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5 Dinge, die fast alle falsch machen in der Arbeitssicherheit

Sprechen wir einmal über die Dinge, die fast alle in der Arbeitssicherheit falsch machen. Danach wissen Sie genau, was Sie vermeiden müssen, um nachhaltigen Erfolg zu haben – egal ob in Brandschutz, Maschinensicherheit oder der Unfallprävention auf Baustellen.

 

 

Was sind die Dinge, die sehr viele Leute falsch machen, wenn sie als Sicherheitsfachkräfte oder Sicherheitsvertrauenspersonen unterwegs sind? Falsch im Sinne von: nicht so hilfreich für die Beschäftigten bzw. für den Erfolg der Beratung?

Damit bekommen Sie auch einen Überblick, was Sie besser machen sollten, damit Sie wirklich etwas bewegen können mit Ihrer Arbeit. Damit Sie Leute motivieren zu Arbeitssicherheit. Und damit Sie auch von Ihren Kunden weiterempfohlen werden!

Als Arbeitspsychologin arbeite ich schon seit vielen Jahren eng mit Fachkräften für Arbeitssicherheit zusammen. Ich bilde diese aus rund um das Thema der psychischen Belastungen. Ich war auch in einem Netzwerk für Arbeitssicherheit als einzige Arbeitspsychologin und konnte dort viele Kontakte knüpfen. Auch in meiner Online-Akademie sind viele Sicherheitsfachkräfte.

Deren zwei größten Herausforderungen sind Beschäftigte dazu zu bringen, sich sicher zu verhalten und Führungskräfte, die sich nicht wie Vorbilder verhalten.

Wenn ich mich dann diesen Personen unterhalte und höre, wie sie ihre Arbeit verstehen, dann sehe ich immer wieder ähnliche Schwierigkeiten, die dahinter liegen.

Hier sind also die 5 größten Schwierigkeiten, die in der Arbeitssicherheit regelmäßig vorkommen:

1) Polizei spielen

Oft wird mit Gesetzen gedroht. Aber es gibt viele Studien, z.B. von der Uni Wien, die besagen, dass dieses Verhalten nichts bringt. Es kann sogar sehr schaden, wenn das Gegenüber nicht von unserer Kompetenz überzeugt ist. Dann kann der gegenteilige Effekt eintreten: Weniger Unterstützung von der Führungskraft.

Auch ich habe zu Beginn geglaubt, dass es „ausreicht“, wenn man die Menschen auf die Gesetzeslage hinweist. 2013. Ich bin 2013 davon ausgegangen, dass es reicht, die Firmen auf die gesetzlich vorgeschriebene Evaluierung psychischer Belastungen hinzuweisen. Ich habe aber sehr schnell den Unterschied gemerkt zwischen Geschäftsführungen, die das machen wollen und Geschäftsführungen, die das machen müssen (sich gezwungen fühlen). Und es ist nicht einfach, jemanden zu überzeugen, wenn diese Person das von sich aus nicht will.

Was ist eine gute Lösung?

Eine gute Lösung ist, eher mit Fachwissen und Empathie zu überzeugen. Und als Selbstständige keine Projekte anzunehmen, wo keine Wertschätzung meines Themas gegeben ist.

2) Ständig über Probleme reden

Viele Leute fokussieren sich immer nur auf das Negative. Und in der Arbeitssicherheit sind das Unfälle oder Beinahe-Unfälle. Das löst bei unserem Gegenüber, Geschäftsführung oder Führungskraft, kein gutes Gefühl aus. Diese haben dann das Gefühl, dass sie vieles falsch machen in ihrem Job. Das kann dazu führen, dass die Personen reaktant werden und gar nicht mehr darüber sprechen wollen.

Ich kenne das auch von der Evaluierung psychischer Belastungen: Da dreht sich in der Regel alles nur um Stressfaktoren. Viele Fragebögen sind negativ formuliert. Und auch in standardisierten Workshops, z.B. der ABS-Gruppe, wird oft stundenlang genau ein Problem analysiert bevor man sich um die Maßnahmen kümmert.

Wie geht es besser?

Einen lösungsfokussierten Ansatz finde ich viel schöner, zum Beispiel gibt es in der Arbeitssicherheit den „Safety II“-Ansatz. Dieser Ansatz sagt: In 99,9 % aller Situationen passiert überhaupt kein Unfall. Davon sollten wir lernen, wie es klappt, dass es gut läuft und alle sicher wieder nach Hause gehen.

Ich finde es sehr gut in Beratungen hervorzuheben und nachzufragen, was bereits gut funktioniert bzw. in der Vergangenheit gut funktioniert hat. Das heißt nicht, dass man Unfälle oder Risiken klein redet. Das sagt auch nicht, dass man nicht mehr über Gefahren reden darf, aber ich bin davon überzeugt, dass ein positiver Fokus sehr viel bringt.

Immer, wenn man darüber spricht, was schon gut funktioniert bzw. funktioniert hat, verkörpert das Wertschätzung und verstärkt erwünschtes Verhalten. Man lobt damit, was schon alles getan wurde! Und Lob mögen Menschen immer.

Probieren Sie es einmal aus: Reden Sie bei der nächsten ASA-Sitzung oder beim nächsten Gespräch zu 90 % über die Dinge, die gut laufen! Sie werden sehen, was das für einen Unterschied ausmacht.

