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Konflikttyp Choleriker | Was tun, wenn das Gegenüber laut wird???

„Der cholerische Konflikttyp ist am unangenehmsten“ – dieses Statement höre ich sehr häufig in meinen Konflikt- oder Beschwerdemanagement-Seminaren. Für 4 von 5 Teilnehmern ist eine Diskussion oder gar ein Streitgespräch mit Personen, die dabei emotional und laut werden, besonders belastend.

Kein Wunder, fällt es uns doch generell schwer, unterschiedliche Sichtweisen klar und deutlich anzusprechen. Wenn man dann noch jemandem gegenüber hat, der beim kleinsten Widerspruch sprichwörtlich „in die Luft geht“, verlieren wir oft sehr schnell selbst die Bodenhaftung und geben klein bei.

Nun aber die gute Nachricht: Dieser Konflikttyp ist vermutlich am schwersten auszuhalten, aber es gibt destruktivere …..

Konflikttyp „Schreihals“ | Der emotionale Kontrollverlust

Das Gesicht läuft rot an, die Augen fixieren das Gegenüber, schnell wird Kampfposition bezogen und dann wird es laut. „So etwas lasse ich mir nicht bieten“, „das wird Folgen haben“ oder „das wirst du bereuen“ – typische erste Statements von Cholerikern auf eine gegensätzliche Meinungsäußerung. Wobei dieser Konflikttyp meistens gar nicht mehr hört, was inhaltlich gesagt wurde. In dem Moment, wo er das Gefühl hat, in Frage gestellt zur werden, schlägt das Überdruckventil schon durch.

„Wenn ich ganz laut schreie, werden sich meine Bedürfnisse durchsetzen“ – das ist einer der Glaubenssätze, die dieser Streittypus von klein auf gelernt hat. Nicht selten erinnert dessen rote, wutverzerrte Fratze daher auch an ein Babygesicht, dass vor Schmerzen schreit. Viele Menschen, die bei Widerspruch sofort laut und angriffig werden, fühlen sich in diesem Moment auch hilflos und verletzlich. Sie sind emotional überfordert, haben Angst vor Kontrollverlust oder die Sorge, dass ihr oft geringes Selbstwertgefühl entlarvt wird.

Überproportional häufig sind Menschen mit cholerischen Zügen in Führungspositionen anzutreffen. Wenig überraschend, denn dieser Konflikttyp bringt auch viele Eigenschaften mit, die in einer Leitungsfunktion gerne gesehen werden: große Dynamik, hohe Leistungs- und Einsatzbereitschaft sowie eine hohe Antriebs- und Willensstärke. Aber gerade diese Mischung aus Ehrgeiz und Impulsivität, bei gleichzeitig geringer Impulskontrolle, ist brisant.  Oft haben die Mitarbeiter das Gefühl, permanent auf einem brodelnden Vulkan zu sitzen. Und daher haben solche Chefs auch häufig eine hohe Fluktuation im Team.

Der Umgang mit dem Konflikttyp Choleriker

Wenn Sie in einer einmaligen Konfliktsituation mit einem Choleriker zusammen treffen, überlegen Sie gut, ob Ihnen der Streitpunkt eine intensive Auseinandersetzung wirklich wert ist. Wenn nicht, sind Sie besser dran, wenn Sie sich umdrehen und gehen. Sie ersparen sich dadurch viel Zeit und Energie. Seien Sie froh, dass Sie diese Wahlmöglichkeit haben und erfreuen Sie sich der positiven Dinge des Lebens.

