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High Level Support und Development für das Topmanagement

⇒ Serie: Grundsatzfragen zum Thema Führung, denen sich Human Ressource Experten stellen sollten  ||  Teil 10

 

Niemand würde einem Spitzensportler zumuten, ohne ausreichendem Training und ohne umfassenden Betreuerstab in eine Rennsaison zu gehen. Beim Topmanagement ist das gang und gebe: Sie werden aufwendig gesucht, bestellt und dann meistens sich völlig selbst überlassen. Wer an der Unternehmensspitze angekommen ist und sich zum Topmanagement zählen darf ist üblicherweise von keinerlei Support- oder Entwicklungsmaßnahmen mehr umfasst. Denn für einen Topmanager gelten völlig andere Rahmenbedingungen: Niemand führt mehr mit ihm ein jährliches Performance- oder Mitarbeitergespräch, niemand nimmt mehr Anteil an seinen persönlichen Weiterentwicklungen, niemand interessiert sich für seinen physischen, emotionalen oder mentalen Leistungszustand. Alles was zählt ist wirtschaftliche Ergebnisse zu erzielen, die die Vorgaben und Erwartungen der Steakholder erfüllen. Am Ende einer langen, erfolgreichen beruflichen Laufbahn, mag das für den einzelnen Topmanager genug sein, da das aufgebaute Netzwerk mit seinen stabilen langjährigen Kontakten auf vielfältige Weise Support bietet. Was bedeutet das aber für das immer jünger werdende Topmanagement? Wie können sie den Mangel an Unterstützung durch die direkten Vorgesetzten ausgleichen?

Persönlicher Wille zur permanenten Weiterentwicklung

Wer den beruflichen Herausforderungen einer Topmanagementrolle dauerhaft gewachsen sein will braucht eine gesunde Portion Selbstreflexionsfähigkeit und den Willen zur permanenten, persönlichen Weiterentwicklung.  Sie basiert auf klugem Hinterfragen des eigenen Verhaltens und der Bereitschaft neues, anderer Verhalten für ähnliche zukünftige Situationen zu entwickeln. Ein gesunder Humor über die eigenen Fehlbarkeit und eine wohlwollende Haltung zu kritischen Äußerungen aus dem unmittelbaren beruflichen Umfeld unterstützen den Blick auf eigene Entwicklungspotenziale.

Sparring mit Dritten

Wenn die Funktion top genug ist, dann sind ernsthafte Sparringpartner rar. Manchmal ist das unmittelbare Umfeld der Meinung, dass der Topmanager bezahlt genug bekommt und sich daher gefälligst alleine durchzuschlagen hat. Oder die direkten Mitarbeiter sind aufgrund der eigenen Aufgabenbelastung oder der sehr differenzierten Zuständigkeit nicht in der Lage als Sparringpartner zu fungieren. Jedoch gerade weil die Themen immer komplexer werden und Entscheidungen immer schneller gefragt sind ist es im Topmanagement wichtig, sich regelmäßig mit kritischen auf selber Augenhöhe auszutauschen. Das steigert die Treffsicherheit von Einschätzungen, hilft nachhaltig im Sattel zu bleiben und dauerhaft erfolgreich zu sein.

Regelmäßige Entspannung und Entstressung

Intensive Jobinhalte brauchen zum Ausgleich Auszeiten für Entspannung und Entstressung. Topmanager haben intensive Belastungen im emotionalen und mentalen Führen zu bewerkstelligen, das bedeutet, dass sie  in volatilen und unsicheren Zeiten Zuversicht und Optimismus auszustrahlen haben, an der sich die gesamte Organisation nährt. Die Stärke und Sicherheit des Topmanagements geben der gesamten Belegschaft Mut und Kraft.

Dass das Verschleißerscheinungen auch bei jungen Topmanagern hervorrufen kann liegt auf der Hand. Physischer Ausgleich durch Sport, emotionaler Ausgleich durch Gefühlsregulierungen und mentaler Ausgleich durch Mentaltraining sind wichtige Unterstützungsmaßnahmen, die regelmäßig mit kundiger Unterstützung von ausgebildeten Coaches vorgenommen werden sollten.

Netzwerken mit Gleichgestellten und Gleichgesinnten

Viele Themen sind so komplex, dass ein einzelner Topmanager allein sie nicht umfassend behandeln kann. Zwar geben Kongresse, Vorträge und Veranstaltungen Ideen, diese Aufgabe zu bewältigen, doch fehlt der konkrete Bezug zur eigenen Praxis oder zu Best-Practice-Beispielen anderer – ein effizienter Transfer von Anregungen ins eigene Unternehmen findet nicht statt. Er muß allein bewerkstelligt werden. Ein impulsgebender Austausch mit Topmanagementkollegen ist für viele Fragestellungen hilfreich und nützlich. Netzwerketreffen mit Gleichgesinnten und Gleichgestellten, die Möglichkeit zum intensiven Austausch miteinander bieten, bieten einen nachhaltigen Mehrwert.

Wie kann Human Resources beitragen, um das Topmanagement zu unterstützen

  1. Attraktive Weiterbildungsmaßnahmen, die state-of-the-art Themen und Wissen vermitteln, aktiv anbieten wie bspw: Konferenzen, Kongresse, Tagungen
  2. Imagewahrenden Zugang zu Supportmaßnahmen im allgemeinen statt im konkreten anbieten wie bspw Coachingkontingente, die allen Topmanagern bei einem bevorzugten Provider zur Verfügung stehen. Jeder Topmanager kann direkt mit einer externen Kontaktperson beim Coachinganbieter mit seinem individuellen Anliegen in Verbindung treten und findet maßgeschneiderte Unterstützung.
  3. Regelmäßiges, andauerndes Sparring für längere Zeiträume (bspw 12 Monate) bei spezifischen, herausfordernden beruflichen Situationen wie bspw Onboarding, Restrukturierungsmaßnahmen, Change Prozessen etc.
  4. Coaching als fringe benefit – die Unterstützungsleistung ist fixer Teil von einem Bündel an Rahmenfaktoren wie Dienstauto, Handy, Laptop etc.

Und last but not least, Topmanagern in jeden Fall einen externen, geschulten Ansprechpartner als Anlaufstelle zur Verfügung stellen, der als hotline für akute oder heikle Fragestellungen fungiert und sie gemeinsam mit dem Betroffenen einer zufriedenstellenden Bearbeitung und Lösung zuführen kann – ganz ohne eigener hidden agenda oder systemischer Verstrickung.

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