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Teamimpuls

Global führen heißt Perspektiven wechseln

23Apr2026
5 min
global führen

HR-Know-how aus der Praxis für die Praxis

Inhalt

Wie gelingt es Führungskräften, zwischen kultureller Vielfalt und eigener Identität handlungsfähig zu bleiben? Wir sehen es uns in einem Interview mit einer Experten-Runde an.

Globale Teams bringen Vielfalt, Dynamik und auch Widersprüche mit sich. Unterschiedliche kulturelle Perspektiven treffen aufeinander und eröffnen neue Möglichkeiten. Gleichzeitig verlangen sie eine bewusste Auseinandersetzung mit den eigenen Annahmen.

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Experten-Interview

Internationale Perspektive

Wenn Sie eine internationale (Führungs-)Person ausbilden/coachen: Welche inneren Haltungen oder Sichtweisen müssen Personen lernen (nicht nur Skills), um global agieren/führen können?

Dr. Judith Girschik (LSS): Globale Führung beginnt mit innerer Weite. Wer international führen will, muss Ambiguität aushalten können – also Widersprüche, Mehrdeutigkeit, kulturelle Logiken, die nicht der eigenen entsprechen. Entscheidend ist kulturelle Demut: die Haltung, dass die eigene Perspektive nicht die Norm ist, sondern nur eine von vielen. Dazu kommt Neugier statt Bewertung, Lernbereitschaft statt Rechthaben. Und ein stabiles inneres Wertefundament – ohne das verliert man sich im Anpassungsmodus. Global führen heißt: klar in der Identität, flexibel im Verhalten. Wer nur Tools lernt, bleibt Tourist. Wer Haltung entwickelt, wird Brückenbauer.

Dr. Karin Schreiner (Intercultural Know How): Ein globales Mindset für eine angehende Führungsperson zu entwickeln, ist sehr komplex. Für die Ausbildung internationaler Führungskräfte wären folgende Komponenten bedeutend:
Kulturelles Bewusstsein, Bereitschaft lebenslang zu lernen, globale politische und wirtschaftliche Zusammenhänge sehen und erklären können,  kulturelle Diversität von Teams sehen und nutzen können und damit einhergehend Diversitätskompetenz, innovative Lösungen entwickeln und dabei kulturelle Unterschiede integrieren können, respektvolle Haltung im Umgang mit Mitarbeitenden unterschiedlicher kultureller Herkunft, globale Visionen entwickeln und Risiken einschätzen können.
Es bedarf eines klaren Bewusstseins seiner selbst und das Sehen globaler Zusammenhänge sowie die Vorteile von Diversität. Eine Haltung, die Respekt, Neugierde, Zurückhaltung, Bescheidenheit und Mut zeigt. Dies ist sicher ein lebenslanger Lernprozess, der nicht früh genug beginnen kann.

Tina Krainer (Die HR Koryfee): Neugier, Offenheit und Demut sind für mich grundlegende Haltungen, die eine Person braucht, um international agieren zu können. Dazu kommen kulturelle Empathie sowie inklusives Denken und Verhalten. Wichtig ist auch, zu verstehen, welche Auswirkungen nationale Entscheidungen global haben – und umgekehrt. Selbstreflexion und Anpassungsfähigkeit spielen ebenfalls eine zentrale Rolle. Es geht immer darum, anderen Kulturen nicht die eigene Sichtweise aufzudrängen, sondern Brücken zu bauen. Verbindungen zu schaffen, Gemeinsamkeiten hervorzuheben und an Herausforderungen gemeinsam zu arbeiten, ist essenziell. Internationale Führung bedeutet, Perspektiven zu erweitern und Vielfalt als Stärke zu begreifen.

Philipp Kaiblinger (Planspielzentrum): Globale Führung beginnt nicht mit Methoden, sondern mit Haltung. Entscheidend ist die Fähigkeit zur Selbstreflexion: Wie wirke ich – und warum? Unserer Erfahrung nach können Instrumente sehr gut dabei helfen, das eigene Verhaltensmuster im interkulturellen Kontext bewusst zu erkennen. Internationale Führungskräfte müssen Ambiguität aushalten können, ohne vorschnell zu bewerten. Es braucht kulturelle Demut statt kultureller Überlegenheit. Neugier ersetzt Gewissheit, Fragen ersetzen schnelle Antworten. Wer global führt, akzeptiert, dass unterschiedliche Logiken gleichzeitig gültig sein können. Innere Stabilität wird wichtiger als äußere Kontrolle. Erst diese Haltung ermöglicht echte Anpassungsfähigkeit. Skills wirken nur, wenn das Mindset trägt.

Fähigkeit fördern

Wie fördern Sie in die Fähigkeit, mit Widersprüchen oder kulturellen Dilemmata umzugehen, ohne vorschnell zu urteilen oder sich anzupassen?

