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PoP 2013 – Power of People – Tag 1

Veranstaltungs-Bericht

PoP 2013 – Power of People, Business Circle, 18-19apr2013
TAG 1 (Veranstaltungs-Bericht Tag 2)

PoP 2013 - Power of People

Fachveranstaltungen gibt es viele für Personalisten. Die PoP – Power of People von Business Circle – zählt dabei mit Sicherheit zu den Highlights des personalistischen Jahreszyklus. Und der bisher wärmste Tag des Jahres hat die Konferenz sonnig begleitet. Ein Konferenzbericht von Tag 1 der PoP 2013.

Die PoP zählt für viele Personalisten zu einem der Jahreshöhepunkte – nicht nur der fachlichen Schwerpunkte wegen. Auch das Rahmenprogramm am Neusiedlersee, die betont lockere Atmosphäre und so manches interaktive Element tun das Ihrige dazu.

Jubiläums PoP

Im heurigen Jahr feiert die PoP ihren 10. Geburtstag und das mit Besucherrekord (rund 220 Teilnehmer). Unter dem Themenmotto „HR now –  Heute mit der Gestaltung der Zukunft beginnen“ zieht sich ein roter Faden durch das Programm, das sich neben der Rolle der Personalabteilung im strategisch-gestalterischen Wandel von Organisationen bis hin zu demographischen- und sozialpolitischen Verschiebungen am Arbeitsmarkt befasst. So ziemlich jedes aktuell diskutierte Thema wird dabei gestreift. Auf sehr hochwertige Art und Weise, wie mein eigener Eindruck und die Pausengespräche mit Kollegen belegen.

Eröffnungsvortrag

Den Start in den Tag bilden zwei Vorträge die sich von sehr unterschiedlichen Seiten dem Thema „Wandel“ und „Rolle der HR“ nähern. Zunächst eröffnet Prof. Helmut Kaspar (seines Zeichens auch fachlicher Leiter der PoP) mit einem Vortrag der die Eckpunkte des Wandels in der modernen Arbeitswelt skizziert. Er bringt es auf eine Formel: Die Welt wird „VUCA“ – das Akronym steht für „volatility – uncertainty – complexity – ambiguity“. Die Welt wird vielschichtiger, komplexer, flüchtiger und in vielen Dingen unberechenbarer. Was gestern funktioniert hat muss morgen schon nicht mehr funktionieren. Mitarbeiter leben und arbeiten in dieser schönen neuen Welt – Personalisten gestalten in dieser Realität die Spielregeln und den Kontext in dem Arbeit passiert. Womit Prof. Kaspar auch eine der Hauptaufgaben von HR umreißt: in einer Welt die nach neuen Regeln funktioniert die Spielfeldränder zu ziehen und für bestmögliche Rahmenbedingungen zu sorgen.

Dass die PoP aber nicht nur um die HR-Perspektive bemüht, merkt man im zweiten Eröffnungsvortrag. Dr. Andreas Bierwirth (CEO von T-Mobile) erläutert humorvoll und einnehmend wie Geschäftsführung und Personalabteilung optimal zusammenarbeiten können. Und müssen, um gemeinsam erfolgreich zu sein. Er sieht die Schnittmenge dort von ein CEO die Strategie in den Köpfen und Herzen der Mitarbeiter verankern möchte und HR benötigt, um die richtigen Mitarbeiter zu finden und zu binden. Ein Vortrag der nicht nur unter den anwesenden Personalisten mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurde.

Foto: Prof. Helmut Kasper (WU Wien), Romy Faisst (Business Circle), Karin Bauer (derStandard), Dr. Andreas Bierwirth (T Mobile). Quelle: Business Circle

Interaktion in der Tennishalle

Die PoP-Veteranen wissen: traditionell hat man die Möglichkeit am ersten Tag in der Tennishalle des Tagungshotels auch Großgruppenmethoden hautnah zu erleben. Diesmal haben die Teilnehmer einen Ausflug in die Welt der Schwarmintelligenz gewagt. Was Schwarmintelligenz bedeutet, wurde zunächst in einem bildgewaltigen Film anhand von Fischschwärmen gezeigt, die synchron aber ohne Absprache agieren. Was Schwarmintelligenz in der Praxis bedeutet, konnte später in Form einer Computersimulation erleben, in der alle Teilnehmer gemeinsam ein Flugzeug fliegen. Eine Gruppe das Höhenruder, eine zweite Gruppe das Seitenruder – links/rechts bzw. hoch/nieder alleine durch das Hochhalten von rot-grün-reflektierenden Karten. Ein Computersystem liest die Lichtreflexe der Karten über Kameras ab und führt aus, was der PoP-Schwarm mehrheitlich entscheidet. Und obwohl noch kein anwesender jemals ein Flugzeug geflogen hat, steuern es alle Anwesenden so treffsicher, dass in der Simulation sogar Hindernisse erfolgreich umflogen werden. Es blieb so manches Aha-Erlebnis zurück und Einblicke in eine Intervention, die sehr gut für Firmenklausuren geeignet scheint. (Quelle Foto: Business Circle)

Arbeitsmarkt im Wandel

Der Nachmittag stand im Zeichen des Wandels am Arbeitsmarkt. Neben Beratungsprofis wie Gundi Wentner, Arbeitsmarktexperten wie Dr. Kopf (AMS Vorstand) kamen auch Personal-Praktiker von Red Bull oder Uni Credit Bank Austria zu Wort. Eine gelungene Mischung aus Vortrag, Gruppendiskussion unter den Teilnehmern und moderierter Podiumsdiskussion. Mit so manch überraschendem oder kontroversiellen Beitrag.

