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Coaching für interkulturell zusammengewürfelte Teams

Interkulturell zusammengewürfelte Teams bergen besonders spannende Situationen. Bereits im Alltag und im Ernstfall potenziere sich mitunter die diversen kulturellen Hintergründe. Kann Coaching helfen? Wann – bereits im Vorfeld oder kann es ohnehin erst im Moment des auftretenden Problems hilfreich sein?

Abgesehen von der allgemeinen Antwort „Na Coaching wird schon immer irgendwie gut sein“ möchte ich es ein wenig genauer wissen.

Worin unterscheidet sich interkulturelles Coaching von „normalem“ Coaching?

DI Elisabeth Alder (ÖAAG): Gar nicht –  und doch sehr. Menschen sind verschieden, Berufs- und Firmenkulturen sind verschieden, die Herausforderung,  damit nicht nur zurechtkommen zu müssen sondern auch daraus noch Nutzen zu ziehen, gibt es immer. Im interkulturellen Kontext treten all diese Faktoren verstärkt auf. Für den Coach ist meist die Situation gegeben, dass er in einer der Kulturen mehr zuhause ist, und daher beim Coaching interkultureller Teams ganz besonders darauf achten muss, allparteilich zu sein und zu agieren. Allparteilich bedeutet die Interessen aller zu achten und beachten. Es bedeutet, sich darüber klar zu sein, dass wenn es scheint, dass jemand sehr unverständlich und irrational handelt und spricht, er meist nach der Logik einer anderen Kultur völlig stringent handelt.
Besonders, wenn man sich im Ausland befindet ist es anzuraten statt „Die sind ja alle verrückt!“ auf die Suche nach der tieferen Wahrheit zu gehen. Durch Gespräch, Hinterfragen und Reflexion zu jenen Schichten der anderen Kultur vorzudringen, die den jeweiligen Kulturen so selbstverständlich sind, dass die Menschen gar nicht wahrnehmen können, dass man auch anders denken, urteilen und handeln kann.

Wie kann Interkulturalität  durch Coaching aktiv gewinnbringend in der Organisation eingesetzt werden?

Dr. René Reichel, MSc (Donau-Universität Krems): Durch erhöhte Aufmerksamkeit auf kulturelle Unterschiede auch unter den „Einheimischen“; durch Verringerung des Tempos in der Kommunikation.

Frank Dölker, MA (WIFI Steiermark): Interkulturell kompetentes Personal ist für Organisationen eine wichtige Voraussetzung, um sich erfolgreich den Herausforderungen der Globalisierung auf internationalen Märkten zu stellen. Auf lokaler Ebene werden Kunden, Klienten, Adressaten zunehmend kulturell vielfältiger. Globalisierung und die damit verbundenen interkulturellen Missverständnisse sind mittlerweile im Alltag von Beratung und Coaching angekommen. Interkulturelle Kompetenz im Coaching bedeutet, das Beratungssetting den Sprechgewohnheiten des Coachees noch mehr anzupassen, und sich permanent zu vergewissern, ob Verständigung stattfindet. Der  Coach ist sich dabei der Relativität des eigenen Werte- und Bezugssytems bewusst und kann schnell auf Kommunikationseigenheiten des Coachees reagieren.

Dr. Gundl Kutschera (Institut Kutschera): Ziel wäre es, dass unterschiedliche Kulturen mehr Verständnis füreinander kriegen und in Kommunikation die Unterschiede gegenseitig verständlich machen. Im Coaching werden Menschen in ihrer Kultur gestärkt, bekommen Selbstbewusstsein und können sich dann in jeder anderen Kultur und jedem anderen Unternehmen eingliedern, ohne ihr Selbstbewusstsein zu verlieren. Spüren die Mitarbeiter, dass sie in ihrer Kultur akzeptiert werden, können sie durch ihr Anderssein das Unternehmen bereichern.

Wann ist es sinnvoll, beispielsweise in einem interkulturellen Team die Kulturunterschiede zu thematisieren?

Mag. Esin Suvarierol (Systemische Lösungen): Kulturunterschiede stellen nicht an sich ein Problem dar oder eine Quelle für potenzielle Probleme. Und nicht jedes Problem in interkulturellen Teams ist auf Kulturunterschiede zurückzuführen. Durch die Ausrichtung auf die gemeinsamen Aufgaben und Ziele, also durch die Fokussierung auf das Gemeinsame und Verbindende treten die Unterschiede meist in den Hintergrund. Dort, wo Irritationen oder Probleme als Kulturunterschiede beschrieben werden, kann das im Coaching Prozess aufgegriffen und genutzt werden, um einen wertschätzenden,  zielorientierten Umgang mit Unterschiedlichkeit zu gestalten.

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Die Gesprächspartner

Dr. René Reichel, MSc
Fachbereichsleiter

Donau-Universität Krems
Department für Psychotherapie un Biopsychosoziale Gesundheit

www.donau-uni.ac.at/psymed


Frank Dölker, MA
Trainer, Berater

WIFI Steiermark

www.stmk.wifi.at


Mag. Esin Suvarierol
Geschäftsführerin

Unternehmensberatung für Systemische Lösungen

www.systemischeloesungen.at


DI Elisabeth Alder
Sektionsleiterin

ÖAGG Sektion Supervision und Coaching

www.oeagg.at/supervision


Dr. Gundl Kutschera
Unternehmensleiterin, Lehrtrainerin

Institut Kutschers GmbH

www.kutschera.org


Interview durchgeführt von

Autor Selan Eva

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


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