Christian Ploy (Christian Ploy – Competence): In der Führungsarbeit dreht sich alles um Selbstführung und Bewusstsein. Die wichtigste Voraussetzung, um mit Dilemmata und Widersprüchen umzugehen, ist die Wahrnehmung eigener „Bewertungen“ von Situationen sowie die bewusste Rückkehr zum tatsächlich Wahrgenommenen.
Diese Fähigkeiten können Führungskräfte fördern, indem sie ihre Haltung, ihre eigenen Emotionen und Handlungen bewusst wahrnehmen und reflektieren. Als Führungskraft sollte ich bemerken, wenn mich ein bestimmtes Verhalten „triggert“ oder irritiert.
Regelmäßige Begleitung durch professionelles Coaching sowie das Training von Achtsamkeit und Techniken der Gewaltfreien Kommunikation schärfen Wahrnehmung und sprachlichen Umgang. So führen Führungskräfte sich selbst und ihr Gegenüber, ohne zu urteilen oder sich anzupassen.

Mag. David Kupfer, MBA MSc (Wildniszone): Einmal mehr gilt es hier dafür zu sensibilisieren, dass Werte und Erwartungen mitunter eine kulturelle Prägung beinhalten und es hier weder richtig noch falsch gibt. Es kann hier nur „anders“ geben. Eben diese Werte und Erwartungen müssen klar kommuniziert werden und gegebenenfalls durch Spielregeln dafür gesorgt werden, dass das Zusammenspiel in einer Art funktioniert, die dafür sorgt, dass möglichst alle Erwartungen/Werte gestillt werden. Sowohl in Coachings als auch in Workshops gibt es großartige Methoden, um unterschiedliche Sichtweisen aufzuzeigen. Der schnellste Augenöffner ist auf einem Blatt Papier eine groß geschriebene 9 – was für den einen ein 6er ist, sieht das Gegenüber ganz anders…

Nikolas Strobl, BA, MSc (Oberwasser): Wir fördern das durch die Technik des Reframings und die systemische „Sowohl-als-auch“-Logik. In unseren Expert Sessions und Peer-Coachings simulieren wir Dilemmata und laden dazu ein, die „positive Absicht“ hinter jedem widersprüchlichen Pol zu suchen. Statt voreiliger Anpassung oder Urteilen trainieren wir das Innehalten: Was sagt dieser Konflikt über die Systemdynamik aus? Durch den Austausch mit Peers aus völlig anderen Branchen bzw. Unternehmensbereichen und Kontexten erleben Führungskräfte hautnah, dass es immer mehr als eine Lösung gibt. Das weitet den Horizont und macht Dilemmata von einer Belastung zu einer Ressource für kreative Innovation.

Mag. Alexandra Schreiber-Bratfisch (ITO): Wir fördern diese Fähigkeit durch reflektiertes, erfahrungsbasiertes Lernen. Führungskräfte üben dabei, ihre eigenen Denkmuster, Automatismen und Bewertungsimpulse bewusst wahrzunehmen, bevor sie handeln. Mit Perspektivwechseln, Dialogen und Übungen, die Rollen und Dynamiken im Team sichtbar machen, lernen sie, mit mehreren Sichtweisen umzugehen. Das unterstützt sie dabei, situationsgerecht zu entscheiden, ohne vorschnell zu urteilen oder sich unreflektiert anzupassen. Ziel ist eine innere Klarheit, die Orientierung gibt und zugleich die Vielfalt der Perspektiven respektiert.

Fazit

Globale Leadership lebt von innerer Stabilität und gleichzeitiger Offenheit. Widersprüche gehören zur internationalen Führung dazu. Sie eröffnen Räume für Innovation, wenn sie nicht vorschnell bewertet werden. Wer die eigene Perspektive kennt, kann andere wirklich einbeziehen.

Globale Führungskräfte entwickeln die Fähigkeit, mehrere Perspektiven nebeneinander stehen zu lassen und daraus tragfähige Lösungen zu gestalten.

Interviewte Personen

Global führen heißt Perspektiven wechseln

Dr. Karin Schreiner

Schreiner Karin, 200x250

Christian Ploy

  • Geschäftsführer, Gründer
  • Christian Ploy – Competence
  • Coaching, Consulting, Mediation
  • www.christian-ploy.at
Christian Ploy

Dr. Judith Girschik

Girschik Judith, LSS, 200x250

Mag. Alexandra Schreiber-Bratfisch

Alexandra Schreiber-Bratfisch, ITO

Philipp Kaiblinger

kaiblinger-philipp-200x250

Tina Krainer

Krainer Tina, HR Koryfee, 200x250

Nikolas Strobl, B.A., MSc.

  • Head Coach
  • OBERWASSER OG
Nikolas Strobl, Oberwasser 1

Mag. David Kupfer, MBA MSc

  • Inhaber
  • Wildniszone
David Kupfer, Wildniszone

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