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Mit Einstein unter der Dusche: Intuition im Management

Einstein Intuition Dusche

Intuitive Entscheidungen in Unternehmen trifft man nicht oder spricht zumindest nicht darüber? Welche Chance unser intelligentes Unbewusstes für uns bereit hält und wie es funktioniert erfahren sie hier.

Mit Einstein unter der Dusche

Morgens vom Bett direkt unter die Dusche. Das warme Wasser prasselt auf die Haut, der Geist ist im Alphazustand, in einer Gehirnfrequenz zwischen Wachen und Träumen. Da kommt er, aus dem Nichts: der Geistesblitz. Eine Intuition.

Viele bahnbrechende Erfindungen und wissenschaftliche Erkenntnisse entstanden völlig spontan, abseits bewusster Überlegungen und Schlussfolgerungen. Isaac Newton bekam die entscheidende Inspiration für die Gravitationstheorie beim absichtslosen Betrachten eines Apfels in seinem Garten. Albert Einsteins Formulierung der Relativitätstheorie – eine der anspruchsvollsten kognitiven Errungenschaften unserer Zeit – beruht nach seinen eigenen Angaben größtenteils auf Intuition und Imagination: beim Geige spielen oder beim Gedanken frei schweifen lassen im Bett.

Wir brauchen mehr Fakten?!

Der Ruf nach mehr Fakten kommt oft aus einem Gefühl der Unsicherheit angesichts einer notwendigen Entscheidung. Entscheidungen ohne Fakten wären fahrlässig – wann lohnt es sich aber tatsächlich, noch mehr Daten zu suchen und noch mehr Berechnungen anzustellen? Wir leiden ja nicht an einem Mangel an Daten, im Gegenteil – wir leben aber in einer unsicheren Welt. „Weil die Welt komplex ist, fehlen uns immer Informationen. Weil Informationen fehlen, sind wir immer unsicher,“ beschreibt Niklas Luhmann dieses Phänomen unserer Zeit. Versuchen wir mit einem Ruf nach mehr Fakten einfach das unangenehme Gefühl der Unsicherheit „zu managen“? Gäbe es da nicht eine bessere und schnellere Alternative?

Intuition ist gefühltes Wissen auf Basis von Erfahrungen

Intuition lässt sich durch drei Eigenschaften definieren, wie Gert Gigerenzer, Psychologe mit dem Spezialgebiet Entscheidungsfindung und Intuition, beschreibt: Es ist gefühltes Wissen (1), das plötzlich ins Bewusstsein kommt (2), für dessen Gründe wir aber keine Erklärung haben (3).

Dieses gefühlte Wissen beeinflusst trotz der mangelnden Begründbarkeit wesentlich unsere professionellen und privaten Entscheidungen – weil es sich in Körper und Geist vollkommen stimmig anfühlt. Besonders gut funktioniert Intuition – die unbewusste Intel­ligenz in uns – auf Basis von unserer Lebens- und professionellen Erfahrung.

Alle Entscheidungen sind letztlich emotional

Es war ein Paradigmenwechsel, als in der Psychologie klar wurde: Alle menschlichen Entscheidungen sind Gefühlsentscheidungen. Was, der „homo oeconomicus“, das rationale Menschenmodell in den Wirtschaftswissenschaften existiert nicht? Exakt.

Der Verstand ist lediglich eine Unterstützung und macht Vorschläge vergleichbar zu einer Unternehmensberatung. Das emotionale Entscheidungszentrum im limbischen System – der/die Vorstandsvorsitzende – stimmt nur solchen Entscheidungen zu, die im Licht der bisherigen Lebenserfahrungen akzeptabel sind – wobei auch noch die momentane Gefühlslage mitspielt.

Für die Wirksamkeit intuitiver Entscheidungen ist es wichtig, in einem entspannten (Alpha-)Zustand zu sein – weil dann z.B. Ängste nicht reinfunken und auch der Verstand nicht – mit seinem scharfen, aber sehr begrenzten Wirkungsgrad. Und vor allem: weil wir nur dann die Impulse aus dem Unbewussten wahrnehmen können!

