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Sinn & Unsinn eines eigenen HR-Unternehmens-Blogs

Diesen Sommer bat mich der Chefredakteur des Karriere-Teils von „diePresse“, zum Thema „Was bringt es HR zu bloggen? (Konkret: Macht ein Personal- / Recruiting- / Employer-Branding-Blog Sinn? Warum (nicht)? Wenn ja, wie?)“. Ich dachte, ich würde die Antwort einfach aus dem Ärmel schütteln, kam allerdings schnell ins Grübeln. Und letztendlich zu einer klaren Antwort.

(Link zum Artikel in diePresse)

Gehen wir der Einfachheit halber von einem Konzern oder zumindest einem Groß-Unternehmen aus, das auf jeden Fall aus ausgereiften Abteilungen besteht (was bei KMU ja nicht zwangsläufig der Fall ist).

Sinn eines HR-Blogs

Ein Blog hat das Ziel Außenwirkung zu erzielen / ein internes Bild nach außen zu tragen. Sei es für Produktmarketing, Stakeholder-Information, Employer Branding u.v.m.

Von HR-Seite zu bloggen ist eine knifflige Sache: ein Blog an sich kostet nichts. Zumindest auf den ersten Blick. Dahinter stecken jedoch viel Zeit, Energie und das notwendige Wissen – sowohl inhaltlich-fachlich als auch das technische Hintergrundwissen und letztlich die informelle Komponente der Zielgruppenansprache. Und schon führt sich dieses „es kostet nichts“ ad absurdum.

Sinn macht ein Bog dann, wenn es hilft, die gesteckten Ziele zu erreichen (ja, das ist jetzt eine große Weisheit. Diesen Satz merke ich mir, der kann auf so ziemlich jedes Thema angewendet werden). Folglich lauten die Grundüberlegungen: welche Ziele werden verfolgt und ist ein Blog ein geeignetes Mittel, diese zu erreichen? Eine allgemeingültige Antwort ist nicht möglich, da die Ziele – und Rahmenbedingungen – zu unterschiedlich sind.

Lassen Sie mich meine Gedanken weiter ausführen, auch wenn am Ende dennoch keine glasklare Aussage erfolgen wird, so kommen wir einer Antwort doch sukzessive näher.

Fragen über Fragen

Sofern Ihnen schon mal die Idee gekommen ist, einen Blog für Ihr Unternehmen / die HR-Agenden ins Leben zu rufen, kamen Ihnen sicherlich einige Fragen in den Sinn. Ich habe noch ein paar mehr für Sie:

  • Über wie viel Fachwissen verfügt die HR-Abteilung? Sowohl in technischer als auch in inhaltlicher Hinsicht?
  • Welche Themen eignen sich, um das Unternehmen und gleichzeitig mein Thema in geeignetem Licht darzustellen?
  • Was ist mein Thema eigentlich? Externe Ziele wie Employer Branding, Recruiting, etc? Was bedeutet das konkret? Interne Ziele wie Mitarbeiterbindung, Mitarbeiterzufriedenheit, generelle interne Info,…? Oder Profilierung gegenüber der Geschäftsführung?
  • Wie viel Budget ist vorhanden, um dieses Ziel zu erreichen?
  • Ist das Commitment der Geschäftsführung vorhanden?
  • Wie viel Zeit kann und soll investiert werden? Wie / von wem soll diese Zeit erbracht werden?
  • Wer (Einzelperson oder eine Personengruppe) ist schreiberisch begabt & verfügt über ausreichend Fachwissen & hat die Kompetenz eigenständig zu schreiben & ist zeitlich ausreichend für diese Aufgabe freigespielt?
  • Muss / soll ein neuer Mitarbeiter gesucht werden, der das notwendige Wissen mitbringt? Rechnet es sich, einen zusätzlichen Mitarbeiter aufzunehmen? Rechnet es sich, dieses Wissen nicht zusätzlich „zuzukaufen“? Rechnet sich der Blog überhaupt? Muss er sich rechnen?
  • Wird Unterstützung von externen Unternehmen angedacht? Kann Kommunikation authentisch sein (und diesen Anspruch hat jeder Blog), wenn die Inhalte von Dritt-Firmen kommen?
  • Muss ev. jeder Inhalt von einer übergeordneten Instanz abgesegnet werden?
  • Wer ist die Zielgruppe des Blogs? Ist die Zielgruppe homogen genug um sie mit dem selben Inhalt anzusprechen? Ist die Interessenslage breit genug, um ein ausreichend großes Themenrepertoire anbieten zu können?
  • Wo ist diese Zielgruppe zu finden – wie kann sie erreicht werden?
  • Welche Sprache spricht die Zielgruppe? Spricht die gesamte Zielgruppe die selbe Sprache (beispielsweise zielt Employer Branding auf die gesamte Bandbreite von Lehrlingen bis Führungskräften ab – welche Sprache wird gewählt? Du oder Sie?)?
  • Wie soll der Blog aussehen?
  • Wo soll er zu finden sein – Auf der Unternehmens-Webpage? Als Karriereseite auf Facebook? Eine völlig neue URL?
  • Wie häufig möchten Sie einen neuen Beitrag online stellen? Ich würde sagen, mindestens jeden 2. Tag … haben Sie die Zeit dafür?

