelt, Wien) und Christoph Wirl (Journalist und Herausgeber des Magazin Trainings, Wien) mit der Frage „Wie viel Berater Bullshit verträgt die Z(uk)unft, indem sie Fakten und Fake in der Unternehmensentwicklung präsentierten.

 

Corporate Culture Jam 2018 || Tag 2

Der zweite Tag wird ähnlich aktiv mit einer Lambada Musik Inspiration durch die Band eröffnet, woraufhin wir alle mit bewegten Hüften und aktiviertem Geist in den ccj18, Corporate Culture Jam 2018 starten können.

Ähnlich bewegt und aktiv geht es weiter mit Sabine Kluge (Managing Director, kluge consulting und Gründerin, HR-maker.space, Berlin), die den Tag eröffnet mit der Frage “ Wenn Digitalisierung das Problem ist – warum ist dann soziale Vernetzung eine Lösung?“. Sabine Kluge startet singend in ihre Session mit dem tollen Titel „Imagine“ von John Lennon (Gratulation zu einer fantastischen Stimme an dieser Stelle!!) Wer gerne da mal reinhören möchte – inkl. der Lyrics hier auf Youtube.

Ziel eines jeden Unternehmens: Gute Entscheidungen treffen – in jeder Umwelt!

  • In einer einfachen Welt (d.h. eine Ursache – eine Wirkung – eine Handlung) funktioniert Führung die hierarchisch ist, welche auf tayloristischen Prinzipien basiert und Denken und Handeln trennt.
  • In einer komplizierten Welt mit vielen Ursachen – vielen Wirkungen und vielen Antworten schaut es dann schon ganz anders aus. Dh durch viele verschiedene Perspektiven auf ein und das gleiche Thema ist es erst möglich bessere Entscheidungen zu treffen > Vernetzung und Haltung als wesentliche Aspekte!
  • Eine komplexe Welt benötigt Experimente, die auch schiefgehen können – wichtig ist es hier: Muster zu erkennen, dh Experimentieren muss auch geübt sein. Stichwörter: Scrum, Design Thinking, Holacracy…
  • Eine chaotische Welt …. Dazu sind wir zwar nicht mehr gekommen (oder ich hab in meiner kleinen Runde gerade zu angeregt diskutiert und das versäumt?), aber ich gehe jedenfalls inspiriert in die Pause!

Und klar ist: Startpunkt für eine agile Haltung ist „Working out Loud“. Mehr Infos dazu online hier. http://workingoutloud.com

Das heutige Parallelprogramm am Vormittag hat wieder spannende Vorträge beinhaltet – ich habe mich entschieden im Ankersaal zu bleiben, ein kurzer Einblick folgend:

Der erste Vortrag von Yvonne Pirkner (Leitung Service Design Center, ÖBB Holding AG, Wien) und Karl Friedl (Geschäftsführer, M.O.O.CON, Wien) stellt den ÖBB INNOVATION CAMPUS. Sie zeigten anschaulich auf wie Digitalisierung – Collaboration – Innovation – Out of the Box bei der ÖBB nun funkioniert. Ws braucht es für Innovation, hat mir jedenfalls sehr gut gefallen: Governance Light: Break the rules and not the law 🙂

Der zweite Vortrag mit dem Titel „Corporate Culture: Wie viel Agilität verträgt sie?“ von Gunda Horvath, (Corporate Culture Coordinator, willhaben, Wien). Gunda gab uns allen einen sehr tiefen Einblick in die Kultur der willhabinger und ich denke, dass jeder von uns mit einem extrem positiven Gefühl in die Mittagspause ging. Worum ging es nun: Mit dem 120. Mitarbeiter setzte sich willhaben.at ganz stark damit auseinander, wie HR aufgestellt sein soll und was die Aufgaben von HR sein sollen, denn Marktdruck und schneller Wandel machen auch vor willhaben nicht halt.

