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Zuwanderung in Rot-Weiß-Rot

Große Einzelhandelsketten werben mit Kundenkarten, um ihre Kunden ans Unternehmen zu binden. Je nach System können die Kunden durch Einkäufe erworbene Punkte gegen Rabatte oder vergünstigte Waren/Leistungen eintauschen. Die Republik Österreich setzt ebenfalls auf eine „Rot-Weiß-Rot Karte“ mit Punktesystem. Jedoch entscheiden hier die Punkte wer rein darf und wer draußen bleiben muss.

Punkte mit System

Die seit 1. Juli 2011 in Kraft getretene „Rot-Weiß-Rot“ Karte soll die Zuwanderung aus dem nicht europäischen Ausland regeln. Die sogenannten Zuwanderungskarten werden nach einem Punktesystem ausgestellt. Kriterien wie berufliche Qualifikation, Ausbildung, Sprachkenntnisse und Alter sind entscheidend für die Erreichung einer bestimmten Punkteanzahl. Von 100 Punkten müssen mindestens 50 (Fachkräfte in Mangelberufen oder qualifizierte Migranten) bzw. 70 Punkte bei Spitzenkräften mit Hochschulabschluß erreicht werden. Die Bewerber dürfen die Karte bei den Vertretungsbehörden im Heimatland beantragen. Bewerbungen von folgenden Personengruppen werden entgegen genommen:

  • Spitzenkräfte mit Hochschulabschluss
  • Fachkräfte in so genannten Mangelberufen
  • qualifizierten Migranten für Fachberufe

Nach Schätzungen des Sozialministeriums sollen über die Karte etwa 5.000 Zuwanderer pro Jahr nach Österreich kommen: 500 in der ersten Gruppe (hoch qualifizierte, Manager), 2.000 in der zweiten Gruppe (Mangelberufe), 2.500 in der dritten Gruppe (sonstige Schlüsselkräfte, die nicht durch im Inland Arbeitsuchende abgedeckt werden können). (Quelle: APA)

Beispiel Zulassungskriterien für besonders Hochgualifizierte

KRITERIEN PUNKTE (Quelle APA)

1. Besondere Qualifikation: (maximal 40 Punkte anrechenbar)

  • Bildung
    – Abschluss eines Hochschul- oder FH-Studiums 20punkte
    – Habilitation 40punkte
  • Letztjähriges Bruttogehalt in einer Führungsposition eines börsennotierten Unternehmens:
    – 50.000-60.000 Euro 20punkte
    – 60.000-70.000 Euro 25punkte
    über 70.000 Euro 30punkte
  • Forschungs- oder Innovationstätigkeit
    – Patentanmeldungen, Publikationen 20punkte
    – Auszeichnungen (anerkannte Preisträgerschaft) 20punkte

2. Berufserfahrung: (maximal 20 Punkte)

  • Berufserfahrung (pro Jahr) 2punkte
  • Sechsmonatige Berufserfahrung in Österreich 10punkte

3. Sprachkenntnisse: (maximal 10 Punkte)

  • Deutsch- oder Englischkenntnisse auf A1-Niveau 5punkte
  • Deutsch- oder Englischkenntnisse auf A2-Niveau 10punkte

4. Alter: (maximal 20 Punkte)

  • bis 35 Jahre 20punkte
  • bis 40 Jahre 15punkte
  • bis 45 Jahre 10punkte

5. Studium in Österreich: (maximal 10 Punkte)

  • Zweiter Studienabschnitt 5punkte
  • Erster und zweiter Studienabschnitt 10punkte

Summe der maximal anrechenbaren Punkte: 100
Erforderliche Mindestpunkteanzahl: 70

Die Rot-Weiß-Rot-Card (RWR-Card), mit der Zuwanderung neu geregelt werden soll, wird zunächst für ein Jahr ausgestellt und kann in weiterer Folge für ein weiteres Jahr, danach für drei Jahre und schließlich auf fünf Jahre verlängert werden.


Vorteile der Rot-Weiß-Rot-Karte

Die Vorteile der Rot-Weiß-Rot-Karte können wie folgt zusammengefasst werden:

  • leichterer Zugang für schwer besetzbare Positionen (aufgrund Fachkräftemangel) durch qualifizierte Zuwanderer
  • eine flexiblere Ausrichtung des Arbeitsmarktes nach dem Bedarf der Unternehmen
  • Nutzung des Potenzials von Zuwanderern die in Österreich studiert haben
  • hohe Transparenz – Zuwanderer können ihre Chancen auf Zuwanderung im Heimatland feststellen.

Die österreichischen Medien sprechen davon, dass sich der Fachkräftepool in einigen Branchen verschärft. Unternehmen können dennoch optimistisch sein, die passenden Mitarbeiter zu finden. Im nahen und fernen Ausland wie z.B. Spanien und Griechenland sind viele geeigneten Kandidaten arbeitslos. Damit ließe sich auch das europaweite Angebot/Nachfrage-Arbeitsmarkt-Dilemma ausgleichen.

Je nach Beruf und individueller Situation ist Österreich für Fachkräfte aus dem Ausland sehr attraktiv. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, ein flexibles und interessantes Arbeitsfeld, die Möglichkeit Verantwortung für einen eigenen Bereich zu übernehmen, Teilzeitmodelle und Kinderbetreuung sind mittlerweile ein zentraler Aspekt bei der Wahl eines Arbeitgebers – egal ob die Mitarbeiter aus Österreich oder dem Ausland kommen. Daneben sind der hohe Lebensstandard in Österreich, das kulturellem Angebot und die hervorragende Infrastruktur Pluspunkte für veränderungswillige Ausländer.

Die kommenden Monate/Jahre werden zeigen, ob die Bundesregierung auf die richtige Karte gesetzt hat. Ein Erleichterung für Zuzugswillige und Unternehmen stellt dieses Modell auf alle Fälle dar.

Leider ist dieses Modell in vielen Unternehmen gänzlich unbekannt. Dies zu ändern bedarf weiterer Aufklärungsarbeit durch die Wirtschaftskammer und die Bundesregierung.

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