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Das Home Office ist nicht mehr zeitgemäß | Erfahrungen & Studien

In unserem Booklet 7 Mythen über die Zukunft der Arbeit räumen wir mit den gängigsten Mythen im Kontext moderne Arbeitswelten auf und geben Empfehlungen zur Umsetzung im eigenen Unternehmen. In einem vorhergehenden Artikel haben wir schon den Mythos die E-Mail ist tot angesprochen . Hier wollen wir uns jetzt einem Thema annehmen, das immer wieder für Diskussionen sorgt: Das Home Office

Gast-Autor: Daniel Holzinger (Colited)

Das Home Office ist nicht mehr zeitgemäß

Marissa Mayer, die ehemalige Chefin des großen, nordamerikanischen IT-Konzerns Yahoo, hat 2013 mit einem radikalen Schritt sämtliche, aus dem Home Office arbeitenden, Mitarbeiter wieder ins Büro beordert. Die Reaktionen (www.spiegel.de/…, www.manager-magazin.de/…) darauf fielen unterschiedlich aus – von einem Rückschritt, einer dringlichen Maßnahme zur Wiederbelebung bis hin zum Ausdruck einer Misstrauenskultur und des Mikromanagements. Auch wenn andere Technologieunternehmen vereinzelt mit ähnlichen Nachrichten aufhorchen ließen, ist tageweises Home Office eine zeitgemäße Form konzentriert an komplexeren Aufgaben zu arbeiten. Die Vorteile liegen dabei auf der Hand: Mitarbeiter sind nachweislich produktiver und gleichzeitig sind weniger Krankenstandstage zu verzeichnen. Eine aktuelle Studie der Stanford-University unterstreicht, dass das Arbeiten von zu Hause aus die Produktivität signifikant steigert (www.inc.com/… ). So verwundert es kaum, dass sich über 50 % der Arbeitnehmer lt. der Mercer Befragung 2018 „Global Talent Trends Study“ mehr Optionen für flexibles Arbeiten wünschen (www.mercer.com/…).

Home Office richtig einzuführen bedeutet immer ein schrittweises Vorgehen. Mitarbeiter müssen identifiziert und Voraussetzungen geprüft werden. Zu den Voraussetzungen gehören beispielsweise ein eigener Schreibtisch, idealerweise ein eigener Raum und eine stabile Breitband-Internetanbindung. Home Office bedeutet vor allem eines nicht: wochenlang und isoliert von den Kollegen von zu Hause aus zu arbeiten. Für den ersten Schritt reicht es in der Regel aus, einen Home Office-Tag in der Woche einzuplanen. Oder aber antizyklisch am Arbeitsplatz zu erscheinen und so dem morgendlichen Berufsverkehr auszuweichen. Dadurch wird auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtert.

Zusätzlich ist auch ein „grüner Nebeneffekt“ beachtenswert, da durch den Wegfall der An- und Abreise mit dem eigenen PKW zum Arbeitsort auch CO2-Emissionen reduziert werden. Abschließend ist zum Thema Home Office, aus unserer Erfahrung, ein grundsätzliches Schwarz-Weiß-Denken in der Regel immer kritisch zu hinterfragen. Wichtig ist, dass eine individuell passende Lösung für das jeweilige Unternehmen oder den Arbeitsbereich gefunden wird.

 


Booklet

In unserem Booklet beschäftigen wir uns auch mit dem Thema Führung von Mitarbeitern über Distanz. Viele Führungskräfte führen ihre Mitarbeiter im Home Office, nach unseren Beobachtungen und Erfahrungen, wesentlich schlechter, weil sie die Führung von entfernt arbeitenden Team-Mitgliedern nie gelernt haben. Dafür sind hier andere Qualitäten nötig. Denn: Anweisungen zwischen Tür und Angel geben, alle Mitarbeiter kurzfristig in das Besprechungszimmer holen – das geht dann nicht mehr. In einem weiteren Mythos des Booklets nehmen wir uns dem Thema Führung über Distanz so wie vielen weiteren Themen an.


Gast-Autor

Daniel Holzinger begleitet Unternehmen und Organisationen auf der Reise zu neuen Arbeitswelten. Als Architekt neuer Arbeitsformen arbeitet er mit einem ganzheitlichen End-to-End Beratungs- und Transformationsansatz.
Er blickt auf mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Beratungs- und Informationstechnologie-Branche zurück. Dabei bekleidete er internationale Managementpositionen als COO, Vice President und Geschäftsführer in den Bereichen Vertrieb, Marketing, Public Relations, Partnermanagement, Business Development, IT und HR. Darüber hinaus war er mehrere Jahre als Lektor für Marketing- und Vertriebscontrolling an der FH Wien tätig. Mit seiner Unternehmensberatung ist er langjähriger Kooperationspartner von LogMeIn.
Privat ist er passionierter Golfspieler, Bogenschütze und Wassersportler.
www.colited.com, www.workshifting.net


 

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4 Kommentrare

  1. Andreas Mann am

    Home Office kann sowohl für Firma als auch für Mitarbeiter eine gute Erfindung sein. Ich sehe es genauso wie im Beitrag oben beschrieben: schrittweise und MITDENKEN von beiden Seiten. Dann kann es sehr fruchtbar sein!

  2. Gerd Beidernikl am

    Ich verstehe leider nicht wie die Einleitung des Artikels zum Hauptteil des Artikels passt. Die Überschrift “Homeoffice ist nicht mehr zeitgemäß” wird ein paar Zeilen später gefolgt von “…tagesweises Homeoffice ist eine zeitgemässe Form….”. Also was jetzt?
    Ich bitte um Präzisierung!! Vor allem auch um Aufklaerung warum es scheinbar auch Gegentrends gibt.
    Ich selbst bin in meinem Unternehmen Vieconsult großer Verfechter von Homeoffice. Ich halte nur den Begriff fuer veraltet. Denn es ist mir eigentlich egal von wo gearbeitet wird – „Home“ ist dabei eine Möglichkeit.

  3. Mia am

    Leider ist Home Office nicht mehr so beliebt wie noch vor Jahren. Die Vorzüge von Home Office sind für Arbeitnehmer oft sehr hilfreich – v.a. wenn der Beruf zeitlich mit diversen anderen „Tätigkeiten“ (auch Kinder, zu pflegende Angehörige, etc) zu koordinieren ist. Dass es für das Unternehmen mitunter doch wichtig ist, die Mitarbeiter vor Ort und greifbar zu haben, sehe ich – leider – auch ein.

  4. Daniel Holzinger am

    @ GERD BEIDERNIKL

    Vielen Dank für Ihr Kommentar. In unserem Booklet sprechen wir über Mythen. Folglich ist auch die Überschrift „Das Home Office ist nicht mehr zeitgemäß“ ein Mythos, den wir im Text auflösen. Auch, wenn das Thema zum Teil sehr kontroversiell diskutiert wird, halten wir das Home Office jedenfalls für zeitgemäß und haben flexibles arbeiten natürlich auch in unserer Unternehmensberatung von Anfang an erfolgreich und nachhaltig etabliert.

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