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Generation Z versus Babyboomer … und alles dazwischen wuselt im Unternehmen

Generationen
Sind Babyboomer und Gen Z tatsächlich soooo unterschiedlich, wenn es um den Arbeitsalltag geht? Wie können sie am besten zusammenarbeiten? Ein Interview:

Experten-Interview

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Bedürfnisse der Generationen

Unterscheiden sich die Bedürfnisse der GenZ und der Babyboomer tatsächlich so sehr?

Mag.(FH) Heike Dormuth, MA (Teamimpuls):

Die Bedürfnisse der GenZ und der Babyboomer weisen meiner Ansicht nach vor allem Unterschiede in den Bereichen der Technologieaffinität, Arbeitspräferenzen, Kommunikationsstil und Karriereerwartungen auf.

  • Die GenZ beispielsweise hat die digitalen Technologien geradezu in die Windel gelegt bekommen und setzt daher eine nahtlose Integration von Technologie in ihrem Leben und Arbeitsumfeld voraus. Babyboomer hingegen haben eine geringere Affinität dazu und sind teils sogar gezwungen, stetig mit und an den Technologien zu wachsen.
  • Weiters haben sie möglicherweise eine stärkere Bindung an traditionelle Arbeitsweisen, -strukuren und Kommunikationswege. Wohingegen die GenZ möglichst viel Flexibilität, Ausgewogenheit und digitale Kommunikationsmittel, wie Chat, soziale Medien und Videokonferenzen bevorzugt.
  • Wenn man sich in Unternehmen umblickt, sind es oft die Babyboomer, die schon einige Jahre bis hin sogar Jahrzehnte im Unternehmen „die Stellung halten“, wohingegen für GenZ eher rasche Aufstiegschancen, Vielfalt und Sinn in der Arbeit im Vordergrund stehen und dadurch im Job wechselfreudiger sind.

Natürlich ist die Kenntnis dieser Unterschiede wichtig, um effektiv auf die Bedürfnisse verschiedener Altersgruppen im Arbeitsumfeld eingehen zu können. Speziell in der Zusammenarbeit von sehr inhomogenen Teams. Ich persönlich finde es jedoch mindestens genauso wichtig auf die Gemeinsamkeiten zu achten. Denn obwohl die Prioritäten und Präferenzen variieren können, können gerade die Gemeinsamkeiten dazu beitragen, Brücken zwischen den Generationen im Arbeitsumfeld zu schlagen.

Diese Gemeinsamkeiten finden wir beispielsweise in ähnlichen Ansichten zu Wertvorstellungen, Arbeitsmoral, zwischenmenschlichen Beziehungen, Zielorientierung, dem Wunsch nach sinnvoller Arbeit und vermutlich noch einigem mehr. Vor allem in der Teamarbeit sehen wir, dass von positiv gelebter Diversität, Teams und ganze Organisationen durch höhere Leistungen, mehr Innovation und einem besseren Arbeitsklima erheblich profitieren.

MMag. Victor Mihalic (EBC*L):

Die größten Unterschiede liegen erst vor uns. Ich hatte als Babyboomer das Glück in der wohl schönsten Phase der Weltgeschichte, im wohl schönsten Land der Erde aufwachsen und leben zu dürfen. Die GenZ ist gerade dabei zu erkennen, dass dieser Traum sich für sie wohl nicht erfüllen wird. Meine These ist, dass sich damit auch die Bedürfnisse radikal ändern werden; und zwar vom „Life“ wieder in Richtung „Work“. Das Abdecken der notwendigen Grundbedürfnisse – Essen, Wohnen, Sicherheit –  wird wieder in den Vordergrund rücken. Damit wird auch die Attraktivität eines möglichst sicheren Fulltime-Jobs steigen.

Christoph Monschein (Edenred):

Die GenZ und die Babyboomer unterscheiden sich mit Sicherheit in ihren Erwartungen und Einstellungen am meisten voneinander. Was bei Babyboomern sicher stärker ausgeprägt ist, ist das Verständnis für Hierarchien, wohingegen GenZ großen Wert auf ein Miteinander auf Augenhöhe legt. Doch Unterschiede sind nur so groß, wie wir sie machen. Für mich sind die Unterschiede in Wahrheit gar nicht so gravierend bzw. können sie mit entsprechender Kommunikation und dem Aufbau von gegenseitigem Verständnis gut ausbalanciert werden. Was viele außerdem oft vergessen: Unterschiede und Diversität im Team dienen dazu, voneinander zu lernen, über den eigenen Tellerrand zu blicken und sich gegenseitig zu bereichern.

Was der GenZ jedoch zu verdanken ist und davon profitieren auch die Babyboomer: Sie hat die Pandemie und den damit einhergehenden Wandel hin zu einem Arbeitnehmer-Markt genutzt, um ihre und sicher auch bei Babyboomern vorhandenen Bedürfnisse – etwa nach Wertschätzung, Respekt der Individualität und einer gesünderen Work-Life-Balance – stärker zu kommunizieren. Auch die 32-Stunden-Woche und weitere Themen sind nicht neu. Durch den Fachkräftemangel hat sich jedoch die „Macht“ am Arbeitsmarkt weg von den Arbeitgebern hin zu den Arbeitnehmenden entwickelt, wodurch all diese Themen stärker propagiert werden können.

