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Outplacement | Sehr unterschiedliche Herausforderungen für Unternehmen, Betroffene und Outplacement-Berater

Outplacement bedeutet eine Herausforderung für Unternehmen, Mitarbeiter und Outplacement-Anbieter. Worin liegen die spezifischen Bedürfnisse und Herangehensweisen dieser 3 Zielgruppen?

Kürzlich hinterfragte ich in einem Experten-Interview das „Warum“ von Outplacement. Die Antworten kann man zusammenfassen als:  Vermeiden von Konsequenzen für den Arbeitgeber (Klage, etc), Unterstützung der nächsten Schritte des (ehemaligen) Mitarbeiters und Employer Branding Maßnahme nach außen hin. Sobald das „ob“ geklärt ist, sollte man sich über die Konsequenzen klar sein.



Wir fokussieren in diesem Experten-Interview die grundlegend unterschiedlichen Herausforderungen & Bedürfnisse für
⇒ Unternehmen
⇒ Betroffene
⇒ Outplacement-Berater

 

Worin liegen die Herausforderungen von Outplacement … für das UNTERNEHMEN?

Mag. Renate Schira (Schira & Leutner Personalberatung): Das Kündigungsgespräch sollte sorgsam vorbereitet sein und das Outplacement in das Ausstiegsangebot miteingeschlossen werden. Dazu ist es nötig die Kündigung zeitlich zu planen, ein wertschätzendes Gesprächsklima aufzubauen und im Exitgespräch auch offen für Kritik zu sein.

Mag. Barbara Schopper (Barbara Schopper  HR Consulting): Den Trennungsprozess professionell und wertschätzend zu gestalten.

Dr. Peter Holzmüller (Lee Hecht Harrison / OTM Karrierberatung): Herausforderungen für das Unternehmen sind vor allem die Frage, ob das Outplacement vom Betroffenen angenommen wird, sowie manchmal das unvollständige Wissen über Outplacement in der Personalabteilung und das Einverständnis des Betriebsrates. Betriebsräte kennen in aller Regel den WAFF und Arbeitsstiftungen, aber nicht die Leistungen von Outplacement.  „Der Kündiger“ soll ein gewisses Maß an Wissen über Outplacement dem Betroffenen vermitteln, sowie den Betriebsrat von der Entscheidung für ein Outplacement überzeugen können.

Mag. Sabina Haas (Sabina Haas Outplacement und Karriereberatung): Outplacement soll kein Feigenblatt sein, sondern kann wirklich einen positiven Nutzen bei schwierigen Trennungssituationen stiften. Herausforderung liegt auch darin, den Betroffenen den Nutzen der Beratung konstruktiv und positiv zu kommunizieren.

Worin liegen die Herausforderungen von Outplacement … für den BETROFFENEN?

Mag. Sabina Haas (Sabina Haas Outplacement und Karriereberatung): Die wirkliche Herausforderung für den Betroffenen ist es, qualifizierte Beratung zu erhalten, die über das bloße Checken von einem Lebenslauf und Netzwerkstrategien hinaus gehen. Der tatsächliche Mehrwert liegt im Ressourcen- und Stärkenmanagement, geführter Selbstreflexion, Entmachten hinderlicher Glaubenssysteme, Entwickeln von effektiven Selbstmarketingstrategien, attraktiven neuen Zielbildern und von neuen Denk- und Handlungsmöglichkeiten.

Mag. Renate Schira (Schira & Leutner Personalberatung): Die Betroffenen müssen die Bereitschaft zur Reflexion in der Neuorientierung mitbringen. Weiters steht die Selbstverantwortung im Vordergrund und die Verpflichtung diesen Prozess aktiv mit zu gestalten.

Mag. Peter Marsch (jobsbutler): Viele der ausscheidenden Mitarbeiter benötigen Unterstützung beim gesamten Bewerbungsprozess, vor allem benötigen Sie Termine für Vorstellungsgespräche.

Mag. Harald Schmid (klaglos.at): Die größte Herausforderung für den Betroffenen liegt sicher darin, in einer hochemotionalen Ausnahmesituation die Bereitschaft aufzubringen, dem bis dato unbekannten Berater Vertrauen zu schenken. Und sich möglichst schnell auch emotional vom bisherigen Arbeitgeber zu lösen. Wenig überraschend: Je länger die Zugehörigkeit war, desto schwieriger ist es, diesen notwendigen Schlussstrich zu ziehen.

