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Presencing

Presencing – Führen von der Zukunft her

⇒ Veranstaltungs-Bericht I von Sabine Piotrowski

Prof. Otto Scharmer lehrt am MIT in Boston, USA und präsentierte Presencing anhand der U-Theory am 10märz2011 in einem spannenden Workshop in Wien. Hier auf HRweb finden Sie zwei Veranstaltungsberichte. Sie spiegeln zwei Sichtweisen dieses Tages wieder – und genau darum geht es bei Presencing: um das Heraustreten aus dem eigenen Blickwinkel. Lesen Sie, wie zwei HRweb-Autoren diesen Tag erlebten:

Zum theoretischen Hintergrund haben wir auf HRweb noch einen zusätzlichen Artikel (13jan2011, von Eva Selan): Presencing – Neue Lösungswege für neue Aufgaben

 

Presencing: Den Finger am blinden Fleck der Wirtschaft

Innehalten, im Einklang sein mit dem Energiefeld rund um sich, die Lösung, die aufsteigen will, erspüren… Unmöglich über solche Art von Innovationsprozessen in Unternehmen zu reden? „Presencing“ von Otto Scharmer gibt den Erfahrungen, die viele Menschen privat kennen, einen anschlussfähigen Rahmen im Beruf: einen Business-Anzug vom MIT (USA).

Eine persönliche Nachlese zum Event des Solution Management Centers mit Otto Scharmer.

10. März 2011, 9:00 Uhr morgens:  180 Berater, Coaches, Führungskräfte und Bildungsmanager erwarten gespannt den Vortrag von Dr. Otto Scharmer, Begründer des Presencing-Institutes und Senior Lecturer am Massachusetts  Institute of Technology (MIT). Die Erwartungen werden nicht enttäuscht. Otto Scharmer bietet einen spannenden, abwechslungsreichen und aktiv involvierenden Einstieg in die Lern-, Führungs- und  Innovationsmethode „Presencing“.

Presencing – eine Wortkreation aus „presence“ und „sensing“ – baut darauf auf,  dass herkömmliche Innovationsmethode nicht tief genug greifen. Klassisches Business Reengineering beruht auf Ideen, die aus dem gewohnheitsmäßigen Blickwinkel der beteiligten Menschen gewonnen werden. Scharmer erzählt, dass in 70% der Fälle der Business Reengineering Prozess wieder abgebrochen wird.

 

Vom „Anrennen“ zum „Ankommen“

Einen Bedarf für eine neue Herangehensweise erkennen Sie am „Anrennen“, wenn nämlich die Muster, nach denen man handelt, nicht mehr zum Erfolg führen. Man versucht es noch stärker, aber „mehr vom Selben“ bzw. „Downloading“ funktioniert in solchen Situationen nicht.  Scharmer empfiehlt deshalb folgende Schritte (siehe Bild oben):

