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Virtueller Auslandseinsatz | Der Expat zu Hause im Heimatland im Home Office

Das Home Office als Imperativ für Jobs, die von zu Hause aus erledigt werden können, ist aufgrund der Pandemie Teil unseres Arbeitsalltags geworden. Damit ist die Diskussion für weitere Formen flexiblen Arbeitens entfacht. Eine davon ist der virtuelle Auslandseinsatz. Klingt einfach, hat aber auch seine Tücken.

 

 

Was ist ein „virtueller Auslandseinsatz“?

Die Pandemie hat so einiges ins Rollen gebracht. Darunter in positiver Weise die Auseinandersetzung um flexibles Arbeiten bezüglich Ort und Zeit. In der Pandemie ist Home Office bei vielen Mitarbeitenden beliebt geworden, da es (neben bekannter Nachteile) individuelle Vorteile birgt. Auf internationaler Ebene wird die Diskussion um sogenannte virtuelle Auslandseinsätze geführt. Während der Pandemie wurden Entsendungen abgebrochen oder verschoben und in zahlreichen Fällen auf virtueller Ebene weitergeführt oder begonnen. In HR Kreisen kursiert heute daher die Frage, ob virtuelle Auslandseinsätze traditionelle Entsendungen ablösen werden.

Ein virtueller Auslandseinsatz besteht darin, vom Home Office aus in einem anderen Land zu arbeiten, ohne sich physisch dorthin zu begeben. Der Ort des Home Office gilt als gegenwärtiger Wohnort im Heimatland oder einem dritten Land. Virtuelle Expatriates machen den gleichen Job wie jene, die entsendet werden, nur von zu Hause aus.

Vorteile

Die Vorteile dieser Möglichkeit liegen auf der Hand:

  • Erweiterung um jene bestens geeigneten Kandidaten, die eine Entsendung aus privaten Gründen abgelehnt hatten
  • Höhere Chance für das Unternehmen, auf der Basis von virtuell Entsandten die Kontinuität der Geschäftstätigkeiten zu gewährleisten, vor allem in Zeiten von Krise, Notsituationen, Katastrophen, plötzlicher Evakuierung usw.
  • Einsatz in Ländern, die hohes Risiko bergen (politische Instabilität, hohe Kriminalität, belastende Umwelteinflüsse usw.)
  • Wegfall der Kosten, die eine Entsendung mit sich bringen (Umzug, Wohnungskosten, Zusatzleistungen, bezahlte Flüge nach Hause usw.)
  • Entfall der (finanziellen) Unterstützung von Partner/in, Dual Career Couples, Schulkosten der Kinder
  • Keine Kosten für Visa
  • Kein Bemühen um Arbeitserlaubnis und Bewältigen von Immigrationsbürokratie

Es braucht eine klare Struktur

Virtuelle Auslandseinsätze erweisen sich somit als perfekte Ergänzung zur traditionellen Auslandsentsendung, da zahlreiche Hindernisse wegfallen, allen voran private Gründe, die als Hauptgrund für eine Ablehnung gelten. Sie benötigen jedoch eine gewisse Struktur:

  • Klarer Auftrag und sehr klar definierte Zielsetzungen für den Einsatz
  • Klare Strukturen für die Berichterstattung in der Organisation
  • Definierte Einsatzdauer
  • Klares Entlohnungspackage mit Zusatzleistungen z.B. bei unterschiedlichen Zeitzonen, die die Arbeit außerhalb der Geschäftszeiten vom Home Office Ort beinhalten
  • Klare Compliance Richtlinien im Umgang mit Datenschutz im Home Office

Mögliche Stolpersteine

Eine virtuelle Entsendung birgt auch Herausforderungen. Virtuelles Arbeiten ohne direkten Kontakt und physischer Nähe führt zu anderen Formen von Arbeitsbeziehungen. Körperliche Nähe ist für den Beziehungsaufbau im beruflichen Kontext unverzichtbar. Dies gilt für viele Regionen auf der Welt, in denen Beziehungsorientierung an erster Stelle steht. Die Gefahren für virtuelle Entsandte sind offensichtlich:

  • Gefühl der Isolation durch Fehlen direkter sozialer Kontakte
  • Geringe Möglichkeit, sich am Zielort zu integrieren
  • Außenseiterposition, die sich nachteilig auf den Geschäftserfolg auswirken kann
  • Mangel an Möglichkeiten zu Spontanität bei Geschäftsanbahnungen oder Beratertätigkeit
  • Wenige Möglichkeiten zur informellen Kommunikation und Interaktion mit Kollegen und Geschäftskontakten

Wir wissen, nicht alle Jobs eignen sich fürs Home Office, das gilt auch für virtuelle Auslandseinsätze. Daher wird es in diesem Bereich in Zukunft auch eine hybride Form geben: Neben der Arbeit aus dem Home Office zusätzlich kürzere oder längere Geschäftsreisen, Einsätze auf Projektbasis über mehrere Wochen, flexible kurzfristige Einsätze.

Mit dem virtuellen Auslandseinsatz als Ergänzung im Bereich des Entsendungsmanagements ist für Unternehmen wie für Mitarbeitende der Spielraum viel größer geworden.

Tipps

Was können Unternehmen tun, um virtuell Entsandte gut zu unterstützen?

  • Direkte Vorgesetzte können auch virtuell durch wirklich gute Kommunikationskompetenz und sehr regelmäßigen Kontakt die Motivation von virtuell Entsandten steigern
  • Im Zielland eine Person einsetzen, die virtuell Entsandte unterstützt, begleitet, in das Team vor Ort einführt
  • Regelmäßige informelle online Get-together oder After-Work-Drinks organisieren
  • HR Manager als direkte Ansprechpartner einsetzen
  • Angebot an interkulturellen Trainings für das Zielland
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Ein Kommentar

  1. Regina Prokopetz am

    Liebe Karin, vielen Dank für diesen fundierten und differenzierten Beitrag. Interessanter Ansatz, so ein virtueller Auslandseinsatz. Mir sind beim Lesen sofort eine ganze Reihe von tollen Möglichkeiten eingefallen, um Virtual Reality Tools (VR-Brillen) zur Unterstützung von virtuellen Entsandten zu nutzen.
    VR entwickelt sich ja gerade im Bereich Personalentwicklung und Coaching mit rasanter Geschindigkeit. Vor allem Social-VR-Angebote, also die Möglichkeit, sich im Virtuellen Raum 3-dimensional mit anderen zu treffen und mit ihnen zu interagieren sind bestens geeignet für Motivations- und Teambildungsmaßnahmen.

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