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Urlaub – 5 Top-Sätze die man häufig hört

Es ist Sommer und damit Urlaubszeit. „Urlaub“ ist damit auch das Nr. 1 Gesprächsthema in vielen Firmen. Wenn Sprache Realität schafft, dann ist es spannend hinzuhören, wie über Urlaub geredet wird. Hier meine Top-Sätze.

Die Urlaubszeit ist ins Land gezogen. Wir planen unseren Urlaub. Wir fahren auf Urlaub. Wir kommen vom Urlaub zurück. Wir übernehmen Urlaubsvertretungen für Kollegen. Rund um das Thema Urlaub begegnen mir im Alltag immer wieder klischeehafte Sätze, die mir zu Denken geben.

Klischees zum Urlaub

In diesem Artikel daher mein persönliches Ranking an oft gehörten Sätzen rund um Urlaub, die zum Nachdenken geben sollten:

  1. „Ich bin ab kommender Woche auf Urlaub. Aber rufen Sie mich ruhig an, ich habe den Laptop mit.“
    Mein absoluter Favorit. Denn dieser Satz, den ich auch von Kunden ab und an höre, bringt einen in ein echtes Dilemma. Denn wie ist er gemeint? Drückt er maximales Mitarbeiterengagement aus und die Bereitschaft zum Wohle des Unternehmens auch im Urlaub erreichbar zu sein? Ist er ein stummer Hilfeschrei und drückt Überforderung oder schlechte Arbeitsorganisation aus? Sagt er etwas über eine Firmenkultur ohne echte Stellvertretungsregelung aus? Und vor allem: Wenn ich dies wirklich tue, werde ich zum „Täter“ und stehle meinem Gegenüber wertvolle Urlaubszeit oder füttere die Geltungssucht eines anerkannten Workoholikers? Oder ist es ein bereitwilliges Angebot ohne versteckte Botschaft?
  2. „Leider kann ich nicht mehr als 1 Woche Urlaub machen. Mehr erlaubt mein Job nicht.“
    Auch hier ist die Interpretation des Satzes schwierig. „Stummer Hilfeschrei“ ist für mich meine erste Vermutung, denn es schwingt ein unterdrückter Wunsch und Sehnsucht nach längerdauernden Urlauben mit. Oder sogar Resignation über die Last der Verantwortung, die die eigene Position mit sich bringt? Oder mangelnder Mut die eigenen Interessen auch gegen Widerstand durchzusetzen oder dies zumindest zu versuchen?
  3. „Als Selbstständiger kann man leider nicht wirklich Urlaub machen.“
    Dieser Satz ist wohl eine Variation von Satz #2 von Selbstständigen und Unternehmen. Oft noch vom altbekannten Witz, dass Selbstständige ja „selbst+ständig“ arbeiten müssten. Es ist natürlich Realität, dass Selbstständigkeit andere Verantwortlichkeiten und Logiken in sich birgt als eine unselbstständige Erwerbsarbeit (ein furchtbares Wort übrigens). Aber am Ende des Tages hat man hier umso mehr Eigenverantwortung auch Urlaub zu planen und zu organisieren. Und v.a. bei Einzelunternehmern erlebe ich oft die Haltung, dass Urlaub = verdienstfreie Zeit sei und automatisch ein Einkommensverlust. Auch hier wird wohl falsch gedacht: Urlaub ist kein Einkommensverlust! Wenn dem so erscheint, dann hat man schlicht in der restlichen Zeit zu wenig Umsatz/Ertrag! Wenn es nur ohne Urlaub läuft, dann läuft es eben nicht!!
  4. „Ja, ich muss halt Urlaubstage abbauen.“
    Auch ein Unsatz, oder? Da wird über Jahrzehnte ein Sozialsystem aufgebaut, das auch das Recht auf Erholung beinhaltet und es wird ausgedrückt, dass dies als Last empfunden wird. Der Satz ist auch vielfältig zu interpretieren. Er sagt möglicherweise etwas über die eigene Lust (oder Fähigkeit) aus sich mal rauszunehmen und die eigene Unabkömmlichkeit in Frage zu stellen. Es sagt gleichzeitig wohl aber auch etwas über Unternehmen aus, die die Arbeitszeit von Schlüsselmitarbeitern bereitwillig konsumieren ohne auf deren Leistungs-Erholungs-Bilanz zu achten. Und dann MUSS der Urlaub halt rasch abgebaut werden.
  5. „Und … noch erholt?“
    Tja … und nach dem Urlaub erlebt man oft zynische Fragen ob man an Tag 1 nach dem Urlaub noch erholt sei. Will man seine Kollegen damit frustrieren? Stimmt man damit in einen zynischen Kanon in vielen Firmen ein, die die Arbeit als Last und den Urlaub als Befreiung sehen? Und das schlimme ist: Nur selten hört man ein „Ja, das bin ich!“. Und dabei hat man auch selbst viel Einfluss darauf wie man die Erholung in den Alltag mitnimmt (Lesetipp: HRweb-Artikel „Wiedereinstieg nach dem Urlaub“).

Sie haben es in der Hand!

Verstehen Sie mich nicht falsch: Auch mir ist der eine oder andere dieser Sätze schon herausgerutscht. Und als selbstständiger Unternehmer sehe auch ich mich stets im Spannungsfeld die eigene Leistungs-Erholungs-Bilanz ausgeglichen zu halten. Mir geht es in diesem Artikel darum unsere Sprachmuster und Sprachgewohnheiten zu hinterfragen. Denn Sprache formt Realtität. Dies gilt insbesonders für alle Führungskräfte! Wie Sie über Urlaub reden und diesen vorleben formt die Urlaubs-Kultur Ihres Unternehmens entscheidend mit.

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