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Während Corona ist nach Corona | Wie wir mit Beschäftigten heute umgehen wird nach Corona entscheidend sein

Die Auswirkungen des Corona-Ausbruchs sind allerorts spürbar. Geschlossene Geschäfte, Cafés, Restaurants, Hotels und vieles mehr prägen unseren derzeitigen Alltag. Viele Unternehmen sind massiv, auch existentiell, bedroht und angewiesen, dass staatliche Hilfsprogramme ihnen bei der Liquidität unter die Arme greifen.

Gleichzeitig ist der Umgang mit den Beschäftigten gerade in dieser Zeit wichtiger denn je, denn wie auch die Unternehmen selbst sind auch die Beschäftigten sensibel, wie mit ihnen in dieser schwierigen Zeit umgegangen wird. Und sie merken sich das!

Fürsorgepflicht und Verantwortung wichtiger denn je

Die Fürsorgeplicht als die größte Nebenpflicht, die Arbeitgeber trifft, regelt schon bislang, dass Arbeitgeber ihre Beschäftigten und deren Gesundheit zu schützen haben. Andere Regelungen, wie etwa die Entgeltfortzahlungsverpflichtung im Krankheitsfall, sind ebenfalls Ausdruck dieser besonderen Verantwortung, die Arbeitgeber haben.

Gerade in Coronazeiten zeigt sich eine teils sehr unterschiedliche Auslegung dieser Verantwortung. Besonders scheint es sich bei der Frage zu spießen, was „systemrelevante Tätigkeiten“ sind und wer von zu Hause aus arbeiten darf. War vor Corona die Bereitschaft, Home Office zu ermöglichen, teils gering, so hat sich dies seit der Pandemie deutlich verändert. Gleichzeitig gibt es aber auch Betriebe, die Beschäftigten nach wie vor eine solche Möglichkeit nicht geben, obwohl die Tätigkeiten dies zulassen würden. „Mein Chef will nach wie vor, dass ich ins Büro komme. Nur gegen seinen Willen und mit viel Diskussion habe ich erreichen können, dass ich halt gnadenhalber von zu Hause arbeiten kann. Dabei gibt es nichts, was ich hier nicht machen kann, wofür ich unbedingt ein Büro bräuchte“ erzählt eine Angestellte im Finanzbereich eines großen Konzerns. „Nach alledem werde ich mir überlegen, ob ich hier wirklich noch arbeiten will, wenn man so mit uns umspringt.“

Eine spannende, juristische Frage ergibt sich zudem daraus, ob im Falle einer Ansteckung am Arbeitsplatz dem Arbeitgeber möglicherweise eine Mitschuld gegeben würde, wenn er mögliches Home Office nicht zugelassen hat. Aber diese Frage wird sich ggf. ohnehin klären.

Viel mehr sollte aber Arbeitgebern bewusst sein, dass Beschäftigte üblicherweise gut in der Lage sind, zu erkennen, ob ihre Tätigkeit für Home Office geeignet ist. Dies und auch, ob relevante Schutzmaßnahmen am Arbeitsort wirklich ernst genommen werden, werden sich die Beschäftigten über Corona hinaus merken und dementsprechend Entscheidungen über ihre Zukunft treffen.

Kurzarbeit oder Kündigung – auch eine Frage von Verantwortung

Gleich verhält es sich beim Thema Kurzarbeit oder Kündigung. Das viel propagierte Modell der Kurzarbeit ist in seinem Wesen ein sehr geeignetes Mittel, um für beide Seiten mit einem leichten blauen Auge eine schwere Zeit zu überstehen. Umso wichtiger, dass sie gut genutzt wird. Klarerweise gibt es auch Betriebe, die ab dem ersten Tag mit Ihrer Zahlungsfähigkeit so unter Druck geraten sind, dass sie keine andere Option mehr hatten, als Menschen zu kündigen. Gleichzeitig ist auch diese Entscheidung eine, die sich Beschäftigte merken werden. Verantwortung zu übernehmen, heißt, dies auch in schweren Zeiten zu tun. Beschäftigte, die sich mit viel Einsatz um das Wohl des Unternehmens bemüht haben, jedoch ohne den Versuch der Kurzarbeit oder eine gute Erklärung gekündigt werden, werden möglicherweise nicht wieder kommen. Einstellungszusage hin oder her. Denn auch sie erhalten momentan viel Zeit, um über die Zukunft in Ruhe nachzudenken. „Ich wurde gezwungen, auf drei Tage pro Woche zu reduzieren, weil man keine Kurzarbeit machen wollte bei mir. Als Führungskraft würde das nicht gehen“, erzählt eine Führungskraft in einem Produktionsbetrieb. „Aber drei Tage zu aliquotem Gehalt arbeiten, das geht plötzlich. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.“

Schlussworte

Es ist in der derzeitigen Krise fast nicht vorstellbar, dass wir vor Corona in vielen Bereichen händeringend um geeignetes Personal gekämpft haben. Und das ist noch gar nicht so lange her. Einige Branchen wird die aktuelle Situation natürlich noch länger beschäftigen. Gleichzeitig sollte allen Unternehmen bewusst sein, dass ihre Entscheidungen in der Krise für ihr Ansehen bei der eigene Belegschaft doppelt und dreifach bedeutsam sind. Bei schönem Wetter kann fast jeder segeln, bei schlechtem Wetter erkennt man die wirklichen Profis. Genauso verhält es sich mit Führungskräften. Läuft alles glatt, lässt sich die echte Qualität von Führung nur schwer ersehen. Aber gerade jetzt ist sie deutlich sichtbar. Und wird – nach Corona – auch in die Bewertung der eigenen Belegschaft einfließen.

 

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