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Mentales Jogging für erfahrene Führungskräfte

Erfahrene Führungskräfte dürfen sich – natürlich – nicht auf ihren Lorbeeren oder auch nur auf ihrem Chefsessel ausruhen. Ich liebe das Gehirn-joggende Bild dieser HRweb-Serie. Doch es geht nicht nur um schneller, mehr, um kognitive Höchstleistungen, sondern um die kontinuierliche Weiterentwicklung und manchmal auch um die stille Selbstreflexion.

Bitte zum Interview, liebe Führungskräfte-Ausbildner: Welche Inhalte / Themen sollten auch von erfahrenen Führungskräften regelmäßig und wiederholt besucht werden?

 

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An welchen Inhalten sollten erfahrene Führungskräfte konkret arbeiten?

Herwig Arlt, MAS (Hernstein): Hier kann ich eigentlich nur aus unserer täglichen Erfahrung berichten: Im offenen Trainingsbereich sind die klassischen Managementthemen und vor allem Persönlichkeitsentwickelnde Maßnahmen sehr gefragt. Gearbeitet wird vor allem an den persönlichen Einstellungen und Haltungen, um mit der Komplexität und Widersprüchlichkeit in Unternehmen und den hohen Anforderungen besser umgehen zu können. Besondere Nachfrage gibt es nach den Themen: Gruppendynamik, Kommunikation, Führen ohne Vorgesetztenfunktion, Führen im Mittleren Management, Grundlagen von Führung und Kommunikation.

Dr. Herbert Strobl, MC (coaching & consulting mit system): Je komplexer und schneller die Geschäftswelt wird, desto wichtiger werden neue Führungs- und Organisationsmodelle. Stärkung der Selbstorganisationsfähigkeit, Umgehen mit steigender Entscheidungsunsicherheit und Ambivalenzen seien nur als einige Elemente genannt. All das ist eingebettet in das Paradigma der jeweiligen Firmen- bzw. Abteilungskultur und Kultur ist letztlich der Kitt, der eine Organisation zusammenhält. Führungskräfte sind gut beraten an der eigenen Unternehmenskultur aktiv zu arbeiten und das Thema ernst zu nehmen. Allerdings heißt es nicht umsonst „the hard facts are easy, but the soft facts are hard“. Auch erfahrene Führungskräfte müssen erst lernen, wie man die meist nur gespürte Unternehmenskultur auf eine besprechbare Ebene bringen kann. Nur wenn ein interner Diskurs über die Wesenszüge der eigenen Kultur möglich wird, besteht eine Chance auf zielgerichtete Gestaltung, die auch von der Organisation angenommen wird.

Mag. Eva Novak (Berlitz Austria): Es stellt sich zuerst die für den Arbeitgeber nicht immer ganz angenehme Frage: Ist die Führungskraft in ihrer Funktion erfahren an Dienstjahren oder auch an Fachwissen über Führungstechniken, Werkzeuge, etc? Es wird zielführend sein, die oft immensen Erfahrungswerte der Teilnehmenden als wertvolle Basis in die Trainingsmethodik miteinzubeziehen. Verfügen erfahrene Führungskräfte über das notwendige Fachwissen, wird sich eher anlassfallbezogen Auffrischungsbedarf zeigen. So ist oft in bestimmten Situationen erkennbar, dass sich langsam weniger optimale Muster einschleichen oder Aufgaben zunehmend vernachlässigt oder überhaupt weggelassen werden. Hier empfiehlt sich dann meist ein punktgenaues, individuelles Coaching. Jedenfalls sollten erfahrenen Führungskräften Leitfäden, Vorlagen und  Arbeitsmittel zur Verfügung stehen, die sie regelmäßig eigenverantwortlich verwenden können und somit die Qualität ihrer Führungsarbeit möglichst langfristig gewährleistet wird.

Dr. Clemens Widhalm (Dale Carnegie Austria): Sensibilität in Bezug auf das Wertesystem der eigenen Mitarbeiter, Gestaltung einer Engagement-Kultur, Förderung einer Performance-Kultur, Coaching und Umgang mit Fehlern, aber auch die Besinnung auf die eigenen Prioritäten. Ein Schlüssel liegt im ehrlichen Interesse an der Person des Mitarbeiters und seiner Interessen – eine Grundlage, die immer wieder der Erinnerung und Pflege bedarf. Denn nur so werden Mitarbeiter gewonnen, die langfristig wirklich engagiert sind und Höchstleistungen bringen wollen. Gerade erfahrene Führungskräfte geraten oft in Routinen, wo dieser Aspekt dann zu kurz kommt.

Wie sieht es mit Selbstreflexion und Motivation aus?

Mag. Barbara Halapier (ÖPWZ): Jede Führungsaufgabe bringt nicht immer nur Erfolgserlebnisse, sondern auch Frustration und Misserfolg. Deshalb ist das Thema Selbstmotivation und Selbstcoaching wichtig. Die Fähigkeit, sich selbst zu motivieren und seine Ressourcen wieder zu aktivieren, sollte regelmäßig trainiert werden. Dazu gehören auch Strategien der Work-Life-Balance. Wieder einmal in sich hineinzuhören und ausreichend Freiräume zu schaffen, muss schon von Zeit zu Zeit sein, um langfristig gesund und leistungsfähig zu bleiben.

Anna Zambelli (Business Circle): Erfahrene Führungskräfte suchen den Spiegel und das Feedback. Was mache ich richtig? Was sind meine Muster und Lernfelder? Wie authentisch bin ich? Wie stärke ich mein Profil und wie nutze ich Macht? Sie wollen sichern, bewegen und wachsen. Hinzu kommen fachliche Schwerpunkte aus dem Bereich strategisches Denken & Handeln wie auch gezielte Fachinformationen.

Dr. Werner Vogelauer (Trigon-Entwickungsberatung): Selbstreflexion und innere “kritische“ Haltung, entwicklungs- und veränderungsorientierte Haltung, Umfeld-Blick und Komplexitätsbewältigung in Veränderungsprozessen.


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Die Gesprächspartner

Mag. Eva Novak
HR Manager

Berlitz Austria GmbH

www.berlitz.at

Unternehmens-Profil | Berlitz


Anna Zambelli
Partnerin

Business Circle
Management Fortbildungs GmbH

www.businesscircle.at

Unternehmens-Profil | Business Circle


Dr. Clemens Widhalm
Geschäftsführer Business Development

Dale Carnegie Austria

www.dale-carnegie.at

Unternehmens-Profil | Dale Carnegie


Herwig Arlt, MAS
Interimistischer Institutsleiter

Hernstein Institut
für Management und Leadership

www.hernstein.at


Dr. Herbert Strobl
Inhaber

coaching & consulting mit system

www.herbertstrobl.cc


Dr. Werner Vogelauer
Unternehmensberater, Gründungsmitglied

Trigon-Entwicklungsberatung

www.trigon.at


Mag. Barbara Halapier

ÖPWZ – Österreichisches Produktivitäts- und Wirtschaftlichkeits-Zentrum


Interview durchgeführt von

Autor Selan Eva

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


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