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Traineeprogramm 45+ gegen den Fachkräftemangel

In fast allen großen Unternehmen gibt es sie. Auf Karrieremessen und in den verschiedenen Medien werden sie massiv beworben. Karriere-Turbo, Pflicht-Einstieg, Spitzenausbildung sind nur ein paar Synonyme für sie: Traineeprogramme. Meist richten sie sich an junge, aufstrebende und qualifizierte Hochschulabsolventen. Fast alle Unternehmen jammern aber auch, sie bekämen derlei zu wenige Bewerbungen. Dabei ist der Markt doch groß genug. Man muss nur seinen Suchradius erweitern. Zum Beispiel auf neue Mitarbeiter im besten Alter.

Der Jugendwahn und seine Grenzen

Im Kampf um die besten Talente unter den Jungen scheinen Unternehmen bereit zu sein, fast alles zu tun. Schon Lehrlinge werden mit Traumgagen und Notebooks gelockt, Studienabsolventen das Blaue vom Himmel versprochen. Und doch folgt oft der rasche Absturz, wenn ein gloriöses Traineeprogramm in einer knallharten Arbeitsrealität sein Ende findet. Nicht wenige Unternehmen beklagen die Drop-out-Rate unter den Traineeprogramm-Absolventen.

Angesichts der demografischen Entwicklung braucht es scheinbar neue Wege, um den eigenen Bedarf an geeigneten Mitarbeitern zu sättigen. Erste Unternehmen machen hier vorsichtigen Vorstösse und adressieren bewusst eine Zielgruppe, die bislang wenig adressiert wurde und die immer noch in den Arbeitslosenstatistiken hinten an steht: Mitarbeiter im besten Alter, Wiedereinsteiger, Spätberufene.

Das „Senior Traineeprogramm“ als Zukunftsinstrument

Eine Antwort auf die oben beschriebenen Entwicklungen ist die gezielte Ansprache dieser neuen Zielgruppen. In Zeiten, in denen Menschen mobiler werden und auch eher bereit sind, sich in der Lebensmitte nochmals dafür entscheiden, etwas ganz anderes zu tun, ergibt sich hier ein unheimlich großes Potenzial an möglichen Mitarbeitern.

Ein Einstiegsprogramm für Mitarbeiter, die nicht dem Ideal der aufstrebenden Hochschulabsolventen entsprechen, ist leichter gestaltbar als gedacht. Gemacht hat dies beispielweise das Deutsche Chemieunternehmen Lanxess. In seinem eigens ausgeschriebenen Senior Traineeprogramm spricht das Unternehmen gezielt Wiedereinsteiger an, Menschen die mehrere Jahre nicht im Job waren.

Geboten werden eine 18-monatige Ausbildung, die ganz dem Stil üblicher Traineeprogramme ähneln. Seminare, Kurse, On-the-job-Abgebote, begleitet von Mentoren aus dem Haus. Nach Absolvierung ist der Einsatz in einem vorher definierten Bereich sicher.

Natürlich richtet sich auch dieses Programm an Kandidaten mit einem entsprechenden Studienabschluss und dennoch eröffnen sich über die Ausweitung auf Wiedereinsteiger für das Unternehmen ungeahnte Möglichkeiten. 200 Bewerbungen hat man für die 14 Stellen erhalten. 13 Frauen und ein Mann wurden eingestellt, ist zu hören.

Auch in anderen Branchen, etwa dem Handel, der Finanzbranche oder weiteren kundennahen Bereichen wäre ein Traineeprogramm für 45+ oder für Wiedereinsteiger ein Leichtes! Diese Betriebe sind üblicherweise Experten in der Ausbildung neuer Mitarbeiter. Es genügt, den Fokus etwas zu verändern, neue Lernmethoden zuzulassen und schon kann es losgehen.

Neue Zielgruppen ansprechen als Teil nachhaltigen Personalmanagements

Im Sinne eines nachhaltigen Personalmanagements, das sich gezielt mit den Zukunftsthemen im Bereich der Humanen Ressourcen beschäftigt, ist besonders das Adressieren von Wiedereinsteigern, aber auch Menschen mit Behinderung, mit Migrationshintergrund oder der „älteren Semester“ ein zentraler Baustein zur Lösung der bevorstehenden Probleme.

Aber auch im Thema des diskriminierungsfreien Recruitings und dem Erschließen neuer Märkte, haben Unternehmen, die sich gezielt neuen Bewerbergruppen zuwenden, Vorteile.

Kulturell muss natürlich im Haus auch gearbeitet werden. Maßnahmen wie das Senior Traineeprogramm brauchen entsprechende Unterstützung auf kommunikativer Ebene. Allen voran müssen Führungskräfte sensibilisiert, geschult und vor allem auf die Veränderungen eingeschworen werden. Nur so gelingt ein reibungsloser Ablauf.

Aber es zahlt sich aus, den Mut aufzubringen und neue Wege zu gehen. Noch sind derlei Aktivitäten in Österreich mehr als dünn gesäht. Unternehmen, die hier jetzt Maßnahmen setzen, sind auch langfristig im Vorteil!

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2 Kommentrare

  1. Catrin am

    hi Peter,

    wiedermal ein gelungener Artikel. Aufmachen, den Horizont erweitern und sehen, dass doch so viel ungenütztes Arbeitspotential sehr wohl vorhanden ist.

    Liebe Grüße

    Catrin Trajkovski

  2. Peter RIEDER am

    Hallo Catrin,

    vielen Dank für die Blumen. Ich bemühe mich sehr, mit meinen Artikeln das Querdenken anzuregen. Freut mich, wenn das ankommt!

    Liebe Grüße,
    Peter

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