Gemeinsam oder lieber jeder sein eigenes Süppchen?

Das Zielgruppen-Thema und die Inhalts-Frage möchte ich noch ein wenig weiter spinnen:

Soll ich mich mit anderen Unternehmenszielen & Abteilungen zusammentun? D.h. EIN Blog für alle / mehrere Unternehmensbereiche? Ich kann jedoch nicht Aktionäre und potentielle Lehrlinge gleichzeitig ansprechen, also muss zwangsläufig eine gewisse Trennung vorgenommen werden. Wo ist die Linie zu ziehen? Sind andere Abteilungen immer mit einzubeziehen oder sollte lieber jede (Unternehmens-Kommunikation, Marketing, HR, etc.) ihr eigenes Süppchen kochen & eigene Fachleute dafür an Bord holen & selbst für Inhalt und Umsetzung verantwortlich sein?

Auf jede dieser Fragen würde ich spontan antworten „ja“ und gleichzeitig auch „nein“.

Nochmal zurück zum Sinn

Und einen letzten Gedanken ließ ich mir noch auf der Zunge zergehen: Nehmen wir an, es wird ein Blog ins Lebengerufen, das zum Ziel hat, im War for Talents eine hervorragende Employer Brand zu etablieren:

  • Welche Kosten bedeutet ein eigener Blog?
  • Auch wenn dadurch tatsächlich die gewollten Bewerber erreicht und rekrutiert werden können – wie viele Mitarbeiter werden in den nächsten x Monaten / Jahren gesucht?
  • Stehen Aufwand und Output in einem positiven Verhältnis?

Nein, ich möchte keineswegs die Gegenantwort heraufbeschwören: „so gesehen sind Employer-Branding-Maßnahmen per se zum Scheitern verurteilt, da sie Aufwand generieren, der Nutzen jedoch schwer messbar und mit Sicherheit zu hoch ist!“ Nein, DAS sage ich keineswegs. Nur ob ein Blog der richtige Weg ist, sollte gut durchdacht werden.

Fazit

Bin ich nun am Ende meiner Gedanken schlauer als zuvor? Sind Sie es am Ende des Lesens des Artikels?

Ihre Antwort müssen Sie selbst wissen – und lassen Sie mich in der Kommentar-Funktion unten bitte daran teilhaben! Ich für mich habe eine Antwort, die mich ein wenig erstaunt, da ich auf die ursprünglich gestellte Frage „Was bringt es HR zu bloggen? Macht ein HR-Blog Sinn?“ schnell & oberflächlich geantwortet hätte „Ja, schon, ist sicher spannend!“ Manchmal aber macht es tatsächlich Sinn, Antworten nicht aus dem Ärmel zu schütteln und so komme ich nach all diesen Überlegungen zu dem Fazit: Finger weg von einem eigenen HR-Blog! Welche Ziele Sie auch immer verfolgen, ein Blog ist – gut gestaltet – mit extremem Aufwand verbunden, der meist in keinem Verhältnis steht zum Nutzen. Verwenden Sie Ihre Energie lieber auf andere Maßnahmen.

Wenn Sie das Internet für Ihre Zwecke nutzen möchten, so greifen Sie doch einfach auf bestehende Blogs zurück: finden Sie heraus, wo Ihre Zielgruppe zu finden ist, identifizieren Sie relevante Blogs / Facebook-Seiten / etc und werden Sie bspw. direkt dort in der Kommentar-Funktion aktiv. Etwa die Job-Börsen selbst bloggen interessante Themen, zu denen Sie fachlich Stellung nehmen können, werfen Sie einen Blick auf die Facebook-Seite von monster.at oder den Blog von karriere.at oder gehen Sie gleich auf fachspezifische Blogs – für alle HR-Positionen sind Sie bei HRweb (Kommentar-Funktion oder HRweb-Facebook-Seite) bereits an der richtigen Adresse – und verwenden Sie diese einfach als Multiplikatoren Ihres Fachwissens.

Eine Liste von Blogs der HR-Szene, die wir von HRweb spannend finden, haben wir im Blogroll zusammengestellt! Gerne können Sie sich auch gleich direkt an uns vom HRweb wenden: office@HRweb.at

Bestehende Blogs, die bereits die richtige Zielgruppe in hoher Zahl ansprechen sind sicherlich der einfachere Weg, als selbst einen Blog auf die Beine zu stellen.

Ein „danke“ an Nikolaus Koller (Chefredakteur, Karriere, diePresse), der mich zu diesen Überlegungen verleitete!

Mag. Eva Selan, MSc | HR-Redakteurin aus Leidenschaft

Theoretischer Background: MSc in HRM & OE. Praktischer Background: HR in internationalen Konzernen und KMUs in Österreich und den USA.
Nach der Tätigkeit beim Print-Medium Magazin TRAiNiNG als Chefredakteurin, wechselte komplett in die Online-Welt und gründete Ende 2010 das HRweb.

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