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Lust auf einen Mutausbruch?

Was ist Mut überhaupt?

Damit man von einer „mutigen Tat“ oder mutigen Unterlassung reden kann, braucht es fünf Komponenten (lt. dem Psychologen Andreas Dick):

  • eine Handlung, bei der eindeutig ein Risiko oder sogar Gefahr besteht
  • das eindeutige Gefühl, dass diese Handlung richtig ist
  • die Hoffnung auf einen guten Ausgang
  • freier Willensentschluss
  • es dient einer guten Sache

„Beherztheit“, ein Synomym für Mut, braucht also ein positives Motiv, denn wenn die Handlung einer „unwürdigen“ Sache dient (ist natürlich eine Frage der Werte und Konventionen), spricht man eher von Übermut oder Hochmut.

Mut in der Führung?

So, und wofür brauchen Führungskräfte heutzutage Mut? Ich habe eine Reihe Frauen und Männer in Führungspositionen unterschiedlicher Unternehmen qualitativ befragt, in welchen Situationen sie Mut beim Führen brauchen. Vier Aspekte haben sich dabei herauskristallisiert:

  • In einer ungewissen Situation Neues zu probieren und damit Fehler als Lernquelle zulassen bzw. Entscheidungen zu treffen, die möglicherweise unpopulär aber subjektiv richtig sind
  • Mit schwierigen Mitarbeitenden das Gespräch suchen, sich der unangenehmen Situation stellen statt einfach zuzusehen. Nein zu sagen – zu einem Verhalten des Mitarbeitenden, aber auch zum Vorstand und zum Kunden.
  • Dinge aus der Hand zu geben, weniger zu kontrollieren, Freiraum und Vertrauen zu schenken
  • Vertrauen in sich selbst zu haben – als Voraussetzung für all die (obigen) Entscheidungen, die man trifft. Für die eigene Linie zu kämpfen und gleichzeitig flexibel zu sein, wenn es wirklich nur die zweitbeste Sache ist.

Eine Teilnehmerin meinte: „In Zeiten großer Veränderung müssen wir Ungewissheit zulassen und gegenseitiges Vertrauen. Wir müssen uns unangenehmen Fragen stellen, Fehler eingestehen und bereits eingeschlagene Pfade wieder verwerfen. Die Herausforderung können wir nur gemeinsam meistern. Das braucht Mut zur Offenheit, Mut zur Verwundbarkeit und den Mut nicht immer die Antwort haben zu müssen.“

Finden Sie sich da wieder?

Mit einer einfachen Technik zu mehr Umsetzungskraft

Hätten Sie Lust auf einen Mutausbruch? Mal jemanden mutig, aber ohne verletzend zu sein, die Meinung zu sagen, statt zu schweigen? Als einziger gegen einen Vorschlag zu stimmen und sich nicht gleich dem Gruppendruck unterzuordnen?

Die folgende mentale Technik, hilft Ihnen tagtäglich bei der Umsetzung ihrer Vorhaben. Sie ist wissenschaftlich bestens untersucht und ist leicht anzuwenden. Unerwünschte, positive Nebenwirkungen wie z.B. mehr Selbstbewusstsein, inneres Strahlen und mehr Freude können Sie hoffentlich in Kauf nehmen…

WOOP yourself…

Wichtig: Die Technik wirkt nur in dieser Reihenfolge und inklusive der inneren Visualisierung. Sie ist eine hilfreiche Strategie um eigene Wünsche zu erfüllen und Gewohnheiten gezielt zu verändern

Entspannen Sie sich, nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit und es kann losgehen:

  1. Wish: Was ist ihr wichtigster Wunsch für die nächste Zeit? Was möchten Sie wirklich? Nehmen Sie einen Wunsch, der herausfordernd, aber selbst erfüllbar ist.
  2. Outcome:Was wäre das schönste Ergebnis? Wie würden Sie sich fühlen? Dann stellen Sie es sich innerlich vor. Malen Sie es sich lebhaft aus… Je lebendiger z.B. kleine Filmszenen, desto wirsamer!
  3. Obstacle: Was ist ihr Hindernis? Was ist es in Ihnen, das Sie davon abhält, sich Ihren Wunsch zu erfüllen? Stellen Sie es sich wieder innerlich lebhaft vor… Malen Sie es sich aus, wie es ist, wenn ihr Hindernis wirksam wird… Ja, das ist jetzt etwas unangenehm, aber der Knackpunkt.
  4. Plan: Machen Sie einen Wenn-Dann-Plan: Wenn …. (Hindernis), dann mache (oder denke) ich ….. Wiederholen Sie diesen Satz dann einige Male innerlich oder laut. Er unterstützt sie unbewusst und rasch, sobald das Hindernis auftaucht.

Die umfassende Forschung von Gabriele Oettingen zeigt, dass damit die Umsetzungswahrscheinlichkeit signifikant ansteigt. Sollte es trotzdem mal nicht klappen beim WIE der Umsetzung, dann könnte Ihnen vielleicht mein Leitspruch als Fast-Ex-Perfektionistin helfen: „Blamiere dich täglich…!“ Und bitte, lachen Sie einfach darüber. Die höchste Form von Humor ist es, über sich selbst zu lachen – und damit ist paradoxerweise ein Blamieren gar nicht mehr möglich.

„Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht,
sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.
Lucius A. Seneca


Literaturtipps

  • Andreas Dick (2010), „Mut: über sich hinauswachsen“
  • Gabriele Oettingen (2017), „Die Psychologie des Gelingens“ (über die WOOP Technik)

 

 

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