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3 notwendige KI-Kompetenzen in der Bildung

2Feb2026
3 min
KI Kompetenzen

HR-Know-how aus der Praxis für die Praxis

Inhalt

Wer KI in der Erwachsenenbildung sinnvoll nutzen will, braucht nicht nur Prompt-Skills. Dieser Artikel zeigt die drei Kompetenzen, die Trainingsqualität sichern: Urteil, Didaktik und Reflexion.

Wer KI nur bedienen kann, ist noch nicht KI-kompetent.

In der aktuellen Diskussion rund um Künstliche Intelligenz in der Bildung wird Kompetenz häufig mit Tool-Souveränität verwechselt. Wer die richtigen Prompts kennt, schnell Ergebnisse produziert und neue Anwendungen ausprobiert, gilt als „fit für die Zukunft“. Aus lern- und bildungspsychologischer Perspektive greift dieses Verständnis jedoch deutlich zu kurz.

Denn Lernen ist mehr als Effizienz. Und professionelle Bildungsarbeit ist mehr als das geschickte Nutzen technischer Möglichkeiten. Die zentrale Frage lautet daher nicht nur, was KI alles kann, sondern auch wie sie Lernprozesse beeinflusst und welche Rolle Trainer und Trainerinnen dabei bewusst einnehmen.

Ich habe mich daher mit der Frage beschäftigt, welche Kompetenzen Personen in der Aus- und Weiterbildung benötigen, um KI nicht nur funktional, sondern didaktisch sinnvoll, reflektiert und verantwortungsvoll einzusetzen.

Dabei kristallisieren sich für mich 3 zentrale Kompetenzbereiche heraus:

1. Urteilskompetenz: Nicht alles glauben, was gut klingt

KI formuliert sehr überzeugend und genau das macht sie gefährlich.
Bildungsverantwortliche benötigen daher unbedingt die Fähigkeit, KI-Ergebnisse kritisch zu prüfen, fachlich einzuordnen und konsequent zu hinterfragen. Ein gut klingendes Trainingskonzept ist nicht automatisch ein lernwirksames. Eine sauber formulierte Erklärung ist nicht automatisch korrekt oder anschlussfähig an die Zielgruppe. Und ein Vorschlag auf Knopfdruck ersetzt weder pädagogische Erfahrung noch didaktisches Urteilsvermögen.

Gerade weil KI Inhalte mit hoher Selbstverständlichkeit präsentiert, braucht es Menschen, die Verantwortung für Qualität übernehmen und Annahmen hinterfragen, Lernziele überprüfen, Inhalte kontextualisieren und entscheiden, was tragfähig ist und was nicht. Urteilskompetenz bedeutet in diesem Zusammenhang, sich nicht von sprachlicher Eleganz leiten zu lassen, sondern bewusst zwischen scheinbarer Plausibilität und tatsächlicher Bildungsqualität zu unterscheiden.

Urteilskompetenz bedeutet:

  • Inhalte fachlich zu bewerten
  • Unstimmigkeiten zu erkennen
  • Verantwortung für die Qualität zu übernehmen

Wer diese Kompetenz nicht bewusst stärkt, läuft Gefahr, die eigene fachliche Autorität schleichend an ein technisches System abzugeben.

2. Didaktische Kompetenz: Effizienz ist nicht gleich Lernen

KI ist hervorragend darin, Dinge schneller zu machen. Lernen funktioniert jedoch nicht immer schnell. Professionelle Trainer und Trainerinnen wissen: Manche Lernprozesse brauchen Reibung, Zeit zum Nachdenken, Irritation, Wiederholung, und einiges mehr. Genau das wird durch KI-Einsatz manchmal verkürzt und damit auch der Lernerfolg.

Didaktische Kompetenz zeigt sich heute vor allem darin, bewusst zu entscheiden,

  • wann KI sinnvoll unterstützt
  • wo sie Lernprozesse vertieft
  • und wann sie diese eher oberflächlich macht

Nicht jede Reflexionsfrage sollte automatisiert sein. Nicht jede Übung muss „optimiert“ werden. Und nicht jede Denkleistung sollte ausgelagert werden, weder bei den Teilnehmenden noch bei den Lehrenden selbst.

3. Reflexionskompetenz: Was macht KI mit meinem Denken?

Das ist vielleicht der unterschätzteste Punkt. Wer regelmäßig Denkprozesse an KI auslagert, verändert das eigene Arbeiten und langfristig auch das eigene Denken. Das ist nicht per se schlecht, aber es ist auch nicht neutral.

Reflexionskompetenz bedeutet, sich immer wieder Fragen zu stellen wie:

  • Wo denke ich selbst und wo lasse ich denken?
  • Was trainiere ich noch aktiv, was verlerne ich vielleicht gerade?
  • Welche Fähigkeiten will ich bewusst erhalten und weiterentwickeln?

Gerade Trainer und Trainerinnen sind Vorbilder für Lernprozesse. Wer selbst nicht mehr reflektiert, wie Lernen entsteht, verliert genau hier an Tiefe.

Fazit

KI kann Trainings bereichern, Prozesse vereinfachen und neue Impulse liefern. Doch sie darf nicht zum Ersatz für pädagogische Urteilskraft werden. Didaktik, Methodik und kritisches Denken sind keine Nebenprodukte von Bildung, sondern ihr Kern. Gerade deshalb braucht es im Bildungsbereich bewusst den Human in the Loop – Menschen, die entscheiden, einordnen, hinterfragen und Verantwortung übernehmen. Die entscheidende Kompetenz liegt nicht darin, möglichst viel auszulagern, sondern genau zu wissen, was wir nicht aus der Hand geben dürfen.

3 notwendige KI-Kompetenzen in der Bildung

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