HRweb | Die erfrischende Plattform für Human Resources

Think Different | Wenn Evolution auf HR trifft

Ich freue mich: ich habe das Programm der kommenden BeLinked HR Leader (28nov2019 in Mauerbach) erhalten und durchstöbert. Ich bin ja leicht zu begeistern und fühle mich sofort angesprochen vom Titel „Think Different. Unter Affen: Verhaltensforschung zwischen Portiersloge und Führungsetage“.

Gregor Fauma (Foto rechts) ist Verhaltensforscher und Evolutionsbiologe. Von ihm einen Blick auf HR zu bekommen, darauf bin ich gespannt und ich bat ihn vorab bereits zum Interview:

 

In Ihrem Vortrag der BeLinked fordern Sie „Think Different“ – wen sprechen Sie damit besonders an: Wer sollte in welchen Situationen am besten mal anders denken?

Immer dann, wenn die Emotionen spürbar werden, tritt das logische Denken in den Hintergrund. Fühlen wir uns zum Beispiel von Kollegen bei Meetings provoziert, macht sich der Urmensch in uns bemerkbar. Meist zum eigenen Nachteil, da wir dann für die heutigen Zeiten überzogen und zu aggressiv reagieren. Vor 1,5 Millionen Jahren mag das in der Savanne ja geholfen haben. In modernen Business-Umgebungen ist das meist deplatziert. Es reicht aber auch schon ein Email, um sprichwörtlich die Fassung zu verlieren, wenn man sich darin zu Unrecht mit Vorwürfen konfrontiert sieht. Dann wird zurüchgeschossen, dann wird recht bald verbrannte Erde hinterlassen. Wir brauchen aber auch ein neues Denken, wenn wir uns über diskrete Gruppenhierarchien hinwegsetzen. Unbedachte Bevorzugungen können bei übergangenen Kollegen, die einen Anspruch empfinden, für nachhaltige Kränkungen sorgen. Kränkungen, die einer guten Performance am Arbeitsplatz entgegenwirken. Auch wäre ein neues Denken von Vorteil, wenn es um die Verteilung jeglicher Art von Ressourcen geht. Muss ein höheres Gehalt automatisch mit einem schöneren Büro, größerem Dienstwagen und besserem Handy verbunden sein? Reicht nicht die Ressource höheres Gehalt als Merkmal höheren Status in der Gemeinschaft? Ab wann wird es unverschämt?

Was bringen Hierarchien, worin liegen ihre Grenzen und wann sind sie kontraproduktiv?

Hierarchien sind wie Job descriptions – sie sollten für Klarheit und Frieden im Team sorgen. Jeder weiß, wo er steht, was ihm zusteht und was von ihm erwartet wird. Die Grenzen von Hierarchien am Arbeitsplatz sind zum Beispiel, wenn Dauer der Anstellung und Kompetenz gegenverrechnet werden. Jemand, der schon 25 Jahre im Unternehmen ist, fühlt sich bestimmt auf den Schlips getreten, wenn er sich in der Hierarchie seines Teams einem neuen Kollegen unterordnen muss, der zwar ein tolles Studium abgeschlossen hat und auch sonst sehr kompetent und dynamisch wirkt, für das Unternehmen aber noch keinen Cent an Wertschöpfung erwirtschaftet hat. Kontraproduktiv werden Hierarchien dann, wenn die Teammitglieder nicht die Größe besitzen, auf Ansprüche und etwaige Dienstwege fakultativ zu verzichten. Wenn Entscheidungen aus Hierarchiegründen gefällt werden, an Stelle von Kompetenzgründen. Dann steht Hierarchie im Weg.

Lob als Stressvermeider? Erklären Sie mir das bitte ein wenig genauer:

Lob und körperliche Zuwendung, wie zum Beispiel die Hand auf die Schulter oder den Oberarm legen, lässt beim Gelobten oder Berührten Oxytocin ausschütten, was wiederum die Stresshormone runterfährt. Lob bedeutet immer auch soziale Anerkennung, und da der Homo sapiens zwingend ein soziales Wesen ist, ist das auch der kritische Faktor für Stress bzw. Entspannung.

Wie kamen Sie zu dem Titel Ihres Belinked-Vortrags „Unter Affen: Verhaltensforschung zwischen Portiersloge und Führungsetage“?

Eine Unzahl an Verhaltensmustern, die wir tagtäglich am Arbeitsplatz zeigen, sind direktes Ergebnis unserer Evoltuion. Diese Verhaltensmuster sind immer noch affig, oder neandertalig – ganz wie Sie wollen! Ich nehme beim Vortrag die Zuhörer auf eine verhaltensbiologische Exkursion in ein großes Unternehmen mit und wir beobachten gemeinsam, wie sich der Mensch dort so macht, um dann zum Schluss zu kommen, dass wir immer noch dieselben Affen sind.

Wie sieht es mit Flirt am Arbeitsplatz aus?

Zum Thema Partnerfindung im weitesten Sinn gibt es viel Neues aus den modernen Verhaltenswissenschaften. Gerade am Arbeitsplatz greifen Auswahlmechanismen brutal zu und hinterlassen Opfer. Männer und Frauen gehen auf unterschiedliche Art in den Wettbewerb, zuerst gegeneinander, dann um den Partner. Alter, Status und Attraktivität spielen da eine große Rolle. Die Wissenschaften sind hier sehr entlarvend, was das eigene Verhalten betrifft. Weihnachtsfeiern sind zum Beispiel oft Bühnenbild von Flirtsituationen, die, je nach Verhaltensmuster, eskalieren oder versanden können. Details würden hier den Rahmen sprengen. Verkauf und Präsentationen sind da übrigens nicht unähnlich. Da greifen ähnliche Mechanismen der Selbstdarstellung und Kommunikation, die uns seit Millionen Jahren prägen. Vor denen gibt es kein Entrinnen, sie funktionieren. Aber wenn man sich dieser Verhaltensmechanismen bewusst ist, kann man sie auch ganz gezielt zum eigenen Nutzen einsetzen.


Interview-Partner

Gregor Fauma ist Verhaltensforscher und Evolutionsbiologe. Mit Humor beleuchtet der das Verhalten der Menschen am Arbeitsplatz und zeigt in alltäglichen Situationen, dass sehr oft noch der Urmensch in uns entscheidet, wie wir uns verhalten sollen.

www.gregorfauma.com


Event-Tipp: BeLinked HR Leader

Mehr zum Thema erfahren Sie direkt bei der BeLinked HR Leader

teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.