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Wirtschaft 2020 | Das Konflikt-Barometer wird bald stark steigen

Wir stehen vor der größten Wirtschaftskrise seit über 70 Jahren. Dieses Szenario wird in vielen Unternehmen zu einem massiven Kostendruck, zu einer starken Zunahme von digitalisierten Prozessen und damit in letzter Konsequenz zu Personalabbau führen. Der ideale Mix für ein stetig wachsendes Konfliktpotential.

Mitten drin Führungskräfte, die in den bevorstehenden Zeiten sehr häufig als Konfliktmanager gefordert sein werden. Viele davon nicht mit der nötigen Konfliktkompetenz ausgerüstet und zudem selten bereit, sich Unterstützung zu holen. Weder innerhalb noch außerhalb des Unternehmens.

Das ist schade – viele HR-Abteilungen wissen über die destruktive Dynamik in Konflikten bestens Bescheid und stehen Gewehr bei Fuß.  Meistens werden sie jedoch erst kontaktiert, wenn bereits Feuer am Dach ist. Und irreversible Schäden entstanden sind. Was kann trotzdem hilfreich sein?

Das P-I-E-Modell in der Konfliktarbeit

Diese drei Buchstaben beinhalten alles, was Führungskräfte brauchen, um in jeder Phase eines Konfliktes handlungsfähig zu bleiben. Und sie sind die Basis eines wirkungsvollen Konflikt-Trainings. Dieses ist in Form von Kleingruppen- oder Einzelsettings auch online gut durchführbar.

P – wie Prävention (Modul 1)

Jede professionelle Konfliktarbeit beginnt mit der Bewusstseinsschärfung bei den Führungskräften. Dabei stehen folgende Themen im Mittelpunkt:

  • Konflikte sind normale Entwicklungen, wenn Menschen, miteinander in Beziehung treten.
  • Konflikte zeigen Unterschiede auf. Erst wenn diese nicht beachtet werden, entsteht daraus eine negative Dynamik.
  • Entscheidend ist das Wissen um die Mechanismen dieser Konfliktdynamik, um zeitgerecht handeln zu können.

Wenn Führungskräfte das Wesen einer Konfliktdynamik verstanden haben, ist das die beste Voraussetzung für ein zeitgerechtes Agieren im Ernstfall.

I – wie Intervention (Modul 2)

Wenn ein Konflikt über das Stadium von Meinungsverschiedenheiten hinausgeht, ist der Zeitpunkt zum Handeln gekommen. Jetzt müssen Führungskräfte reagieren und die Kontrahenten an den Tisch holen. Dabei sollten immer die Interessen aller beteiligten Parteien in der Lösungsfindung betrachtet werden. Es wird eine win-win-Situation angestrebt und der gemeinsame Konsens ist das Ziel. Das setzt Folgendes voraus:

  • Alle Konfliktparteien haben ein ehrliches Interesse an einer gemeinsamen Lösung und sind bereit, dafür Zeit zu investieren.
  • Alle Konfliktparteien begegnen sich auf „Augenhöhe“ und die Interessen von Führungskräften und Mitarbeitern haben den gleichen Stellenwert.
  • Die Moderation der Gesprächsrunden durch eine neutrale Person ist unabdingbar, wenn die Führungskraft Teil des Konfliktes ist.

Nur eine Konsenslösung sichert allen Konfliktparteien die Stabilität und die Nachhaltigkeit der gefundenen Lösung. Führungskräfte, die in entsprechenden Gesprächstechniken geschult sind, agieren proaktiv und konstruktiv und beugen damit einer weiteren Eskalation vor.

E – wie (gezielte) Eskalation (Modul 3)

Was tun, wenn nichts mehr geht? Wenn eine gemeinsame Lösung zwischen den Konfliktparteien nicht möglich ist, wird durch eine gezielte Eskalation die Beendigung des für alle unbefriedigenden Status quo erreicht. Einen Konflikt zu eskalieren, heißt für Führungskräfte, auch in schwierigsten Situationen das „Heft des Handelns“ nicht aus der Hand zu geben.

Folgende Punkte sind dabei zu beachten:

  • Anstelle einer win-win-Situation tritt der Aspekt der „Gesichtswahrung“.
  • Es ist darauf zu achten, dass die unterlegene Partei nicht „vernichtet“ wird.
  • Nur dadurch kann eine emotionale Gegenreaktion des Gegenübers verhindert werden.

Die gezielte Eskalation ist die „Meisterklasse“ in der Konfliktarbeit, Für eine Reflexion über die möglichen Konsequenzen, hat sich ein externes Leadership-Coaching im Vorfeld als Begleitmaßnahme sehr bewährt.

Fazit

Die bevorstehenden wirtschaftlichen Entwicklungen werden für uns alle herausfordernd sein.  Und sie werden bei Führungskräften mehr denn je eine gute Konfliktkompetenz erforderlich machen. Ein zeitgerechter Aufbau dieser Kompetenzen nach dem P-I-E-Modell kann dabei einen wertvollen Beitrag leisten.

Das Wissen über die Konfliktdynamik, die Fähigkeit zu intervenieren und den Mut, wenn notwendig auch gezielt zu eskalieren: Diese Skills brauchen Führungskräfte, um ihr Team auch durch turbulente Zeiten steuern zu können.

Und HR-Abteilungen, die sie als „First-Level-Support“ dabei unterstützen.

 

Nicht jene, die streiten, sind zu fürchten,
sondern jene, die ausweichen.

Marie Freifrau von Eschenbach

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2 Kommentrare

  1. Walter Reisenzein am

    Nach der Kurzarbeit wird Personalabbau kommen und im Extremfall der Konflikt als eine gerichtliche Auseinandersetzung. Einvernehmliche Lösungen sind dann gefragt, die durch Hilfestellungen bei der Jobsuche = Outplacement erreicht werden können.

  2. Harald SCHMID am

    Ja, eine einvernehmlichen Lösung inkl. Outplacement-Begleitung kann eine erfolgversprechende Strategie bei einer gezielten Eskalation sein. So ein Angebot ermöglicht im Trennungsfall eine Gesichtswahrung und gibt gleichzeitig eine Perspektive für die berufliche Neuorientierung.

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