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Mentoren-Programm | Ein soziales Problem unternehmerisch lösen

Sindbad – Wie ein junges Unternehmen zwei Welten verbindet

 

Sindbad ist eine Personalentwicklungsmaßnahme für 20-35 Jährige, die mich kürzlich beeindruckte: durch einen innovativen Ansatz von Sindbad profitieren Mitarbeiter, Unternehmen und sozial schwache Jugendliche. In einem Interview erfahre ich mehr:

Meine Interview-Partnerin ist Janet Kuschert (Sindbad, Bild rechts).

Sie erzählten mir von der großen Herausforderung der Jugendarbeitslosigkeit und von Träumen, die nicht geträumt werden können. Was steckt dahinter?

Fast vier Jahre ist es nun her, dass sich Joseph Kap-herr, Andreas Lechner und Matthias Lovrek auf die Suche nach einer unternehmerischen Lösung für eine der großen Herausforderungen unserer Gesellschaft machten.

In Wien sind über 30 % der Jugendlichen, die lediglich einen Pflichtschulabschluss haben, arbeitslos. Das ist nicht nur volkswirtschaftlich ein großer Verlust, sondern auch ganz persönlich und individuell erschütternd. Hinter dieser Zahl verstecken sich junge Menschen voller Wünsche, Talente und Ideen, die direkt nach der Schule in die Arbeitslosigkeit rutschen. Potentiale, die verloren gehen. Träume, die nicht geträumt werden können. Berufsbiografien, die in der Sackgasse enden – noch bevor sie richtig beginnen konnten.

Weshalb setzen Sie auf ein Mentoren-Programm?

Was würde passieren, wenn man diesen jungen Menschen Begleiter zur Seite stellt? Wenn sie abseits von Schule und Familie jemanden hätten, der versucht, sie bei ihren Herausforderungen zu unterstützen? Wenn diese Jugendlichen einen jungen Erwachsenen zum Freund hätten, der ihnen keine Wege bahnt, sondern sie mit ihnen gemeinsam geht?

Auf diese Weise entstand die Sindbad-Methode: Ein innovatives Mentoring-Programm für Jugendliche aus sozialen Brennpunktschulen entwickelt, die Mitten in ihrer Pubertät vor einem der wohl größten Fragezeichen ihres Lebens stehen: Welchen Beruf möchte ich nach Ende der Pflichtschule ausüben und wie kann ich dieses Ziel erreichen?

Welche Learnings ziehen Sie aus diesem Mentoren-Programm?

Schnell wurde klar, dass die Schüler von der Sindbad-Methode stark profitieren. Jedem Jugendlichen wird ein persönlicher Mentor im Alter von 20-35 Jahre über den Zeitraum von 8-12 Monaten zur Seite gestellt. Die Jugendlichen, die das Programm abschließen, sind zu 85 % in einer weiterführenden Schule oder einer Lehrstelle angekommen. Doch auch eine andere Erkenntnis stellt sich ein:

Nicht nur die Schüler lernen dazu – sondern auch die Mentoren. Sie erweitern ihren Horizont, tauchen in eine andere Lebenswelt ein, begleiten und sammeln Führungserfahrungen. Sie lernen zu motivieren und anzuleiten. Dabei werden sie von professionellen Trainern begleitet, haben Zugang zu abwechslungsreichen Workshops und erhalten laufend direktes Feedback durch den Mentee, wie auch die Programmleitung.

Von Potentialen, die ausgeschöpft werden und einer Personalentwicklungsmaßnahme, die durch Innovation beeindruckt

So wurde aus dem Mentoring-Programm nicht nur eine hilfreiche Unterstützung für Jugendliche auf dem Weg in den ersten Arbeitsmarkt, sondern parallel eine Personalentwicklungsmaßnahme für junge Mitarbeiter in verschiedensten Unternehmen. Denn entgegen der weit verbreiteten Meinung ist es möglich, soziale Probleme wirtschaftlich zu lösen – und dabei alle Seiten profitieren zu lassen. Sindbad sorgt dafür, dass der altbekannte Spruch “Sag mir, woher du kommst und ich sage dir, wie weit du es schaffst”, ein wenig seiner Relevanz verliert und stattdessen Chancen produziert werden. Für Schüler, die auf der Suche nach dem nächsten beruflichen Schritt sind. Für High Potentials, die ihr soziales Fingerspitzengefühl stärken und die eigenen Führungsfähigkeiten ausbauen wollen. Für die Gesellschaft – da weniger Talente verloren gehen und Potenziale voll ausgeschöpft werden.

Wo finden Sie Ihre Mentoren und wie finanziert sich das Programm?

Unsere Mentoren finden wir zum einen in verschiedensten Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Junge Führungskräfte und High Potentials werden auf das Persönlichkeits-Training von ihren Vorgesetzten aufmerksam gemacht. Ein Teil der Mentoren meldet sich ehrenamtlich bei uns. Das liegt vor allem daran, dass viele Menschen unsere Vision teilen und sich für das Thema Chancengerechtigkeit einsetzen wollen.

Die Finanzierung von Sindbad setzt sich durch öffentliche Förderungen, private Spender und Stiftungen wie auch durch den Verkauf unserer Dienstleistungen zusammen.


Interview-Partnerin

Janet Kuschert ist seit Februar 2018 Teil von Sindbad und wünscht sich, dass in Österreich alle Jugendlichen die gleichen Chancen haben – unabhängig vom Einkommen der Eltern. Nachdem sie ein Jahr lang die Sindbad-Mentor_innen rekrutierte, ist sie mittlerweile für die Standort-Betreuung und das Marketing zuständig und freut sich, die Vision von Sindbad mit vielen Menschen zu teilen.
www.sindbad.co.at

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