HRweb | Die erfrischende Plattform für Human Resources

Neue Trainer-Kompetenzen | Digitalisierung & Co für junge (und alteingesessene) Trainer

Neue Herausforderungen am Weiterbildungsmarkt ziehen unweigerlich die Notwendigkeit von entsprechenden Kompetenzen der Trainer nach sich. Welches sind „die notwenigen Kompetenzen“? Wie werden sie erlernt? Ein Experten-Interview.

 

 



 

Welche neuen Kompetenzen sind Trainer dadurch gefordert zu erlernen? Und: wie können diese erlernt werden?

Eva-Maria Kraus (Newview): Jene die noch keine Live-Online Seminare oder Blended-Learning Konzepte erstellt hatten, mussten sich sicherlich in diesem Bereich weiterentwickeln. Einige haben dies durch Tutorials gemacht. Ich habe mehrere Ausbildungen gleich zu Beginn der Pandemie absolviert, um möglichst schnell fit zu werden. Das Wissen der Transferforschung war sehr hilfreich, um auch virtuelle Trainingsformate zielführend und praxisorientiert zu gestalten.
Die anfängliche Skepsis, ob virtuelle Formate wirklich funktionieren können, ist einer klaren Haltung gewichen, dass es in vielen Bereichen durchaus sinnvoll ist, online zu trainieren.
Aber ich bin auch sehr ehrlich: in einigen Bereichen gibt es Grenzen, wo einfach Menschen miteinander in einem echten Raum sein müssen, damit der Umgang mit Menschen im echten Raum (im Seminarkontext) auch erlernt werden kann. Ich freue mich, wenn wir in einer guten und gezielt abgestimmten Mischung das Beste aus beiden Welten vereinen können.

Corinna Ladinig, MBA (CTC Aademy): Es sind nun neben den inhaltlichen Kompetenzen auch Kompetenzen und Wissen in technischen Belangen gefragt, passende Tools, Lernplattformen etc. Außerdem kann ein Präsenztraining nicht 1:1 in den Online-Modus konvertiert werden. Die Trainer mussten sich mit Online-Didaktik und Methodik auseinandersetzen und in ihr Trainingsrepertoire aufnehmen.
Erlernt wurde das durch eigene Teilnahme an Online-Angeboten, bei denen man sah, was funktioniert und was eher nicht funktioniert, Besprechung mit Kollegen und Erprobung von entdeckten Tools. Im Laufe der Zeit entstanden auch spezielle Weiterbildungen.

Michaela Baumgartner (Group Austria): Wir sehen die Chancen darin, dass Trainer die große Bandbreite an Medien und Umgebungen mehr nutzen werden und dies auch tun müssen. Das traditionelle Trainerprofil und Einsatzgebiet wird nicht mehr nur in einem Seminarraum mit 2 -3 Medien liegen, sondern im virtuellen Raum, der durch Meetingsoftware und Break Rooms gezeichnet ist. Es wird daher erforderlich sein, die Werkzeuge des klassischen Trainings in den virtuellen Raum zu übersetzen. Unserer Meinung nach, werden Trainer unabhängiger und selbstbestimmter Lern- und Bildungsangebote aufstellen. Eine anerkannte Ausbildung als zertifizierter Trainer sollte daher die traditionellen Inhalte im virtuellen Raum zeigen können und vermitteln. Daher ist das Üben und Anwenden im virtuellen Raum absolut notwendig.