Gehirn-Weitwinkeleinstellung

Nach Schätzung des Neurobiologen Gerhard Roth erfolgen über 99% unserer kognitiven Leistungen unbewusst. Die unbewusste, intuitive Intelligenz arbeitet mit „einer Weitwinkeleinstellung“, wo viele Sinneswahrnehmungen und Erfahrungen zu Mustern verarbeitet werden, und vor allem Aspekte, die nicht zusammenpassen als Signal ins Bewusstsein gesendet werden: „Stop! Da stimmt was nicht!“

Unser logischer Verstand wäre nicht in der Lage auch nur einen Bruchteil der Informationen zu verarbeiten und abzugleichen, wie unsere unbewusste Intelligenz. Die beiden Systeme arbeiten Hand in Hand, wenn wir das zulassen. Peter Senge sagt dazu: „Man kann nicht intuitiv sein, wenn man versucht, recht zu haben.“ Das heißt, der Verstand muss zurücktreten, damit die Intuition spürbar wird.

Intuition zu ignorieren kostet Geld

Laut den Untersuchungen von Gert Gigerenzer wer­den in Dax-Unternehmen circa 50% aller professionellen Entscheidungen am Ende durch Intuition getrof­fen. Man tut es also ständig, aber man spricht nicht darüber. Vor allem nicht in den mittleren Managementebenen. Es ist vielerorts noch ein Tabuthema.

Der „homo oeconomicus“ existiert also noch in den Vorstellungen zur „Professionalität“ in Unternehmenskulturen.  Der Ruf nach logischen Begründungen, Analysen und Präsentationen lässt Menschen im Management oft von der intuitiven Entscheidung zurückweichen und eine nur zweitbeste Entscheidung fällen, die aber leichter argumentierbar ist. Denn die intuitive Entscheidung kommt ohne Worte, ohne Argumente – sie ist eben ein gefühltes Wissen.

Alternativ werden teure Beratende oder Mitarbeitende beauftragt nach einer intuitiven Entscheidungen Fakten zu finden und Berichte zu liefern, die die Entscheidung mit rationalen Daten belegen. Das kostet Zeit und Geld und damit Ressourcen, die man sich sparen könnte.

Gert Gigerenzers Plä­doyer an die Führungskräfte: über Intuition offen sprechen. Ein „schlechtes Gefühl“ einer sehr erfahrenen Person bei einer wichtigen Entscheidung zu ignorieren kann Kopf und ganz schön viel Geld kosten, wie er aus seinen Interviews mit Vorständen teilt.

Fazit

Mit Hilfe der Intuition haben wir die Chance Komplexität zu erfassen und Entscheidungen schneller und besser zu fällen. Wenn wir Emotionen und Intuition bewusst nutzen, erweitern wir die menschliche Intelligenz – und stellen damit einen wesentlichen Faktor in Abgrenzung und Ergänzung von künstlicher Intelligenz dar, die uns in der logischen Datenverarbeitung sowieso überlegen ist.

„Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk
und der rationale Geist ein treuer Diener.
Wir haben eine Gesellschaft erschaffen,
die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat.“
Albert Einstein

Workshop „Intuition als zukunftsweisende Kompetenz im Management“

  • Durchführung: firmenintern
  • Datum: nach Vereinbarung
  • Online-Workshop 6 Std (zB. 9-15 Uhr, Zoom, oder alternativ MS Teams) oder
    Präsenz-Workshop 7 Std (zB. 9-16 Uhr (mehr Zeit für Austausch und Anwendung)
  • www.silena-p.at/genial-wie-einstein-mit-intuition

Im Impulsworkshop der Autorin erfahren Führungskräfte mehr über den wissenschaftlichen Hintergrund, erkennen Chancen/Risiken und erleben vor allem wie sie ihre Intuition weiter entwickeln können.

MMag. Silena Sabine Piotrowski

MMag. Silena S. Piotrowski, Unternehmensberaterin und Psychologin, gestaltet „Positive Workplaces“: Menschen und Unternehmen durch ein neues Mindset & Verhalten zukunftsfit im Hier & Jetzt machen. Ihre Expertise liegt in der Positiven Psychologie, ihre Leidenschaft beim Menschen in Veränderung.

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