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Sünden, auf die Manager verzichten sollten

Die Theologie kennt klassisch 7 schlechte Charaktereigenschaften (auch Todsünden genannt): Hochmut, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid sowie Trägheit des Geistes (gelegentlich auch gleichgesetzt mit Faulheit, Feigheit oder Ignoranz).

Mahatma Gandhi hat diese für die moderne Welt so definiert:


  • Reichtum ohne Arbeit
  • Vergnügen ohne Gewissen
  • Wissen ohne Charakter
  • Geschäfte ohne Moral
  • Wissenschaft ohne Menschlichkeit
  • Religion ohne Opferbereitschaft
  • Politik ohne Prinzipien

Vergnügen ohne Gewissen

Der CEO eines Unternehmens geht am Wochenende mit seiner Familie in eines der angesagtesten Restaurants der Stadt und gibt am Montag die Rechnung seiner Assistentin mit der Bitte, diese über seine Spesen abzurechnen – mit der Begründung: er hätte sich mit Geschäftspartnern getroffen. Im Gegenzug wurden die Mitarbeiter jedoch aufgefordert, den Gürtel enger zu schnallen.

Moderne Manager werden täglich in Versuchung geführt und müssen darum bemüht sein, keine „schlechten“ Eigenschaften beruflich auszuleben. Aber wie so oft halten nicht alle diesen Anfechtungen stand. Hohe Managergehälter, denen oft keine adäquate Leistung gegenübersteht, Abfertigungen in Millionenhöhe, Insiderhandel, Schmiergeld und Korruption. Solche Todsünden ruinieren das Klima innerhalb des Unternehmens und zerstören das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Topmanager.

Auch Mitarbeiter können unter den „Sünden“ ihrer Vorgesetzten sehr leiden. Das einzig sinnvolle Gegenmittel ist, sich selbst unantastbar zu machen und das gelingt nur, wenn man die „Spielregeln“ der Ethik befolgt.

Vorstandsassistentinnen sind die Seelen ihrer Chefs. Sie regeln alles Unangenehme, schirmen gegen alles Ungewollte ab, sind über alle Entscheidungen informiert und kennen vielfach die Geheimnisse ihrer Vorgesetzten. Wen wundert es also, wenn diese „Seelen“ plötzlich illoyal werden, weil ihr Vorgesetzter ihren lange angekündigten und mündlich zugesagten Urlaub streicht, weil die Konzernführung aus den USA sich angekündigt hat und er möglicherweise ad hoc irgendwelche Präsentationen benötigt … die „gute Seele“ allerdings nur Däumchen drehend herumsitzt und ihrem Urlaub nachtrauert … schnell sind im Ärger ein paar unschöne oder pikante Details herum erzählt …


Geschäfte ohne Moral

Viele internationale Konzerne unterwerfen sich selbst einem Verhaltenskodex. Dort wird nicht nur die Zusammenarbeit untereinander sondern auch der Umgang mit Externen, der Umwelt oder Geschenken geregelt. Um Korruption vorzubeugen ist es insbesondere in vielen US Unternehmen untersagt, geschäftliche Beziehungen zu Familienmitgliedern, engen Freunden oder Bekannten zu unterhalten. Das Management sollte  hier mit Vorbildwirkung vorangehen. Trotzdem sieht der Trainingsmanager kein Problem darin, dass sein bester Freund einen nicht unerheblichen Teil der Persönlichkeitstrainings für Führungskräfte in seinem Unternehmen durchführt … Bei den Mitarbeitern entsteht der Eindruck, die Chefs machen sowieso was sie wollen – Wasser predigen aber Wein trinken!


Politik ohne Prinzipien

Ein konfliktscheuer Manager bittet seinen Supervisor, einem Mitarbeiter ein Fehlverhalten mitzuteilen. Der Mitarbeiter trifft wenig später auf den Manager und entschuldigt sich dafür. Der Manager gibt sich bestürzt und streitet ab, dieses Verhalten beanstandet zu haben. Durch diese Aktion entsteht eine Kluft zwischen den handelnden Personen, das gegenseitige Vertrauen schwindet.

Interessanterweise werden Verfehlungen von 08/15-Mitarbeitern hier strikter geandet. In Deutschland erregten einige Fälle, die sogenannte  Bagatellschäden als Basis haben, großes Aufsehen, da die Mitarbeiter gekündigt wurden: eine Kassiererin, die nach 30 Jahren treuer Arbeit im Supermarkt, Pfandbons im Wert von 1,30 Euro einsteckte, ein Müllmann, der ein Kinderbett vom Sperrmüll mitgenommen hatte und die Küchenhilfe, die ein halbes Frikadellenbrötchen vom Buffet genommen hat.

Alle beschriebenen Fälle beruhen auf wahren Begebenheiten und so könnte man vermuten, dass Moral und Anstand in den heutigen Management Etagen ersatzlos aus den Köpfen gestrichen wurden. Das stimmt nur bedingt. Corporate Governance nimmt sich dieses Themas an. Unter Corporate Governance versteht man  die „verantwortungsvolle Unternehmensführung und –kontrolle “, die vor allem vom Management umgesetzt werden sollte. Weltweit gibt es bereits Vereinigungen und Vereine die sich mit dem Thema auseinandersetzen, meistens von Unternehmensberatern ins Leben gerufen. Doch brauchen wir wirklich für alltägliche Dinge einen Berater bzw. Überwachung oder einen Kodex, geht das alles nicht auch einfacher?


Ketzerische Frage

Wäre es da nicht leichter, sich auf seine ethischen Werte zu besinnen und danach zu handeln? Eine moderne Gesellschaft wo „Todsünden“ wie Hochmut, Geiz oder Feigheit nicht als oberste aller Werte angesehen werden? Erfolg und ein gutes Gewissen sind nämlich kein Widerspruch!

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2 Kommentrare

  1. Gerd Beidernikl am

    Ich wurde mal mit der Frage konfrontiert: „Sollte eine Führungskraft seine Strafmandate für Falschparken oder Geschwindigkeitsübertretungen selber zahlen oder sollte diese die Firma übernehmen“ (bei beruflichen Fahrten mit dem Dienstwagen).

    Ich habe klar geantwortet: „auf jeden Fall selber“. Denn damit beweist man, dass Fehlverhalten eine individuelle „Schuld“ ist und nicht auf Die Firma angewälzt werden kann. Und dieser Artikel bestärkt mich nochmal darin.

    Wie ist das in Ihren Firmen die Praxis? 😉

  2. recruiter am

    Früher hatten wir die Policy „das Unternehmen zahlt die Strafen eher nicht, doch belegt die Führungskraft eine hohen Ebene oder vertritt sie die Meinung nur vehement genug, dann übernimmt es das Unternehmen“. Man kann sich vorstellen, dass das keine gute Lösung war. Mittlerweile heißt die Policy „Strafmandate sind Privatsache“. Das ist in der Kommunikation bedeutend einfacher und wird auch – nach anfänglichen Schwierigkeiten – akzeptiert.

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