Mag. Susanne Riegler (WIFI Wien): Trainer müssen nicht nur in der Lage sein, Präsenzveranstaltungen methodisch und didaktisch aufzubereiten. Sie müssen auch Lernsettings in Onlinetrainings umsetzen können. Neben Basiskompetenzen im Bereich IT-Sicherheit und dem Umgang mit gängigen Plattformen (Teams, Webex, Gotowebinar, Zoom, etc.) ist die Bereitschaft, sich mit Onlinetools auseinanderzusetzen und diese sinnstiftend in das Lernkonzept einzubauen, unumgänglich. Grundlegende didaktische Erfolgskonzepte müssen auch bei Distance Learning Berücksichtigung finden. Der interaktive Aufbau und der lernerzentrierte Zugang sollten im Fokus der Vorbereitung und Umsetzung stehen. Kollaboration, ein gemeinsames Gruppenerlebnis schaffen, muss trotz Entfernung möglich sein. Dieses neue und zu erwerbende Know-how können sich Trainer in Schulungen, in guten Onlinetutorials oder beim Erfahrungsaustausch mit Kollegen aneignen.

Irina Fischelmaier (HeartBeat): Gerade im Trainingsbereich der Persönlichkeitsentwicklung und Selbst- und Sozialkompetenz können Seminardesigns und Formate nicht 1:1 auf online umgelegt werden. Es bedarf einer klaren Neu-Planung und Konzeption – sowohl was Ziele und Inhalte, aber besonders Didaktik und Methodik betrifft. Dadurch, dass es auch am Markt nur eingeschränkt Erfahrung mit Online-Live-Trainings (klarer Unterschied zu Webinaren!) gab, war und ist es auch sehr spannend und lustvoll für uns, Neues zu entwickeln, zu experimentieren und Erfahrungen zu sammeln.
Die zentralen Themen neben der Technik und den Tools sind: wie kann ich die Themen auch im virtuellen Raum erlebbar machen und Erfahrungslernen schaffen?

Mag. Sabine Prohaska (seminar consult): Generell brauchen alle Trainer eine höhere Digitalkompetenz als in der Vor-Corona-Zeit. Sie müssen nicht nur lernen, Online-Trainings bzw. digitale Personalentwicklungsangebote professionell zu planen, zu konzipieren und zu realisieren, sondern auch hybride Trainings- und PE-Konzepte zu schmieden. Sie müssen – bedarfs- und zielorientiert – die klassischen Präsenzangebote und die digitalen Lehr- und Lernformen miteinander verknüpfen. Denn solchen hybriden Konzepten gehört, so meine These, die Zukunft.
Hierfür müssen sich die Trainer nicht nur u.a. im Digitalbereich weiterbilden, sie müssen auch – Learning by doing – die nötige Praxiserfahrung sammeln, damit bei ihnen auch im Online-Trainingsbereich die nötige Handlungssicherheit entsteht, die Trainer bei ihrer Arbeit brauchen.

Welche speziellen Angebote haben Sie infolgedessen in Ihrem Programm?

Ja, hier muss es nicht mehr rein fachlich bleiben. Hier dürfen die Anbieter auch werblich antworten ganz konkret über Ihre großartigen Inhalte erzählen.

Irina Fischelmaier (HeartBeat): Unser Team hat sich sehr rasch auf das Neuland „Online Live Trainings“ eingelassen, und sehr viele wertvolle Erfahrungen mit Trainings im virtuellen Raum gesammelt. Wir stehen im ständigen Methoden-Austausch und so wächst der „Digitale Werkzeugkoffer“ und die Lessons learned permanent.
Es muss nicht jeder das Rad selber neu erfinden und über die gleichen Stolpersteine fallen! Auf Anfrage unserer Kunden und der Teilnehmenden der derzeit laufenden HeartBeat-TrainerInnenausbildung haben wir einen Train the Trainer Workshop kreiert, in dem wir unseren Erfahrungsschatz zur Verfügung stellen – von der Planung bis zur Durchführung von Online-Live-Trainings, Umgang mit Technik und kreativen Methoden.