Was mich besonders freut ist nicht nur dass Gunda eine Absolventin der FHWien der WKW und ehemalige Studentin von mir ist, sondern mir auch in einem sehr netten Gespräch gesagt hat „es ist so toll, weil sie bei willhaben alles was sie bei uns im Masterstudium Organisations- und Personalentwicklung gelernt hat nun umsetzen kann“. 🙂

Nach der Mittagspause ging es weiter mit der Keynote durch Chris Müller (Direktor für Entwicklung, Gestaltung und künstlerische Entwicklung, Tabakfabrik Linz), der die „11 KS des Urban Mining am Beispiel der Tabakfabrik “ erläutert. Und zwar erklärte Chris äußerst anschaulich wie aus Brownfields (Fabriken) lösungsorientierte und hoffnungsvolle urbane Räume, Leuchttürme eines neuen europäischen Geistes wurden. Eine sehr kraftvolle, schnelle und humorvolle Präsentation mit vielen Impressionen, die meinen Geist, aber auch meine Augen und Aufnahmefähigkeit jedenfalls gefordert haben.

Floskelst du noch oder schreibst du schon?

Am Nachmittag habe ich mich dann für den Workshop von Monika Kriwan und Irmgard Zirkler (Partnerinnen von wortwelt® und Identitäter®) entschieden: „Wording als Kulturbooster – wie Worte Mindset schaffen“. Der Workshop zeichnete sich durch einen sehr interaktiven Charakter aus. Mit anschaulichen und lustigen Beispielen wurde dargestellt wie man mit einer agilen Ausdrucksweise ein Wir-Gefühl mit Worten stärken kann. Spannend war jedenfalls die Erkenntnis, dass der Fokus unserer Aktivitäten sehr stark auf externe Kommunikation gelegt wird, aber oft intern die Kommunikation eine ganz andere ist – anders als wir in den Hochglanzfoldern oft lesen und genau dort ist es wo dann die Authentizität zu bröckeln beginnt. Ein Online Beitrag über das Projekt „Graz verständlich“ online hier bzw. hier.

Helmo Pape (Obmann, Generation Grundeinkommen, Wien) gab uns nach der Pause eine kurzen Impuls zum Thema „Grundeinkommen – Zukunft oder Spinnerei?“ Drei Worte fassen die den Vortrag prägnant beschreiben: Grundeinkommen ist…  Grundrecht – bedingungslos – substitutiv!  Die Frage: Warum braucht es in Österreich ein Bedingungsloses Grundeinkommen? Die Antwort: Die Sicherheit eines Bedingungsloses Grundeinkommens lenkt den Blick vom Geld auf das Wesentliche. Es brächte für alle Menschen die Freiheit, ihr Leben sinnerfüllt zu gestalten und wäre ein Baustein für eine werteorientierte Wirtschaft und solidarische Gesellschaft.

Die spannenden zwei Tage wurden abgerundet durch ein Interview mit Prof. Dr. Frithjof Bergmann (Urheber und Erfinder von New Work, USA) durchgeführt von Herbert Zitter (Partner, M.O.O.CON, Wien). Während dem Skype Interview wurde der Frage nachgegangen was wir wirklich wirklich wollen! Im Mühlviertel entsteht gerade ein New Work Center, welches nicht nur als Training-/Coachingcenter etabliert wird, sondern als Werkstätte fungieren soll, als Zentrum in dem Menschen ausüben können, was sie wirklich wirklich wollen! Zurzeit werden 20 Trainer von Frithjof Bergmann ausgebildet (Train the Trainer), um die Menschen dazu zu bringen zu verstehen, was sie wirklich wirklich wollen.

Das war der Corporate Culture Jam 2018

Inspiriert durch die vielen Vorträge, Workshops, spannende Gespräche in den Pausen und alles geprägt durch eine tolle Stimmung in der Ankerbrotfabrik geht’s nun in die Arbeit – denn jedeR kann Veränderung beeinflussen!


Link

www.corporate-culture-jam.at

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