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Wie viel verdienen HR Interim Manager?

Interim Manager werden in ein Unternehmen geholt, wenn eine Experten- oder Führungsposition für einen gewissen Zeitraum frei wird oder zusätzliche Kapazitäten gebraucht werden. Durch ihren Einsatz soll eine Vakanz überbrückt werden, die etwa durch Karenz, längere Krankheit oder den überraschenden Austritt eines Mitarbeiters entsteht. Interim Manager halten den Betrieb am Laufen, bis die Position wieder dauerhaft besetzt oder ein Projekt abgeschlossen wird. Die Dauer des Einsatzes als Interim Manager beträgt im Schnitt meist zwischen drei und sechs Monaten.

Wolkenrot hat sich auf HR-Interim-Management spezialisiert und Anita Stadlmann (Partnerin bei Wolkenrot Personalmanagement GmbH, Foto rechts) erzählt im Interview über die Hintergründe von Interim Management im Allgemeinen und konkret über HR Interim Manager.

 

Welche Qualifikationen benötigen Interim Manager?

Interim Manager sind Experten auf ihrem Gebiet. Viele von ihnen haben ein (betriebswirtschaftliches) Studium absolviert und etliche Jahre einschlägige Berufserfahrung in unterschiedlichen Unternehmen gesammelt. Daher bringen sie die für die Aufgabe nötigen Qualifikationen mit, wozu neben fachlichem Wissen auch rasche Auffassungsgabe zählt, um möglichst schnell ein gutes Verständnis für das Unternehmen zu entwickeln. Interim Manager benötigen auch Flexibilität, da Projekte oft kurzfristig zu besetzen sind und in vielen Fällen Reisebereitschaft erfordern.

Wie können Interim Manager im HR-Management eingesetzt werden?

In der Personalabteilung können HR Interim Manager fachlich und operativ in vielen verschiedenen Personalfragen eingesetzt werden. Manchen Unternehmen geht es darum, das Tagesgeschäft effizient zu erledigen, während sie an einer dauerhafteren Besetzung der Position arbeiten. Andere Firmen setzen HR Interim Manager bei bestimmten Projekten ein, wie etwa bei der Neugestaltung von Talent- und Gehaltsmanagement, Organisationsentwicklung, Personalcontrolling, der Einführung einer neuen HR-Software, der Implementierung von E-Learning oder auch Restrukturierungsmaßnahmen. Insofern können die Grenzen zwischen HR Interim Management und klassischem HR Consulting fließend sein.

Wie werden HR Interim Managern besetzt?

HR Interim Manager werden entweder über das berufliche Netzwerk oder über eine spezialisierte HR-Interim-Agentur besetzt. Ähnlich wie eine Personalberatung verfügen HR-Interim-Agenturen über das entsprechende Netzwerk an Experten und Spezialisten, kennen die Kompetenzen der Personalexperten und sind dadurch in der Lage, die Interim-Personalmanager vorzustellen, die nicht nur zu den fachlichen und persönlichen Anforderungen, sondern auch zum Unternehmen passen.

Wieviel verdienen Interim Manager?

Die Kosten für Interim Manager hängen von der Position, dem Aufgabengebiet, der Dauer und dem Stundenausmaß ab. Üblicherweise wird monatlich nach Stunden auf Honorarbasis abgerechnet. Anders als bei angestellten HR Managern zahlt ein Unternehmen somit kein Gehalt, sondern ein Honorar an den selbständigen Interim Manager bzw. an die vermittelnde Agentur.

Viele Interim Manager sind Ein-Personen-Unternehmen (EPU) und verrechnen ihr Honorar monatlich im Nachhinein nach Anfall. Insofern werden im Unternehmen die Kosten für Interim Manager nicht als Personalkosten, sondern als Sachkosten verbucht, was besonders in größeren Unternehmen eine erhebliche Rolle für das Reporting der Personalkennzahlen gegenüber der Geschäftsleitung und den Investoren spielt.

Als Faustregel für die Bemessung der Höhe des Honorars von Interim Managern gilt folgendes: Ausgangspunkt für die Berechnung ist die Höhe des Bruttojahresgehalts der zu besetzenden Position. Dieser Wert dividiert durch 100 ergibt den Richtwert für die Höhe des Tagessatzes des Interim Managers.

