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Train the Trainer-Ausbildung | Teilnehmer & Trends

Experten-Interview: Train the Trainer. Wer nimmt an Train-the-Trainer-Ausbildungen teil? Änderte sich die Zielgruppe & die Erwartungshaltung in den letzten Jahren? Wohin geht generell der Trend?



In wie fern haben sich die Teilnehmer in den letzten 5 Jahren verändert?

Eva-Maria Kraus (NewView): Die Teilnehmer möchten mehr unterhalten werden. Ausprobieren, erleben, spüren, reflektieren und in den eigenen Alltag übersetzen wird immer größer geschrieben. Spaß am Lernen und das eigene Erleben steht im Vordergrund. Dies kann durch abwechslungsreiche Konzeption erzielt werden. Ebenso ist der Wunsch der Teilnehmer in Real Life Sequenzen in Kombination mit Coaching und Reflexion zu lernen.

Günther Mathé, MBA (Careercenter): Die Aufmerksamkeitsspanne der Teilnehmer ist in den letzten Jahren extrem gesunken. Die TN sind durch Handy, Notebook, Tablet und permanenten Internetzugang so abgelenkt, dass man sich als Trainer noch mehr bemühen muss, die Teilnehmer bei Laune zu halten.
Mit einer einfachen Präsentation oder schlecht layoutierten Unterlagen hast du als Trainer sofort verloren, auch wenn der Inhalt spitze ist. Die TN sind extrem anspruchsvoll und verwöhnt geworden. Als Trainer wirst du zunehmend mehr Entertainer und Kabarettist – das ist es was die Teilnehmer wollen: Inhalte knackig aufbereitet, neue Themen die leicht verständlich sind, Spaß und Spannung während des Trainings.
Stehst du als Trainer manchen Teilnehmer kritisch gegenüber bzw. versuchst die TN in ihrer Entwicklung zu intensiv zu unterstützen (was manchmal einer Veränderung des Verhaltens bedarf), ist die Gefahr einer negativen Bewertung des Seminars durch den Teilnehmer groß. Leider hinterfragt die PE oder HR zu selten wodurch das kritische Feedback entstanden ist. Trainer sind schnell ausgetauscht.

Mag. Sabine Prohaska (seminar consult prohaska):

  • die Teilnehmer sind durch die Medien einen schnellen Wechsel der Bilder sowie in der Dramaturgie gewohnt;
  • sie wollen die zentralen Inhalte, Botschaften auf den Punkt gebracht serviert bekommen, denn Zeit ist eine knappe Ressource in den Firmen (und in ihrem Leben);
  • ein ungestörtes Arbeiten (ohne Smart Phone, PC/Emails etc.) ist fast nicht mehr möglich; die ständige Erreichbarkeit wird nicht nur von vielen Firmen gefordert, viele Personen haben sie auch als Selbstanspruch verinnerlicht: Sie wollen ständig erreichbar sein.

Michaela Baumgartner (Group Austria): Durch die sozialen Medien und Möglichkeiten die diese anbieten, haben sich die Teilnehmenden soweit verändert, dass eine neue Selbstständigkeit im Lernen und auch Erwartung entstanden ist. Teilnehmer*innen recherchieren vorab mehr oder suchen nach weiteren Quellen. Die Kommunikation zwischen Vortragenden und Zuhörenden wird mehr und mehr dialektisch – und dadurch partnerschaftlich. Dies führt zu einer guten Bereitschaft und Aktivität.

Corinna Ladinig, MBA (CTC Academy): Da sehe ich keine Veränderung in den letzten 5 Jahren – es kommt ganz darauf an, in welchen Kontexten man trainiert. Was öfter passiert ist, dass während des Trainings Inhalte gegoogelt werden 😉

7. Wohin geht der Trend?

Mag. Sabine Prohaska (seminar consult prohaska): Die Firmen legen beim Lernen den Fokus immer stärker auf die Eigenverantwortung des
Einzelnen statt auf eine „zentralistische“ Planung – zum Beispiel durch die Personalabteilung. Hierfür stellen sie ihren Mitarbeitern auch zunehmend Tools zur Verfügung – ähnlich wie die Bücher in einer Bibliothek, auf die man bedarfsabhängig persönlich zugreifen kann: Stichwort E-Learning. Zudem findet das Lernen zunehmend im Prozess am Arbeitsplatz statt. Dabei spielt auch das Thema „Virtual Reality“ in der Weiterbildung in einigen (großen) Unternehmen schon eine Rolle. So trainiert zum Beispiel einer meiner Kunden seine Verkaufsmitarbeiter ab 2019 mit VR-Brillen.

