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Führung im Wandel? | Über die Bedeutung von Status und Macht

„Führung wurde früher mit Macht gleichgesetzt. Heute bedeutet es: die Fähigkeit, mit anderen auszukommen.“  Dieses Zitat stammt von Mahatma Ghandi und zeigt, dass dieser Visionär und Führer vermutlich auch ein kompetenter Unternehmensberater gewesen wäre.

Seit diesem Statement ist allerdings viel Zeit vergangen und erst in den letzten Jahren ist zu beobachten, dass sich das antiquierte Bild von Führung langsam zu verändern beginnt. Entscheidend verantwortlich dafür sind vor allem zwei Faktoren: Die unberechenbare Dynamik in der Wirtschaft seit der Jahrtausendwende. Und die neuen, selbstbewussten Mitarbeitergenerationen, die unter Führung vieles verstehen, aber sicher nicht ein Agieren von oben herab.

Kein Wunder, dass etliche Führungskräfte mit diesen neuen Rahmenbedingungen schwer zu kämpfen haben. Bei so manchen Unternehmen läuten daher die Alarmglocken. Denn wer in der Führungskultur scheitert, wird auch am Markt scheitern.

Führung anno 2020 | Die Herausforderungen der Arbeitswelt 4.0

Karriere machen – also im Rampenlicht stehen, erfolgreich sein und dabei auch noch viel Geld verdienen. Für viele arrivierte Führungskräfte waren das die Triebfedern auf dem Weg ins Management. Genauso wie der Anreiz, irgendwann einmal „eigene Mitarbeiter zu haben“. Die Attraktivität der Position „Führungskraft“ war hoch. Viele strebten danach, weil damit auch sozialer Status in- und außerhalb des Unternehmens verbunden war.

Lange anhaltendes wirtschaftliches Wachstum sorgte für stabile Unternehmensstrukturen und ein berechenbares Umfeld. Wer einmal im Führungs-Olymp angekommen war, konnte seine Position und seinen Status genießen. Dann kam die Dotcom-Blase, danach die Finanzkrise und spätestens seit Beginn der Digitalisierungs-Welle haben sich die Rahmenbedingungen für Führungskräfte drastisch verändert. Und damit auch deren Aufgaben und Verantwortungen. VUCA-Welt, Disruption, Agilität, „war for talent“ und hypride Organisationen – das sind die Schlagworte in der Führung von heute.

Getrieben vom Anspruch des Top-Managements, die Prozesse und Strukturen in den Unternehmen so flexibel wie möglich zu gestalten, befinden sich viele Führungskräfte im mittleren Management nun seit Jahren in einem permanenten Change. Dieser führt nicht nur bei deren Mitarbeitern zu Orientierungslosigkeit und Ängsten. Auch Führungskräfte sind in Veränderungsprozessen immer Betroffene. Sie sollen die Neuerungen innerhalb der Organisation vorantreiben und gleichzeitig das laufende Tagesgeschäft sichern. Nicht wenige stellen sich da die Frage: „Wie soll ich das alles schaffen?“.

Führung | Jeder Vierte mag nicht mehr

Wie sehr sich das Bild von Führung verändert hat, zeigt auch eine aktuelle Studie des Jobportals Stepstone. Demnach wollen 93 % der Befragten eine Führungskraft, die kooperativ im Team arbeitet. Fast genauso viele lehnen den Chef-Typ „autoritärer Befehlsgeber“ ab. Interessanterweise sehen sich die meisten Führungskräfte in Ihrer Rolle auch als kooperativer „Buddy“. Allerdings dürfte dabei sehr oft das Eigen- vom Fremdbild gravierend abweichen.

In dieser Studie beklagen sich auch viele Führungskräfte darüber, dass sie nur unzureichend auf die neue Verantwortung vorbereitet wurden. Kein Wunder, dass sich 27 % der Führungskräfte in ihrer Position nicht mehr wohl fühlen und am liebsten alles rückgängig machen würden. Das Problem: Die wenigsten tun dies auch. Das heißt, in den Unternehmen sitzt ein guter Teil von Führungskräften an verantwortungsvollen Stellen, die das eigentlich gar nicht (mehr) wollen. Und dazu kommen dann noch jene, die zwar führen wollen, aber dafür nicht geeignet sind.

Übrigens werden die Punkte „Status“ und „viel Geld verdienen“ in dieser Befragung auch oft genannt. Und zwar als Hauptgründe dafür, warum jene Führungskräfte nicht zurücktreten, die es eigentlich gar nicht mehr sein wollen. Es scheint, als ob die jahrzehntelange Glorifizierung der klassischen Management-Insignien noch immer fest in den Köpfen vieler Führungskräfte verankert ist. Es stellt sich bloß die Frage, wie Change-Prozesse in Unternehmen gelingen sollen, wenn das Mindset der relevanten Entscheidungsträger derart festgefahren ist.

Führung heute bedeutet Komplexität und Unsicherheit managen

Wir leben und arbeiten in bewegten Zeiten. Durch die Globalisierung und Digitalisierung sind in den letzten 20 – 30 Jahren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so komplex geworden, dass quer über den Erdball nahezu alle Unternehmen zueinander in Abhängigkeit stehen. Fällt in China das sprichwörtliche Rad um, kann das in kürzester Zeit weltweite Auswirkungen haben.

Das ist auch der Grund dafür, warum Unternehmen heute gefordert sind, sich wendig und flexibel aufzustellen. Jederzeit kann irgendwo auf der Welt etwas passieren, worauf es schnell und entschlossen zu reagieren gilt. Das was heute noch richtig ist, kann morgen schon wieder anders bewertet werden. Und um in so einem unsicheren Umfeld am Markt bestehen zu können, braucht es aber mehr als nur agile Prozesse und Strukturen in den Unternehmen.

Es braucht vor allem Führungskräfte, die bereit sind, auf dem Weg in die Unsicherheit voran zu schreiten. Und die sich dabei permanent mit ihren Mitarbeitern austauschen. Führungskräfte, die inspirieren und motivieren können. Und die dadurch Vertrauen gewinnen und die Angst vor dem Unbekannten nehmen. Führung heute heißt nicht gehen auf eingetretenen Pfaden, sondern ist in erster Linie Pionierarbeit.

Jene Managertypen, die bei Führung  vor allem an Status, Macht und Einkommen denken, sind fehl am Platz. Dieses Ego-Denken stiftet keinen Nutzen für die Allgemeinheit. Eine gute Kommunikation, Entschlossenheit und Umsetzungsstärke – das sind die wahren Insignien von wirksamen Führungskräften. Und genau diese Typen werden wir in den kommenden Jahren brauchen.


„Es gibt keine schlechten Mannschaften, Marschall.
Es gibt nur schlechte Offiziere.“
(Napoleon I. Bonaparte, frz. Kaiser)

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