Was ich mit überraschend meine? Laut einer Deloitte-Studie zeigt sich jeder dritte Arbeitnehmer, der weniger als 2 Jahre in einem Unternehmen ist, als deutlich wechselwillig. Das Risikopotenzial, das unter diesen Personen schlummert, ist vielen Unternehmen nicht bewusst. Besonders wechselwillig dabei die sogenannte Generation Y, die jungen Berufstätigen die auf keine lineare Karriere in nur einem Unternehmen mehr bauen, wie es vielleicht noch deren Eltern getan haben. Die Hauptfaktoren für Wechselbereitschaft zeigt die Studie auch klar auf: Fehlende Karrieremöglichkeiten, fehlende Herausforderungen, Unzufriedenheit mit dem Gehalt und mit dem eigenen Vorgesetzten. Der Ernst der Lage ist aber nicht zu verkennen, immerhin beziffert Deloitte die Fluktuationskosten bei Verlust eines qualifizierten Mitarbeiters mit 2-3 Jahresgehältern.

Was kontroversiell diskutiert wurde? Demographische Verschiebungen sind schon lange Realität und viele Unternehmen denken über Anpassungsbedarf der eigenen Strukturen nach. Die Notwendigkeit lebenslang zu Lernen betont dabei auch Dr. Kopf vom AMS. Sehr spannend zu sehen war aber, dass zu vielen Demographie-Themen Vorurteile bestehen und Klischees aufeinander prallen. Von „Ältere sind nicht mehr leistungsfähig“ bis „Junge sind nicht mehr leitungsbereit“ spannt sich ein breiter Kanon an diffusen Wahrnehmungen. Einigung wurde keine erzielt – aber anhand einiger Entwicklungslinien nochmal anschaulich dargelegt, dass Unternehmen umdenken werden müssen. Auch ein 50-Jähriger der sich auf Trainee-Programm bewirbt ist vielleicht in naher Zukunft keine Seltenheit mehr.

Abendausklang

Der Abend endete – wie sollte es anders sein – mit dem traditionellen Essen der Konferenzteilnehmer im nahen Restaurant Katamaran mit malerischem Blick auf den See. Der Abend und das Netzwerk konnten also ihren Lauf nehmen. Man darf gespannt sein auf den zweiten Konferenztag!


Gleich den Termin für die PoP 2014 reservieren: 10-11april2014

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3 Kommentrare

  1. Eva SELAN am

    Danke, Gerd, für den Veranstaltungs-Bericht. Insgesamt sind 5 HRweb-Autoren anwesend, ich eingeschlossen. Ich möchte 2 Ideen beisteuern, die heute hinsichtlich Einflussfaktoren für eine erfolgreiche Karriere fielen:

    • Prof. Helmut Kasper über die neue Art der Diskriminierung: in Bezug auf erfolgreiche Karriere (Recruiting & Aufstieg) steht der Body Mass Index an 2. Stelle – wer klein ist, hat Pech; wer dick ist, die/der ist schuldig.
    • Dr. Andreas Bierwirth griff das Thema auf und ergänzte: er erlebte in mehreren Unternehmen, dass sich in der Führungsebene gemeinsame Hobbys finden – zB 4 Vorstands-Mitglieder laufen Marathon und in den unteren Führungsebenen bereiten sich ebenfalls 35% auf den nächsten Marathon vor. In wie fern das karrierefördernd ist, bleibt offen

  2. Gerd beidernikl am

    Stimmt! Eine sehr spannende Ergänzung. Danke.

    Wie das Beispiel mit dem BMI fiel, ist wirklich ein kurzes Raunen durch das Publikum gegangen. Viele haben wohl aus eigener Erfahrung zustimmen können. Ein stückweit schockierend ist es dennoch oder gerade deshalb!

  3. Hermann Pavelka-Denk am

    Ich fand die Diskussionen zum Thema altern und den Umgang mit den älteren Dienstnehmern sehr spannend. Das ernüchternde Ergebnis war leider, dass vorrangig die Unternehmen noch nicht darauf eingestellt sind die Talente und Leistungsfelder der älteren Mitarbeiter zu erkennen und zu fördern.

    Auch interessant war, dass die größten Herausforderungen für die älteren Mitarbeiter, der Wille zur Weiterbildung und das Annehmen neuer Technologien und Kommunikationsformen sind.

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