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Generationen-Forscherin Steffi Burkhart im Interview | New Work: Hybride Ansätze sind gefragt

Veränderung ist die einzige Konstante. Das trifft vor allem auf den HR-Bereich zu. Denn kaum ein anderer Bereich ist so strapaziert und das auch jenseits von Krisen. Natürlich hat auch Corona den Bereich erneut stark aufgewühlt: Home-Office, New Leadership, virtuelles Recruiting, Digitalisierung und der War of Talents. Wie Unternehmen in diesen Bereichen fit werden und was es dazu braucht, haben wir Generationenforscherin Steffi Burkhart gefragt.

Steffi Burkhart (Foto rechts) wird am 21+22sep2020 bei der PoP 2020 in Frauenkirchen vor Ort sein und in ihrem Vortrag darüber sprechen, wie sich HR, Talentmanagement und Workforce verändern müssen. Wir haben sie bereits vorab interviewt:

Steffi Burkhart, Sie setzen sich für die Bedürfnisse und Wünsche der Generation Y und Z ein? Warum ist gerade diese Gruppe so wichtig für Unternehmen und Organisationen?

Die Generation Y und Z stehen einerseits für Veränderung, andererseits werden es jene junge Menschen sein, die künftig anstehende Fragen zur Wirtschaft und Wirtschaftsprobleme mit anpacken werden. Und obwohl diese Generation qualitativ sehr wichtig ist, sind sie quantitativ in der Minderheit und genau deshalb brauchen sie ein Sprachrohr. Dazu kommt, dass sich die demografische Situation am Arbeitsmarkt zuspitzt, weil viele Arbeitnehmer, die der Babyboomer-Generation angehören, altersbedingt in Pension gehen. Bis 2030 werden also die sogenannten Millennials ca. 70 % der Workforce ausmachen, deshalb ist es enorm wichtig, die Wünsche und Bedürfnisse dieser Generation zu verstehen. Unternehmen, die das bereits erkannt haben, werden einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil haben und im War of Talents die Nase vorne haben.

Welche Aufgaben kommen da auf Unternehmen zu?

Unternehmen müssen nun darauf achten, wie sie ihre Kultur verändern und vor allem wie sie ihre Attraktivität steigern, um den Bedürfnissen dieser Generation gerecht zu werden. Da geht es auch darum, wie man Millennials im Unternehmen halten kann. Denn bei dieser Generation handelt es sich um illoyale Arbeitnehmer, die vermutlich 8-10 Mal in ihrem Leben den Job wechseln werden. Um diese jungen Talente in Unternehmen zu halten, muss die Kultur verändert werden. Das wird am Ende über den Erfolg und den Wettbewerbsvorteil der Unternehmen entscheiden.

Mir persönlich ist es ein großes Anliegen, Unternehmen dahingehend zu unterstützen, auch, um die Unternehmen für diesen War of Talents fit zu machen. Gerade in den vergangenen Monaten hat man in Unternehmen sehr deutlich gesehen, wo die High-Performer und die Talente sind. Und genau darauf müssen Unternehmer jetzt besonders achten.

Das klingt nach einer großen Herausforderung für Unternehmen, allein schon der Kultur- und Wertewandel, der damit verbunden ist. Wie machen sich Unternehmen am besten fit dafür?

Unternehmen müssen einen Kulturwandel durchlaufen, der immer auf verschiedenen Ebenen stattfindet, nämlich: Raum, Technologie, Organisationsstruktur und Menschen. Hier gibt es natürlich noch viel Aufholbedarf, damit Organisationen den Wandel meistern können und letztlich fit für den War of Talents werden.

Ich persönlich habe mir sehr viel Gedanken dazu gemacht und in den vergangenen Jahren etwas aufgebaut, das all diese Gedanken bündelt, nämlich ein Human and Technology Centered Ecosystem. Mit diesem System unterstütze ich Unternehmen, damit sie die digitale Transformation und den kulturellen Wandel umsetzen können. Es ist jetzt notwendig in Human Capital und in den technologischen Fortschritt zu investieren. Die vergangenen Wochen haben genau gezeigt, wo die Unternehmen hier aktuell stehen.