  • Innehalten (open mind, seeing): Machen Sie in ihrem (Schnecken-)Haus mal die Fenster auf und schauen Sie raus! Oder anders gesagt, öffnen Sie ihr geschlossenes System (die übliche Wahrnehmung, das prototypische Handeln) und beobachten Sie Ihr Umfeld/Zielgruppe mal ganz genau. Beobachten wohlgemerkt (was sehe ich?)  – und nicht gleich beurteilen (was bedeutet das? Ist das gut, richtig…?).
  • Umwenden (open heart, sensing): So, und jetzt treten Sie einfach mal raus aus Ihrer Haustür. Setzen sich mitten unter ihre Zielgruppe. Fragen und hören zu. Versuchen in die Schuhe des anderen zu schlüpfen und zu spüren, welche Bedürfnisse er hat. Vorsicht, hier sind bereits AHA-Erlebnisse möglich!
  • Loslassen & kommen lassen (open will, presencing): Die Lösung kommt bei uns an in einem Moment, in dem wir ganz loslassen und mit etwas Größerem verbunden sind. Diesen Zustand erreicht man durch tägliches Üben, durch ein Zurückziehen zu dem „inneren Ort“ z.B. durch Meditation. So können Sie gleich zwei Lärmquellen ausschalten – die äußeren und die inneren, wie z.B. Urteile, Zynismus und  Ängste. Sie können in Kontakt treten mit ihrem Selbst und  ihren eigenen Potential. Und dadurch sind Sie in der Lage die Lösung  – oder wie Scharmer es nennt „the future as it emerges“ – zu erspüren.
  • Erproben & in die Welt kommen lassen (crystallizing & prototyping): Dann gilt es, erst mal einfach zu tun, „mit den Händen“ auszuprobieren und nicht gleich zu reflektieren. Der Kopf darf also noch ein wenig warten, damit das Neue nicht gleich „zu Tode“ analysiert wird. Das Erproben soll der Idee durch neue Erfahrungen eine Chance geben. So entstehen verschiedene Prototypen, die man anschließend ganzheitlich beurteilt und damit die beste Vorgehensweise auswählt.

Presencing

Ein Business-Code für „Unsagbares“

Diesen kreativen und  auch spirituellen Prozess kleidet Otto Scharmer in ein professionelles Business Modell. Und gibt damit Phänomenen, die in der Wirtschaft nicht bzw. kaum angesprochen werden anschlussfähige Begriffe. Oder haben Sie schon mal mit dem Vorstand über Innehalten, Meditation und Erspüren der Lösung gesprochen? Möglicherweise ein bisschen schwierig.  Aber  Begriffe wie Theorie U,  Reframing, Regenerating, Presencing, Co-Creating etc. machen das eindeutig leichter.

Und das ist womöglich das, warum – zu Otto Scharmers eigener Überraschung – sein Buch mittlerweile in zwölf Sprachen übersetzt wurde.  Denn viele Menschen haben privat die Erfahrung gemacht, dass die Suche nach einem inneren Ort der Stille, nach mehr Erspüren und nicht nur analysieren sehr hilfreich ist in einer Welt voll von ständigem „Informationsalarm-Gepiepse“. Nur – wie sag ich es im Büro? Theorie U bzw. Presencing bietet die Chance, diesen tiefgehenden Lern- und Innovationsprozessen eine businesstaugliche Sprache zu geben.

„The Legend of Bagger Vance“

Wenn Sie Presencing nachspüren möchten, dann schauen Sie sich mal den Film von Robert Redford an: „The legend of Bagger Vance“ mit Will Smith, Matt Damon und Charlize Theron. Dabei spielt Matt Damon einen extrem talentierten, aber durch den 1. Weltkrieg traumatisierten Golfspieler, der seinen authentischen Schwung verloren hat. Plötzlich taucht der mysteriöse Caddy Bagger Vance (Will Smith) auf, der ihn wieder zum Erfolg führt: „Es gibt nur einen Schlag, der perfekt mit dem Feld harmoniert. Suchen Sie mit Ihren Händen, denken Sie nicht darüber nach. Fühlen Sie das Feld. Stellen Sie sich Ihrem authentischen Schlag einfach nicht in den Weg.“

Viel Freude beim Ausprobieren!


Weiterführende  Literatur

(2007): “Theory U: Leading from the Future as it emerges. The Social Technology of Presencing”,  SoL Press

Presencing: Finger am blinden Fleck der Wirtschaft

MMag. Silena Sabine Piotrowski | Teil unseres fixen Autoren-Teams

MMag. Silena S. Piotrowski, Unternehmensberaterin und Psychologin, gestaltet „Positive Workplaces“: Menschen und Unternehmen durch ein neues Mindset & Verhalten zukunftsfit im Hier & Jetzt machen. Ihre Expertise liegt in der Positiven Psychologie, ihre Leidenschaft beim Menschen in Veränderung.

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