Das frische Magazin
für Human Resources
Teamimpuls
Human Impact Days
HREX 2026

Fachkräftemangel in Österreich | Warum die Zukunft in flexiblen Bildungswegen liegt

13Feb2026
5 min
Fachkräftemangel in Österreich

HR-Know-how aus der Praxis für die Praxis

Inhalt

Der österreichische Arbeitsmarkt steht vor einer seiner größten Herausforderungen seit Jahrzehnten. Firmen suchen händeringend nach Fachkräften, viele Menschen wollen sich beruflich verändern.

Diese Diskrepanz zwischen dem vorhandenen Angebot an Arbeitskräften und der tatsächlichen Nachfrage der Unternehmen hat tiefgreifende Ursachen, die weit über rein demografische Veränderungen hinausgehen und strukturelle Probleme offenbaren. Starre Ausbildungsstrukturen, veraltete Qualifikationsanforderungen und fehlende Durchlässigkeit im Bildungssystem verschärfen das Problem weiter.

Die Lösung für den bestehenden Fachkräftemangel liegt nicht allein in der Anwerbung internationaler Arbeitskräfte, sondern vielmehr in der grundlegenden Transformation unserer Bildungslandschaft, die den veränderten Anforderungen des modernen Arbeitsmarktes gerecht werden muss. Flexible Lernformate ermöglichen Menschen jeden Alters neue Berufschancen.

Fachkräftemangel in Österreich

Aktuelle Zahlen und betroffene Branchen

Die Lage am österreichischen Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren deutlich zugespitzt. Laut aktuellen Erhebungen, die von Arbeitsmarktexperten durchgeführt wurden, fehlen in österreichischen Betrieben derzeit mehr als 200.000 Arbeitskräfte in verschiedenen Sektoren, wobei sich dieser Mangel quer durch die gesamte Wirtschaft zieht. Besonders stark betroffen sind das Gesundheitswesen, die IT-Branche, das Handwerk sowie die Gastronomie und Hotellerie. Bis 2030 werden im Pflegebereich zusätzlich 76.000 Beschäftigte für die Versorgung benötigt.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind beträchtlich. Unternehmen müssen Aufträge ablehnen, Produktionskapazitäten reduzieren oder ihre Expansionspläne zurückstellen. Kleine und mittlere Betriebe leiden besonders stark unter der angespannten Lage, da sie im Wettbewerb um Talente gegenüber Großkonzernen oft das Nachsehen haben. Der jährliche volkswirtschaftliche Schaden wird auf mehrere Milliarden Euro geschätzt. Die verstärkte Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Personalmangels zwischen Bund, Ländern und Sozialpartnern gewinnt deshalb zunehmend an Bedeutung.

Warum flexible Bildungswege der Schlüssel zur Lösung sind

Modulare Ausbildungskonzepte als Erfolgsmodell

Herkömmliche Ausbildungsmodelle stoßen an ihre Grenzen, sobald sie rasch auf veränderte Anforderungen des Arbeitsmarktes reagieren müssen. Lange Vollzeitausbildungen sind für viele Menschen aus familiären, beruflichen oder finanziellen Gründen nicht machbar.

Genau an dieser Stelle setzen modulare Bildungskonzepte an, die eine zeitgemäße Antwort auf die beschriebenen Herausforderungen bieten und neue Wege in der beruflichen Qualifizierung eröffnen. Sie ermöglichen den Erwerb von Qualifikationen in überschaubaren Einheiten, die sich zeitlich flexibel absolvieren lassen, wobei die Lernenden selbst bestimmen können, in welchem Tempo sie die einzelnen Module durchlaufen, und die dennoch am Ende zu vollständig anerkannten Abschlüssen führen, welche auf dem Arbeitsmarkt einen echten Wert besitzen.

Lebenslanges Lernen als gesellschaftliche Notwendigkeit

Die Arbeitswelt verändert sich rasant, und mit ihr die Anforderungen an Beschäftigte. Kenntnisse, die vor zehn Jahren noch ausreichten, sind heute oft überholt. Kontinuierliche Weiterbildung wird damit zur Grundvoraussetzung für beruflichen Erfolg. Die Bereitschaft zur beruflichen Weiterentwicklung ist hoch, sofern die Rahmenbedingungen stimmen. Lebenslanges Lernen ist nicht nur ein individuelles Ziel, sondern auch eine gesellschaftliche Notwendigkeit, um die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Wirtschaftsraums zu sichern. In einer zunehmend digitalisierten und globalisierten Welt müssen Arbeitnehmer in der Lage sein, sich schnell neue Fähigkeiten anzueignen, um mit den technologischen und wirtschaftlichen Veränderungen Schritt zu halten. Gleichzeitig bieten flexible Bildungswege auch die Chance, die Kluft zwischen verschiedenen Alters- und Berufsgruppen zu überbrücken. Es ist entscheidend, dass Weiterbildungsmöglichkeiten nicht nur jungen Menschen, sondern auch jenen zur Verfügung stehen, die bereits mitten im Berufsleben stehen und möglicherweise den Wunsch haben, ihren Karriereweg zu verändern oder weiterzuentwickeln.