Worum geht es bei diesem Human and Technolgoy Centeresd Ecosystem genau?

Es ist ein multidimensionales Ecosystem, das für New Work steht. In den letzten Monaten haben wir uns in einem sogenannten Fourth Place of Work wiedergefunden, nämlich dem virtuellen Raum. In meinem Ecosystem baue ich darauf gezielt auf und verfolge einen hybriden Ansatz, der die digitale und die analoge Welt miteinander verbindet. Denn digitale Lösungen alleine werden nicht zum gewünschten Erfolg führen.

Das Ecosystem basiert auf einem multifunktionalen Ansatz, bei dem Raumkonzepte mit modernster Technologie, Methodik und Kommunikation verknüpft werden. Diese Kombination ermöglicht es am Ende dem Kunden, in einem sogenannten Co-Creation Ansatz, an seinen spezifischen Problemen zu arbeiten. Das heißt, die Unternehmen haben die Möglichkeit, gemeinsam an z.B. digitalen Lösungen zu arbeiten. Dieser Ansatz ist meiner Meinung nach sehr wichtig, denn Unternehmen sollten verstärkt in diesen Co-Creation-Projekten denken, um zu sehen, wo und vor allem welche Experten sie sich in das Unternehmen holen müssen um anstehende Themen erfolgreich bearbeiten zu können. Ein Fokus in diesem Ecosystem ist auch auf die Millennials gerichtet, aber nicht nur, denn wir wollen einen Querschnitt durch alle Generationen und vor allem auch durch alle Hierarchiestufen haben.

Mit dem Create your own Ecosystem wollen wir Unternehmen dabei unterstützen, ein Ecosystem inhouse, als in ihrer Organisation, aufzubauen.

Gerade die vergangenen Monate zeigten, dass nicht nur Management, sondern vor allem Leadership im Unternehmen im Vordergrund stehen. Was ist im Moment besonders wichtig für Führungskräfte?

Gerade die momentane Zeit zeigt uns, dass ambidextrielle Führung wichtiger ist denn je. Das heißt, einerseits sollen bestehende Prozesse weiterhin auf einem qualitativ hohen Niveau fortgeführt werden. Andererseits geht es aber auch darum, die Mitarbeiter zu motivieren, aber auch zu erkennen, wo die Mitarbeiter gerade stehen. Das heißt: Wer braucht welche Unterstützung und Regularien in Zeiten von verstärktem Home-Office, wer kann freier und selbstbestimmter arbeiten?  Mein Ansatz im Ecosystem geht auf beide Bereiche ein: Bestehende Prozesse können hier ebenso verbessert werden, wie neue Wege zu gehen. In erster Linie brauchen wir im Moment Führungsqualitäten und auch Mut für Veränderungen. Hier kann unser Ecosystem mit den Co-Creation-Partnern sehr gut unterstützen.

In welche Bereiche sollten Unternehmen jetzt investieren? Was ist Ihrer Meinung nach im Moment besonders wichtig?

Unternehmen müssen jetzt vor allem in zwei Bereiche investieren: Human Capital und Technologie. Sie müssen jetzt auf Talente achten und diese rekrutieren, Mitarbeiter haben jetzt eher die Zeit sich weiterzubilden und weiterzuentwickeln. In erster Linie brauchen wir jetzt Mut und auch ein bisschen Experimentierfreude, um neue Projekte anzugehen.

Herzlichen Dank für das Interview, Steffi Burkhart.

PoP 2020 – Power of People (St. Martin)

Steffi Burkhart spricht bei der PoP 2020 in ihrem Vortrag darüber, wie sich HR, Talentmanagement und Workforce verändern müssen:

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