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Wann Outplacement? Oft auch bei persönlichen Krisen und Ausnahmesituationen

Grundsätzlich gibt es zwei Ursachen, Mitarbeitern Outplacement-Beratung an zu bieten:

  • das Wegfallen von Aufgaben und Stellen aufgrund von Restrukturierungen und Fusionen und
  • wenn es zu außerordentlichen Situationen und persönlichen Krisensituation kommt, wo vielleicht anschließend die Leistung unter ein akzeptables Niveau fällt.

Restrukturierungen und Fusionen sind als Ursachen weitgehend bekannt und in der Literatur detailliert beschrieben. Mich interessiert die zweite Komponente, die persönliche Krisensituation. Wie kann Outplacement hier sinnvoll eingesetzt werden?

Mag. Walter Reisenzein (Geschäftsführer, Lee Hecht Harrison / OTM) ist immer ein guter Ansprechpartner wenn ich Outplacement-Fragen habe. Ich bitte ihn, aus seinem Erfahrungs-Schatz zu erzählen:

Haben Sie konkrete Beispiele für Outplacement bei persönliche Krisensituationen?

Ein Unternehmer ist mit seinem Verkaufsdirektor gemeinsam aufgewachsen. Dieser kämpft seit geraumer Zeit mit einem Alkoholproblem, die Firma hat die Kosten für den Entzug übernommen. Leider sind die Maßnahmen nicht erfolgreich und Großkunden beschweren sich. Eine Trennung ist unausweichlich, doch der Betroffene soll nicht fallen gelassen werden. Nun wird ein spezielles Setting gestaltet, wo folgende Experten zusammenarbeiten: Der behandelnde Arzt des Krankenhauses, eine Coach mit ärztlicher Ausbildung und ein Psychologe als Outplacement Berater.
Je nach Phase wird stationär behandelt oder ein begleitendes Coaching durchgeführt oder nach einer adäquaten beruflichen Perspektive gesucht, also nach dem Outplacement Programm vorgegangen.
Die Phasen wechseln unregelmäßig je nach Zustand des Betroffenen ab, die 3 Betreuer arbeiten eng zusammen, tauschen sich (mit Genehmigung des Betroffenen!) aus. Rückschläge treten ein, am Ende ist das Konzept jedoch erfolgreich: Der Betroffene ist clean und findet eine neue Aufgabe.

Ähnlich war der Fall einer Führungskraft deren Tochter an Krebs erkrankte und durch die psychische Belastung ging die Leistung so stark zurück, dass man sich von ihr trennen musste. Als wertschätzende Maßnahme wurde ihr jedoch Outplacement bezahlt, um eine zukünftige berufliche Perspektive sicher zu stellen.

In einem anderen Fall war Stalking der Grund warum die Leistungen extrem nachließen. Als alle anderen Maßnahmen nicht erfolgreich waren, wurde eine einvernehmliche Trennung von beiden Beteiligten notwendig, die durch das Angebot von Outplacement erreicht wurde.

Manchmal wird von verdienten Führungskräften im noch nicht pensionsreifen Alter, auch ein sogenannter „Consulting Vertrag“ nachgefragt, der jedoch vom Unternehmen nicht gewünscht wird. Dann bietet sich Outplacement als Alternative an, genau wie bei loyalen Mitarbeitern die von sich aus kündigen weil Sie überfordert sind (Burnout).

Ein Sonderfall wo die Methoden von Outplacement verwendet werden, sind  Ehe- oder Lebenspartner von „Expats“, die im unbekannten Zielland, einen interessanten Job oder auch ein Studium suchen und dabei mit einem „Expat Partner Placement Programm“ unterstützt werden. Dies gilt sowohl für Führungskräfte, die Incoming, als auch für jene die Outgoing sind.  Da es von der Firma bezahlt wird, und eine hohe Chance besteht etwas Adäquates zu finden, ist der Partner auch dann eher bereit den Expat ins Ausland zu begleiten. Das Risiko den Auslandaufenthalt auf Grund eines unglücklichen Partners abbrechen zu müssen, wird dadurch wesentlich geringer.

Was kann echtes Outplacement?

Bei Lee Hecht Harrison / OTM beinhaltet Outplacement in groben Zügen:

  • Auffangen im Hinblick auf Depressionen und im worst case Suizidgedanken
  • (Ehe)Partner ins Boot holen, ein gemeinsames Beratungsgespräch baut Vertrauen auf
  • Selbstbild mittels Tests mit Fremdbild abgleichen und daraus Zielbild entwickeln
  • Arbeitsplatz wie im alten Job, inklusive der gewohnten Sekretariatshilfe
  • Webcenter mit fremdsprachigen CV Vorlagen, Firmenbuchauszügen, Übungen, Webinare
  • Mit Gleichgesinnten in Kontakt treten durch Gruppenseminare mit Headhuntern, Interim Managern, Stilberatung, Sozial Media …
  • Juristische Beratung über Firmenkauf, -verkauf, Dienst- und Gesellschafterverträge
  • Doppelter Fallschirm, nach der erfolgreichen Jobsuche ist für weitere 12 Monate die Rückkehr ins Programm kostenlos

Ich danke für das Interview und die breite Palette an Beispielen und bin erstaunt, da ich Outplacement bisher hauptsächlich in Verbindung mit Stellen-Kürzungen sah.


Interview-Partner

Mag. Walter Reisenzein, Geschäftsführer Lee Hecht Harrison / OTM (vormals DBM), wreisenzein@lhhaustria.at.
Lee Hecht Harrison, www.lhh.com berät Organisationen und deren Mitarbeiter bei Veränderungsprozessen und Personalwechsel in Folge von Akquisitionen, Fusionen und Restrukturierungen.

Lee Hecht Harrison / OTM Österreich (vormals DBM), www.lhhaustria.at ist seit 1988 erfolgreich tätig. Über 3000 Kandidaten, von mehr als 900 Firmen wurden bisher beraten und haben eine adäquate Stelle als Angestellte oder Selbständige gefunden.


 

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