Wenn Ihnen aber das Konfliktthema sehr wichtig ist, oder wenn Sie eine cholerische Persönlichkeit als Chef, als Kunden oder gar als Partner haben, gibt es die Ausweichvariante nicht. Dann müssen Sie den Stier bei den Hörnern packen und sich dieser Herausforderung stellen. Folgende Punkte können dabei hilfreich sein:

  • Versuchen Sie den überforderten Menschen hinter dem Schreihals zu sehen. Zugegeben, Empathie aufzubringen ist sehr schwierig, wenn man gerade verbal attackiert wird. Aber zwingend notwendig, um eine positive Gesprächshaltung zum Gegenüber entwickeln zu können.
  • Treten Sie selbstbewusst auf, stehen Sie aufrecht und sprechen Sie mit ruhiger, deutlicher Stimme. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit von einem cholerischen Gegenüber in einem Konfliktgespräch akzeptiert zu werden.
  • Ziehen Sie eine rote Linie und zeigen Sie Grenzen auf. Wenn es zu Untergriffigkeiten, Beleidigungen und Drohungen kommt und/oder der Tonfall unverhältnismäßig laut wird, steigen Sie aus dem Gespräch aus. Das kann sogar bedeuten, dass Sie den Raum verlassen. Aber sagen Sie Ihrem Gegenüber dann auch, warum Sie das jetzt machen.
  • Diese Grenzziehung ist auch gegenüber hierarchisch höher gestellten Personen erforderlich. Gerade Choleriker, die mit hierarchischer Macht ausgestattet sind, neigen dazu, ihre Befindlichkeiten ganz besonders jene Personen spüren zu lassen, die als unterwürfig und schwach erlebt werden.
  • Häufig macht es wenig Sinn, einer aufbrausenden Person in einer emotionalen Situation mit „vernünftigen“ Argumenten entgegen zu reden. Vereinbaren Sie einen Gesprächstermin, wenn die Luft „wieder rein ist“. Und sagen Sie dann Ihrem Gegenüber, was Sie sich bei zukünftigen Konfliktgesprächen erwarten würden.
  • Und zu guter Letzt: Seien sich Sie bewusst, dass bei einer langjährigen Beziehung mit einem Choleriker immer Sie die Person sein werden, die gefordert ist, auf den anderen zuzugehen, um eine „gesunde“ Gesprächsbasis zu erhalten. Ihr Gegenüber kann das aufgrund limitierter sozialer Kompetenz nicht.

Wenn all das nicht hilft, kann es leicht sein, dass Ihnen bald die Kraft für diese permanenten Konfrontationen ausgeht. Dann bleibt Ihnen nur mehr der Ausstieg aus dieser Beziehung.

Der Konflikttyp „Schweiger“ ist noch destruktiver

Die Kommunikation mit cholerischen Personen ist anstrengend und mühsam. Auch deshalb, weil diese oft mit ihrer Wortwahl übers Ziel hinausschießen und andere damit (unabsichtlich) verletzten. Einen großen Vorteil haben Choleriker allerdings: Sie sagen immer klar und deutlich, was sie nicht wollen und was sie sich erwarten. Dadurch wissen wir, woran wir sind. Und daher haben wir auch die Chance, eine unbefriedigende Situation zu verändern.

Darin unterscheiden sich dieser Konflikttyp wesentlich von der großen Gruppe jener Personen, die im Konfliktfall lieber ausweichen und schweigen. Diese „Schweiger“ sagen uns nicht, was sie stört und auch nicht, was sie sich erwarten. Aus Konfliktscheu oder Bequemlichkeit machen diese lieber gute Mine zu bösem Spiel. Wir wissen dadurch nicht, woran wir sind, aber dafür lassen sie uns Ihre Verärgerung unterschwellig zu spüren. Und durch dieses Stillschweigen geben sie uns auch keine Chance, ein unerwünschtes Verhalten zu ändern.

Wenn Ihnen daher wieder einmal ein Choleriker über den Weg läuft, stellen Sie sich folgende Frage: „Was ist mir lieber: Jemand der mir (unpassend laut) sagt, was ihn stört? Oder jemand, der das nicht tut und schweigt, mich aber seinen Unmut spüren lässt?“


„Schreit ein Mann, ist er dynamisch. Schreit eine Frau, ist sie hysterisch.“
(Hildegarde Knef, dt. Schauspielerin)

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