Mag. Barbara Schopper (Barbara Schopper  HR Consulting): Vertrauen zu entwickeln und sich in einer sensiblen Lebenssituation auf die Unterstützung durch externe Berater einzulassen.

Woran messen Betroffene den Erfolg des Outplacements?

Mag. Renate Schira (Schira & Leutner Personalberatung): Die Antworten sind hier meist noch sehr oberflächlich und inhaltlich breit aufgestellt, geben aber schon ein erstes Bild auf die Persönlichkeit und ihre Situation. Z.B. : gut aufbereitete Unterlagen zu haben, gut vorbereitet und sicher in die Bewerbungsgespräche zu gehen, den neuen richtigen Job gefunden zu haben etc.

Dr. Peter Holzmüller (Lee Hecht Harrison /OTM Karriereberatung): Für den Erfolg gibt es nur eine Messgröße: Einen adäquaten Job gefunden zu haben!

Was sind die Voraussetzungen für einen erfolgreichen beruflichen Wiedereinstieg?

Mag. Harald Schmid (klaglos.at): Meiner langjährigen Erfahrung nach gibt es nur einen entscheidenden Faktor, der für einen beruflichen Neuanfang notwendig ist. Und zwar die Bereitschaft, sich auch auf ein „out-of-the-box denken“ einzulassen. Bei einem durchschnittlichen Alter unserer Kunden von 50 Jahren kann man nicht immer davon ausgehen, dass der Einstieg im gleichen Berufsbild wieder gelingt. Daher ist es unerlässlich, auch alternative Tätigkeitsprofile zu entwickeln. Ich habe oft erlebt, dass sich jemand in der Outplacement-Beratung ganz bewusst für einen anderen Job oder eine andere Branche entschieden hat. Viele dieser Kunden sind heute zufriedener als in ihrem ursprünglichen Quellberuf.

Worin liegen die Herausforderungen von Outplacement … für Sie als BEGLEITER / Outplacement-Berater?

Mag. Peter Marsch (jobsbutler): Menschen die sich beruflich verändern müssen, eine positive und hilfreiche Stütze zu sein und helfen, optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Mag. Harald Schmid (klaglos.at): Für mich geht es immer darum, den Betroffenen dort abzuholen wo er steht. Das ist meistens die Phase einer starken Kränkung, weil er gerade erfahren hat, dass er die Unternehmensgemeinschaft verlassen muss. Diese „Kündigungs-Aufarbeitung“ sollte so lange wie nötig und gleichzeitig so kurz wie möglich gehalten werden. Schnell gemeinsam eine Vorwärts-Perspektive zu entwickeln, ist der Schlüssel zum Erfolg im Outplacement. Als Outplacement-Berater bin ich immer beides: empathischer Zuhörer und konsequenter Antreiber.

Mag. Barbara Schopper (Barbara Schopper  HR Consulting): Rascher Vertrauensaufbau, um professionell und zielgerichtet die berufliche Neuorientierung begleiten zu können.

Dr. Peter Holzmüller (Lee Hecht Harrison / OTM Karrierberatung): Herausforderungen für den Berater sind vielfältig. Am Beginn der Beratung gilt es Vertrauen aufzubauen und Sicherheit zu vermitteln. Kurz- Programme, mit wenigen Stunden, sind für die Berater genauso wie für die Betroffene herausfordern, da die Beratung sich gezwungenermaßen auf bestimmte Punkte fokussiert und Anderes weglässt, das für den Erfolg entscheidend sein kann . Die schwierigste Situation für einen Berater ist, wenn Betroffene sich nicht auf die Hilfe des Begleiters einlassen.

 



Die Gesprächspartner


Mag. Renate Schira

Eigentümerin

Schira & Leutner Personalberatung

www.schira-leutner.at

Unternehmens-Profil


Dr. Peter Holzmüller
Geschäftspartner

Lee Hecht Harrison / OTM Karriereberatung GmbH

www.lhhaustria.at

Unternehmens-Profil


Mag. Peter Marsch
Geschäftsführer

jobsbutler GmbH

www.jobsbutler.com

Unternehmens-Profil


Mag. Barbara Schopper
Geschäftsführung 

Barbara Schopper  HR Consulting

www.schopper.at


Mag. Harald Schmid
Inhaber

klaglos.at

www.klaglos.at


Mag. Sabina Haas
Geschäftsführerin

Sabina Haas

www.sabinahaas.at


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Interview durchgeführt von

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


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