Beispiel: Ein HR Interim Manager soll vorübergehend die Position eines Personalchefs mit einem Gehalt von 100.000 Euro brutto pro Jahr besetzen. Diese 100.000 Euro werden durch 100 dividiert. Der Richtwert für den Tagessatz des Interim Managers beträgt somit 1.000 Euro.

Hintergrund dieser Kalkulation ist die Überlegung, dass Interim Manager 100 Tage pro Jahr ausgelastet sein sollten, um das gleiche Einkommen wie Vollzeit-Angestellte mit knapp über 200 Arbeitstagen pro Jahr in der gleichen Position zu erzielen. Die übrigen Tage benötigen die selbständigen Interim Manager für interne Tätigkeiten, wie etwa Buchhaltung oder Akquisition. Außerdem deckt das Honorar auch das Risiko von unbezahlten Leerzeiten der Interim Manager ab. Insofern ist das Geschäftsmodell für Interim Manager finanziell lohnend, wenn es ihnen gelingt, mehr als 100 bezahlte Arbeitstage pro Jahr zu verrechnen.

Welche Vorteile und Nachteile hat es, Interim Manager zu sein?

Bei entsprechender Auslastung bedeutet diese Tätigkeit für den Interim Manager ein gutes Einkommen bei einer verhältnismäßig geringen Anzahl an Arbeitstagen. Als Selbständige arbeiten Interim Manager außerdem weitgehend losgelöst von unternehmenspolitischen Entscheidungen, internen Zwängen und Unternehmenspolitik. Die Flexibilität, den Arbeitseinsatz zeitlich und örtlich freier gestalten zu können, spielt für das Lebenskonzept von vielen Interim Managern eine erhebliche Rolle, damit auch genügend Zeit für Erholung, längere Reisen, Pflege von Familienangehörigen, Freizeit und Hobbys bleiben.

Auf der anderen Seite ist Interim Management auch eine Frage des Persönlichkeitstyps, denn nicht jeder Mensch ist so anpassungsfähig und flexibel, wie es für Interim Manager notwendig ist. Schließlich bedeutet die selbständige Tätigkeit ein Leben mit erheblich größerem (finanziellen) Risiko. Ohne berufliches Netzwerk ist es besonders für Einsteiger schwierig, ununterbrochen interessante und lukrative Projekte zu erhalten. Die Akquisition neuer Aufträge als Ein-Personen-Unternehmen ist aufwändig und oftmals frustrierend, weshalb zahlreiche HR Interim Manager die Arbeit in einem Netzwerk oder für eine Agentur, wie etwa Wolkenrot Personalmanagement bevorzugen.

Wie scheiden Interim Manager aus?

Wenn die gestellte Aufgabe erledigt, die vereinbarte Frist abgelaufen oder die Position mit einem festangestellten Mitarbeiter besetzt ist, sorgt der Interim Manager für eine qualifizierte Übergabe des Aufgabenbereichs und verlässt das Unternehmen wieder. Interim Manager sind nicht daran interessiert, sich im Unternehmen einzunisten. Sie unterstützen dabei, das Nest für das Unternehmen und das Personal warmzuhalten, während die Arbeitsabläufe möglichst ungestört weitergeführt und weiterentwickelt werden.


Interview-Partnerin

Anita Stadlmann ist Partnerin der Wolkenrot Personalmanagement GmbH. Der Fokus von Wolkenrot liegt auf Interim Management und Interim Recruiting. (anita.stadlmann@wolkenrot.at, Tel +43 699 17 444 233)
www.wolkenrot.at

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Ein Kommentar

  1. Harald Steindl am

    Guten Tag
    Vielen Dankf für den sehr informativen Artikel.
    Der Vollständigkeit halber sollte ein möglicher Exit nicht unerwähnt bleiben, weil nicht immer die Sonne scheint.
    „Wenn es einfach nicht passt“
    Gar nicht so selten zeigt sich erst bei der konkreten Arbeit im Unternehmen, dass man einfach nicht der/die Richtige für die Aufgabe ist. Nicht etwa, weil die Kompetenz des Interim zu gering ist, sondern weil im Unternehmen auf einem anderen Gebiet Ressourcen benötigt werden, um das eigene Projekt zum Erfolg bringen zu können.
    Es gehört zum professionellen Verständnis eines Interim-Managers, darauf aufmerksam zu machen. Auch zum Selbstschutz, damit das eigene Projekt nicht zwangsläufig scheitert.

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