3) Psychologische Zusammenhänge nicht sehen

Das ist kein Vorwurf! Viele Leute, die Arbeitssicherheit gelernt haben, haben einen technischen Hintergrund. Natürlich ist es dann oft auch schwierig psychologische Zusammenhänge und Erklärungen zu sehen. Viele glauben dadurch, dass Entscheidungen von Beschäftigten immer bewusst getroffen werden. Und so werden Phänomene wie kognitive Verzerrungen („Bias“) ignoriert.

Man kann beobachten, dass Menschen, die schon viel Arbeitserfahrung haben, nachlässiger werden (z.B. Schutzausrüstung nicht mehr tragen) und beispielsweise sagen: „Ich will ja nur schnell das eine Ding schneiden“. Da steckt dieses psychologische Phänomen, Bias, dahinter: „Ich habe es schon immer überlebt, also werde ich es auch in Zukunft überleben. Dann brauche ich wahrscheinlich die Schutzausrüstung auch nicht.“ Und das ist ein kognitiver Denkfehler, den viele Menschen in sich tragen. Und den man sich bewusst machen muss.

Man unterschätzt auch sehr häufig den Einfluss von Erfahrungen und Gruppendynamik. Zum Beispiel gibt es Teams, da sagen Menschen nichts über eine Gefahr, die ihnen auffällt obwohl es sonnenklar ist, dass hier ein Problem herrscht. Das machen sie nicht absichtlich, um jemandem zu schaden, sondern weil ein psychologisches Phänomen dahinter steckt, z.B. weil sie gelernt haben, dass der Chef sie anschreit, wenn sie ihn auf Probleme hinweisen. Dann ist es eigentlich nur schlau für die Psyche, das in Zukunft nicht mehr zu tun. Damit man nicht mehr angeschrien wird. Da braucht man oft diese psychologische Brille um solche Dinge zu erkennen.

Immer wieder heißt es nach Unfällen: „Das war menschliches Versagen.“ Aber in der Regel versagt der Mensch nicht, sondern er funktioniert einfach sehr komplex. Es gibt sehr viele Einflussfaktoren auf menschliches Verhalten. Es gibt auch sehr viele Bedürfnisse, die wir gleichzeitig in uns tragen. Und so kann es manchmal sein, dass Menschen lieber schneller arbeiten wollen und nicht sicherer. Weil das gerade in diesem Moment für sie absolut Sinn ergibt, z.B. weil sie nach geleisteter Arbeitsmenge bezahlt werden und nicht nach Arbeitssicherheit.

Dieses Wissen ist also wichtig, um die Komplexität der menschlichen Psyche zu verstehen – auch im Feld von Arbeitssicherheit.

Was ist die Lösung?

Psychologisches Fachwissen kann man sich aneignen, dazu muss man nicht Psychologie studiert haben. Sie brauchen nicht alles, was man in einem Psychologie-Studium lernt. Wichtig ist, dass Sie sich immer mal wieder psychologisches Fachwissen aneignen, spezifisch auf das Themenfeld der Arbeitssicherheit bezogen.

4) Bedürfnisse von Führungskräften ignorieren

Ganz häufig kümmern wir uns in der Prävention nur um die untere Ebene, um die Beschäftigten. Und Führungskräfte sind oft nur die Empfangenden von Kritik, Feedback, … Die Führungskräfte werden als Adressaten viel zu oft vergessen. Aber das sind auch Menschen!

In Seminaren zu Evaluierungen psychischer Belastungen werde ich oft gefragt: „Wie mache ich das mit Führungskräften?“

Lösung?

Führungskräfte genauso behandeln wie die Beschäftigten! Bei den psychischen Belastungen, zum Beispiel, schaue ich darauf, dass diese zumindest eine eigene Gruppe bilden, damit sie unter sich sein können und sich über ihre eigenen psychischen Belastungen austauschen können. Aber oft sind diese sehr dankbar für die Aufmerksamkeit, dafür, dass man sie als Menschen wahrnimmt!

5) Zu wenig Geld verlangen

Es sind zum Teil absurde Zahlen, was Leute in der Arbeitssicherheit verlangen für ihre Tätigkeit, wie 25 € pro Stunde. Ich weiß schon, dass man sich nicht an bestimmten Bereichen orientieren „darf“, wie Medizin oder Unternehmensberatung.

Aber ich finde, das ist immer mal wieder auch eine Ausrede, wenn man sagt, dass die Konkurrenz ja auch so billig ist, … Es ist nicht Sinn der Sache sich ständig zu unterbieten.

Ich will mit Firmen zusammenarbeiten, die das wertschätzten, was ich leiste. Denn: „Was nichts kostet, ist nichts wert“. Wenn man einen zu geringen Stundensatz verlangt, darf man sich auch nicht ärgern, wenn man für die Geschäftsführung auch nicht wichtig ist. Das ist leider so.

Die Lösung ist einfach:

Verlangen Sie einen angemessenen Stundensatz! Vergleichen Sie sich einmal mit Ihrem Auto-Mechaniker.

 

Viel Erfolg beim Umsetzen des einen oder anderen Tipps für Ihre Arbeitssicherheit!

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