3 konkrete Schritte

… für den Einstieg in zukunftssichere Berufsfelder

Die Entscheidung für einen beruflichen Neuanfang erfordert eine durchdachte und systematische Planung der einzelnen Schritte. Diese Schritte haben sich für einen erfolgreichen beruflichen Neuanfang bewährt:

  1. Kompetenzanalyse durchführen: Vorhandene Fähigkeiten erfassen – oft sind Qualifikationen auf neue Berufsfelder übertragbar. AK und AMS unterstützen dabei.
  2. Informationsangebote nutzen: Passende Ausbildungsformate und Förderungen wie Bildungskarenz oder Fachkräftestipendium recherchieren.
  3. Praktische Einblicke gewinnen: Schnuppertage, Praktika oder Ehrenämter bieten realistische Berufseindrücke und verhindern Fehlentscheidungen.

Die Investition in berufliche Weiterbildung zahlt sich langfristig aus – sowohl finanziell als auch in Bezug auf Arbeitszufriedenheit und gesellschaftliche Teilhabe.

Pflegeberufe als Beispiel

Ausbildungsmöglichkeiten mit Zukunftsperspektive

Der Pflegebereich illustriert exemplarisch, wie durchlässige Bildungsstrukturen funktionieren können. Der Berufseinstieg gelingt oft über die Pflegeassistenz, die sich schnell erwerben lässt. Von dort aus eröffnen sich viele Aufstiegsmöglichkeiten. Diese Durchlässigkeit motiviert Beschäftigte und eröffnet langfristige Karrieremöglichkeiten.

Karrierewege im Gesundheitssektor

Besonders attraktiv gestalten sich berufsbegleitende Ausbildungsformate. Sie verbinden Theorie und Praxis miteinander und erlauben es, schon während der Ausbildung im Berufsfeld zu arbeiten. Finanzielle Sicherheit und Praxiserfahrung bleiben gleichzeitig erhalten. Für Quereinsteigende aus anderen Branchen bieten solche Modelle einen unkomplizierten Einstieg in ein krisensicheres Arbeitsfeld.

Wer sich für eine Ausbildung in der Pflegeassistenz entscheidet, profitiert von einem Modell, das genau diese Flexibilität in den Fokus rückt. Durch das Angebot von Teilzeitvarianten und die enge Verzahnung von Theorie und Praxis wird der Einstieg in den Pflegeberuf auch für Menschen ermöglicht, die mitten im Leben stehen. Die Ausbildung zur Pflegeassistenz wird oft in Kombination mit der Fachsozialbetreuung angeboten, wodurch sich in einem kompakten Rahmen gleich zwei wertvolle Qualifikationen erwerben lassen. Diese modernen Ausbildungsformate senken die Einstiegshürden erheblich und sprechen gezielt Quereinsteiger an, denen das klassische Bildungssystem bisher zu starr war.

Unternehmen & Bildungseinrichtungen

Was Unternehmen und Bildungseinrichtungen gemeinsam leisten müssen

Die Verantwortung für die Bewältigung des Arbeitskräftemangels, der in zahlreichen Branchen zu spürbaren Engpässen führt und die wirtschaftliche Entwicklung hemmt, liegt keineswegs allein bei den Arbeitssuchenden, die sich um Qualifikationen und Stellenvermittlung bemühen, sondern verteilt sich auf mehrere gesellschaftliche Akteure. Unternehmen müssen bessere Arbeitsbedingungen, Ausbildungsplätze und Weiterbildungsprogramme anbieten. Bildungseinrichtungen müssen ihre Angebote besser an den realen Arbeitsmarktbedürfnissen ausrichten und bürokratische Hürden abbauen. Die Politik muss passende Rahmenbedingungen für Finanzierung und Kompetenzanerkennung schaffen.

Ein vielversprechender Ansatz ist die enge Verzahnung von Theorie und Praxis. Wenn Unternehmen frühzeitig in Ausbildungsprozesse eingebunden werden, entstehen passgenaue Qualifikationsprofile. Die Absolventinnen und Absolventen sind unmittelbar einsatzfähig, und die Betriebe gewinnen loyale Mitarbeitende, die sie selbst mitgeformt haben. Wer sich vertiefend mit verwandten Personalmanagement-Themen beschäftigen möchte, findet zahlreiche weiterführende Ressourcen.

Bildung als Brücke zwischen Gegenwart und künftigen Anforderungen

Der Wandel am Arbeitsmarkt kann nicht gestoppt, aber aktiv mitgestaltet und beeinflusst werden. Flexible Bildungswege sind das wichtigste Mittel, um Menschen jeden Alters und Hintergrunds in gefragte Berufe zu bringen. Österreich hat ein grundsätzlich starkes Bildungssystem – die Aufgabe liegt darin, dessen Strukturen zeitgemäß anzupassen. Modulare Ausbildungen, berufsbegleitende Formate und durchlässige Karrierepfade zeigen, wie der Wandel gelingen kann. Wer sich auf lebenslanges Lernen einlässt, findet derzeit beste Chancen für den beruflichen Neustart und kann zugleich gesellschaftliche Probleme lösen helfen.

Fachkräftemangel in Österreich | Warum die Zukunft in flexiblen Bildungswegen liegt

Schlagwörter:

Teilen:

Ähnliche Beiträge