Zusammenarbeit der Generationen

Wie kann die Zusammenarbeit der Generationen unterstützt werden?

Mag. (FH) Michaela Kreitmayr (Hernstein Institut):

Behandle andere so, wie sie es schätzen. Die wichtigsten Eckpfeiler sind Wertschätzung und Respekt, unabhängig von Alter, Kultur, Geschlecht oder Funktion im Unternehmen. Eine generationsübergreifende Unternehmenskultur, in der Vertrauen gelebt und die Zusammenarbeit gefördert werden – also weg vom Silodenken – ist ein wichtiger Puzzlestein. Wo unterschiedliche Generationen zusammenarbeiten, gibt es sowohl Chancen als auch Konfliktpotenziale. Das Einstellen auf unterschiedliche Bedürfnisse und die Behandlung von Menschen als Individuen, ist immer wieder der Schlüssel zu voller Leistungsentfaltung.

Die Führungs- und die Unternehmenskultur sind wichtige Elemente einer gut gelingenden Zusammenarbeit unterschiedlicher Generationen. Verständnis, Wertschätzung und eine offene Feedback-Kultur tragen zu einem gelungenem Miteinander bei. Jeder Mitarbeitende legt auf etwas anderes Wert. Für den einen sind das die flexiblen Arbeitszeiten, für den anderen das Gehalt oder Karrieremöglichkeiten. Indem auf die jeweiligen Bedürfnisse der Generationen eingegangen wird, ist es möglich, dass alle Mitarbeitenden ihre Leistung erbringen können und vor allem wollen.

Mag. Sandra Bascha (New Work SE):

Heute Es braucht Dialogräume und bewusst heterogene Teams. Doch zuallererst muss man anerkennen, dass man anders tickt – und das geht über das Alter hinaus. Wichtig ist, Generationenvielfalt und Diversität als Stärke von Unternehmen zu sehen. Sie sorgen für unterschiedliche Blickwinkel und helfen dabei, unterschiedliche Kunden zu verstehen. Um kollaborieren zu können und das volle Potenzial im Unternehmen auszuschöpfen ist es daher wesentlich, mit diesen Unterschiedlichkeiten umgehen zu können. Wenn man Diversität also nicht als Ausnahme betrachtet und gezielt Teams mischt, fördert dies die Innovationskraft und damit die Wettbewerbsfähigkeit.

Das ist auch Führungsaufgabe in Unternehmen. Beim Generational Leadership geht es darum, die jeweiligen Stärken kooperativ zu integrieren. Das erfordert eine ausdifferenzierte Personalpolitik, die sowohl den Bedürfnissen der einzelnen Generationen als auch den Unterschieden im Arbeitsstil Rechnung trägt. Denn nur so wird auch ein erfolgreicher Wissenstransfer sichergestellt.

Achtung: Victor mit einer recht kontroversen Antwort:
MMag. Victor Mihalic (EBC*L):

Das wird aus folgendem Grund schwierig: Die Jungen brauchen uns Alten einfach nicht. Erfahrungswissen zählt nichts mehr. Wir können ihnen nichts mehr beibringen. Nicht einmal das Kochen. Das kann YouTube schon heute besser. Und für die meisten anderen Probleme bieten die KIs die Lösungen. Originalzitat meines Sohns: „Ich weiß gar nicht, wie man früher ohne ChatGPT leben konnte.“

Mein sehr pessimistisches Szenario ist der „Clash of generations“. Die Jungen werden uns fragen: „Wieso soll ich die Hälfte meines Gehalts für Eure Pensionen und die kaputte Erde, die ihr uns hinterlassen habt, abliefern?“ Gegen den Sturm, der sich da zusammen braut, sind die Klimakleber nur ein laues Lüfterl. Das aggressive Klima wird sich wohl auch auf die Arbeitswelt ausdehnen.

Nachsatz: Ich hoffe sehr, dass ich mit meiner Prognose vollkommen daneben liege.

Interviewte Personen

Generation Z versus Babyboomer … und alles dazwischen wuselt im Unternehmen

Mag. (FH) Michaela Kreitmayer

Michaela Kreitmayer, Feedback, Hernstein, c Feelimage Matern

Mag.(FH) Heike Dormuth, MA

Heike Dormuth, teamimpuls

Christoph Monschein

Christoph Monschein, Edenred, Stellenausschreibung, Stellenanzeigen

Mag. Sandra Bascha

  • Leitung Kommunikation Österreich
  • New Work SE
Sandra Bascha, Xing, Stellenausschreibung und Stellenanzeigen

Mag. Verena Irrschik

  • Geschäftsführerin
  • Karrieremanufaktur e.U.
Verena Irrschik, Karrieremanufaktur

MMag. Victor Mihalic

  • CEO
  • EBC*L Europäische Wirtschaftszertifikate
Victor Mihalic, EBCL
Mag. Eva Selan, MSc | HR-Redakteurin aus Leidenschaft

Theoretischer Background: MSc in HRM & OE. Praktischer Background: HR in internationalen Konzernen und KMUs in Österreich und den USA.
Nach der Tätigkeit beim Print-Medium Magazin TRAiNiNG als Chefredakteurin, wechselte sie komplett in die Online-Welt und gründete Ende 2010 das HRweb.

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