Michaela Baumgartner (Group Austria): Virtuelle Medien werden in klassischen Seminaren immer mehr Platz finden. Ich sehe eine gute Chance für die Zukunft, dass beide Seiten – die virtuellen Teilnehmenden und die klassischen Präsenzteilnehmenden, gleichzeitig in einer Seminarreihe sitzen. Onlinetrainings finden mehr und mehr Akzeptanz und Anerkennung für die berufliche Weiterbildung, auch in öffentlichen Instituten.

Corinna Ladinig, MBA (CTC Academy): Siehe Beantwortung Frage 4 – wenig Zeit und viel Stress erschweren die gründliche Exploration von Schulungszielen und die Transferunterstützung durch die Organisation und die Führungskräfte.
Ich glaube, dass noch mehr auf Online-Trainings gesetzt wird und auch private Personen verstärkt online-unterstützte Ausbildungen machen werden.
Technische Trainings z.B. in der Automobilindustrie werden immer mehr computer-unterstützt – da gibt es fantastische Möglichkeiten wie man mittels Videos lernen kann.
Videosequenzen, Erklärungsvideos etc. werden auch immer stärker in Schulungskonzepte einfließen.
Wie virtuelle Brillen da noch unterstützen können, weiß ich nicht – glaube aber, dass auch das ein Trend sein könnte.

Günther Mathé, MBA (Careercenter): Der klassische Trainer, der ausschließlich ein gutes Präsenztraining abhält ist ein Auslaufmodell. Es wird unumgänglich sein, dass sich die Trainer die digitale Unterstützung selbst aneignen oder den support dafür zukaufen (Lernapps, moodle Systeme, …). Das bedeutet, dass inhaltliche Wissen des Trainers und der Methodenkoffer sind nicht mehr das wertvollste Gut eines Trainers. Die Trainer müssen sich vermehrt um die schöne Verpackung und das Mascherl dazu bemühen. Die Gefahr ist groß, dass dabei die Technik gewinnt und nicht der fachlich beste Trainer. Und wie bei so Vielem, geht der Kunde davon aus, dass das mittlerweile Standard ist und nicht extra dafür zahlen muss.

Eva-Maria Kraus (NewView): Zukünftig wird sich ein guter Trainer durch den wirksamen Transfer in die Praxis von anderen Trainern unterscheiden. Die Stellhebel der Transferwirksamkeit werden von den Trainern fordern mehr in die Beraterrolle zu gehen, um die Umsetzung im Alltag gemeinsam mit dem Auftraggeber zu ermöglichen. Auch die Co-Creation wird immer mehr Einzug finden – interne und externe Experten konzeptionieren gemeinsam, unterschiedliches Wissen wird so nutzbar gemacht. Auch die Vernetzung von unterschiedlichen Teilnehmern – Führungskräfte, Experten, digital natives, Seniors usw. – wird mehr Einzug in den Trainingsraum erlangen um unterschiedlichstes Know-how und dessen Vernetzung bereitzustellen.
Trainer werden mehr Prozessbegleiter die auf Lernprozess abgestimmte Real-Life-Methoden und mit Reflexionen in die Umsetzung der Veränderung begleiten.
Training ist jetzt – gerade bei Experten und Führungskräften – ein wichtiger Skill der die Laufbahn und Karriere der jeweiligen Person positiv beeinflusst, da eine ganzheitliche Weiterentwicklung verfolgt werden kann.

 



Die Gesprächspartner

Online Training


Michaela Baumgartner
Vorstand

Group Austria – besser leben mit Bildung

www.group-austria.at

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Eva-Maria Kraus
Inhaberin, Trainerin

New View

www.NewView.at

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Corinna Ladinig, MBA
Geschäftsführerin & Inhaberin

CTC Academy OG

www.ctc-academy.at

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Günther Mathé, MBA
Geschäftsführer

Careercenter

www.careercenter.at

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Mag. Sabine Prohaska
Eigentümerin

seminar consult prohaska

www.seminarconsult.at

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selan_eva_150Interview durchgeführt von

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan

Ich danke sowohl für Ihre Expertise als auch für Ihre Geduld!
Mein persönlicher Luxus ist es, mitunter auch kontroverse Aussagen im Interview präsentieren zu können. Über den Tellerrand sehen und letztendlich dadurch den Mehrwert generieren. Besonderen Spaß macht es mir, darüber hinaus freche, unerwartete, provokante Blickwinkel dabei zu haben.
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