Mag. Sabine Prohaska (seminar consult): Wir haben neben kurzen kompakten Online-Seminaren wie dem Digitalen Methodenkoffer (zwei mal 90 Minuten) oder der zweistündigen Online-Veranstaltung „Der Faktor Mensch im virtuellen Raum“ auch vertiefende Angebote. Dazu zählt der Kompaktlehrgang zum Online-Trainer, der aus zwei Modulen und einer DigiWerkstatt zum Üben besteht. Für jene, die sich noch fundierter mit dem Thema digitales Lehren und Lernen auseinandersetzen wollen haben wir die Blended Learning Trainerausbildung. Hier arbeiten wir in unterschiedlichen Webinarplattformen, nutzen eine Lernplattform für PreWork- und Follow Up-Phasen und vertiefen das Thema der Konzeptionierung von wirksamen Lernarchitekturen.

Corinna Ladinig, MBA (CTC Aademy): Wir haben einen Lehrgang zum Blended-Learning & Online Trainer entwickelt in dem man Online Didaktik und Online Methodik lernen und erproben kann. Am Ende des Lehrgang hat man dann ein komplettes Online-Seminardesign inkl. Erprobung in der Gruppe.

Eva-Maria Kraus (Newview): Wir haben unsere Train the Expert Ausbildung nun so ausgerichtet, dass jeder, der die Trainerausbildung bei uns absolviert, sowohl Online als auch Offline Trainer-Skills hat. Ich bin überzeugt, dass es zukünftig beide Skills braucht und auf diese Situation sind wir vorbereitet. Für alle Trainer, die bereits aktiv sind, gibt es eine kürzere „Upgrate“ Ausbildung, die fokussiert auf Methodik, Didaktik und Umsetzung von Live-Online Trainings sowie Blended-Learning Konzepten setzt. Zukünftig wird der Markt von guten Trainern das Arbeiten in beiden Welten erwarten. Eine harmonische Abstimmung der beiden Bereiche muss in der Konzeptionsarbeit ineinander fließen und ein großes, transferwirksames Ganzes ergeben.

Mag. Susanne Riegler (WIFI Wien): Das WIFI Wien hat rasch reagiert und webseminarerfahrene Trainer eingeladen, Kurzworkshops für andere Trainer abzuhalten. Die Schulungen der Programme und die Weitergabe von Tipps und Tricks helfen den Trainern, sich weniger um die Technik und wieder mehr um Inhalt und Didaktik kümmern zu können. Die Trainerakademie, bei der auch schon vor der Pandemie Lernen in Präsenz und online thematisiert wurde, verstärkt das Angebot im Herbst noch weiter in Hinblick auf die Unterstützung bei der didaktischen Umsetzung und der Bereitstellung eines Methoden Pools, der (auch) online gut funktioniert. In Workshops wird es die Möglichkeit geben, mit Experten einen kritischen Blick auf die eigene Planung zu werfen, denn Präsenzseminare können natürlich nicht 1:1 online durchgeführt werden.

Michaela Baumgartner (Group Austria): Wir bieten unsere Trainer-Ausbildung im virtuellen Raum an, sodass die Teilnehmer direkt am Modell lernen und üben können. Zudem haben wir einen Schwerpunkt im Angebot, der die Grundlagen des Online Trainings vertieft: hier kommen dann z.B: Kompetenzen wie das Arbeiten mit LMS (LernManangementSystemen) und Produktivität hinzu.

 



Die Gesprächspartner

 


Corinna Ladinig, MBA
Geschäftsführerin & Inhaberin

CTC Academy OG

www.ctc-academy.at

Unternehmens-Profil


Mag. Sabine Prohaska
Eigentümerin

seminar consult prohaska

www.seminarconsult.at

Unternehmens-Profil


Irina Simone Fischelmaier
Trainerin

HeartBeat GmbH

www.HeartBeat.co.at

Unternehmens-Profil


Eva-Maria Kraus
Inhaberin, Trainerin

NewView

www.NewView.at

Unternehmens-Profil


Michaela Baumgartner
Geschäftsführerin

Group Austria – besser leben mit Bildung

www.web-seminar.at

Unternehmens-Profil


Mag. Susanne Riegler

WIFI Wien


Interview durchgeführt von

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.