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Betriebliche Kinderbetreuung – Lösungen & Illusionen

Nicht selten werde ich in meiner Arbeit mit Unternehmen im Rahmen des Audit berufundfamilie mit der Frage der Kinderbetreuung im Betrieb konfrontiert. Zahlreiche Unternehmen träumen von einer solchen Lösung, nur wenige setzen diese auch um. Dabei geht es nicht immer darum, den eigenen Kindergarten ins Haus zu bauen, sondern viel mehr sind flexible Lösungen gefragt, mit denen der Arbeitgeber den Mitarbeitern unter die Arme greift.

Von der Realität der betrieblichen Kinderbetreuung

Eine Möglichkeit, Kinder der Mitarbeiter im Betrieb betreut zu haben, gehört zu den Vorzeigebeispielen von gelebter Familienfreundlichkeit. Auch aufgrund des Mangels an öffentlichen Plätzen hegt die Politik immer wieder den Wunsch, dass Unternehmen auch hier aktiv werden. Und einige tun es auch, wenngleich es nicht so viele sind, wie man meinen möchte.

Das Österreichische Institut für Familienforschung hat 2010 die Betriebliche Betreuungssituation erhoben. Damals gab es österreichweit 158 Einrichtungen, davon alleine 54 in Wien. Seither ist aber einiges geschehen und so können wir heute schon auf eine höhere Zahl blicken.

Der Weg zum Betriebskindergarten ist aber vielfach ein Steiniger. Oft wird der Wunsch gehegt, einen solchen zu schaffender Aufwand und Bedarf aber häufig nicht richtig eingeschätzt.

Der überwiegende Teil der Betriebskindergärten in Österreich werden von externen Trägern, wie etwa Kinder in Wien oder den Kinderfreunden betrieben. Diese Organisationen haben sehr viel Erfahrung in der Schaffung von Betriebskindergärten und können hier gut unterstützen. Aber immerhin ein Viertel der in Österreich angebotenen Betriebskindergärten wird von den Unternehmen selbst geführt.

Erst heuer in Betrieb gegangen ist der Betriebskindergarten der Raiffeisen-Holding, die diesen im neuen Raiffeisenhaus am Donaukanal betreibt. Dieser steht Mitarbeitern der ansässigen Tochterunternehmen genauso zur Verfügung wie externen Bewohnern aus der Gegend und bietet in der Endausbaustufe 2015 Platz für 84 Kinder von 1 bis 6 Jahren. Derzeit werden in der Einrichtung rund 50 Kinder betreut – der Großteil davon unter 3-jährige. Hier wird der enorme Bedarf an Betreuungsplätzen für diese Gruppe sichtbar.

Es muss nicht immer der Kindergarten sein

Viele Unternehmen stellen bei einer genaueren Analyse fest, dass ein Kindergarten aufgrund der Betriebsgröße wirtschaftlich kaum machbar ist. Es benötigt eine große Zahl potenzieller Kinder, um einen solchen füllen zu können. Auch in der Raiffeisen-Holding hat man diese Erfahrung gemacht und den Kindergarten daher für die Öffentlichkeit geöffnet.

Fragt man aber Eltern, dann ist es zumeist nicht die Regelbetreuung, die Eltern Kopfzerbrechen bereitet. Vielmehr sind es die Ferienzeiten, die Fenstertage und andere Problemtage, wie etwa Landesfeiertage.

Doch auch hier gibt es bereits zahlreiche flexible Lösungen und Unternehmen, die vorzeigen, wie es geht. Eines davon ist die Allianz Versicherung. Das Unternehmen bietet in seinem Standort am Hietzinger Kai in den Semester- und Osterferien, an Fenstertagen sowie in den ersten und letzten beiden Sommerferienwochen Kinderbetreuung an. Mit vollem Erfolg.

In den Ferienwochen werden im „Kids Corner“ jeweils unterschiedliche Schwerpunkte angeboten, jede Woche hat ein eigenes Thema. Zusätzlich findet ein Teil der Woche in Englisch statt. Nutzen können das Angebot alle Mitarbeiter-Kinder von 3 bis 14 Jahre gegen Zahlung eines Selbstkostenbeitrags. Das Angebot ist regelmäßig ausgebucht.

Action in den Ferien

Einen anderen Weg geht etwa das Unternehmen BILLA. Im „BILLA-unsere Kinder- Camp“ erleben Mitarbeiterkinder zwei Wochen lang im Sommer Spaß und Action in der Ramsau. Erstmals 2012 hat das Camp stattgefunden und wurde nun aufgrund des Erfolges ausgeweitet. Das Unternehmen trägt dabei den Großteil der Kosten, nur ein kleiner Eigenbeitrag ist von den Eltern zu übernehmen.

Auch kika-Leiner geht seit heuer diesen Weg und bietet den Kindern der MitarbeiterInnen Feriencamps in Österreich an. In Kooperation mit dem Hilfswerk finden drei einzelnen Wochen an drei unterschiedlichen Orten in Österreich statt. Hierbei stehen für die 9-13 jährigen vor allem Bewegung und Action am Programm.

Eltern schätzen flexible Angebote erfahrungsgemäß sehr. Denn schulautonome Tage, Ferien und Erkankungen der Kinder lassen sich nicht leicht mit 5 Urlaubswochen unter einen Hut bringen.

Und so haben sich zahlreiche Anbieter auch für flexible Lösungen gefunden. Einer der größten ist etwa das Kinderbüro der Uni Wien. Ursprünglich als Projekt für die Kinder von Studierenden und Mitarbeitern konzipiert, hat das Kinderbüro seine „Flying Nanny“ Dienstleistungen zu einem hochprofessionellen Service ausgeweitet und unterhält mittlerweile Verträge mit zahlreichen großen Unternehmen wie etwa A1. Ob Veranstaltung oder Problemtagebetreuung, das Kinderbüro stellt professionelle Kinderbetreuung vor Ort mit einer Betreuungaquote von maximal 7 zu 1 zur Verfügung. Allerdings müssen die Tage lange im Vorhinein geplant werden, denn sonst wäre es unmöglich an einigen wenigen Tagen derart viele Unternehmen zu betreuen. Und auch die Kinderuni, die derzeit durch Österreich tourt, wird vom Kinderbüro der Uni Wien organisiert.

Den Kindern gefällt es jedenfalls es. Negative Kritik gibt es nur eine, die dafür oft: „Was mir nicht gefallen hat, war die Zeit. Die war zu kurz!“ (Hannah, 9 Jahre)


Veranstaltungstipp

Am 23sep2013 findet in der Allianz ein Erfahrungsaustausch zur betrieblichen Kinderbetreuung statt. Interessierte Unternehmensvertreter sind herzlich eingeladen, teilzunehmen.

–> Einladung_Erfahungsaustausch 092013

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Ein Kommentar

  1. Catrin Trajkovski am

    hi Peter,

    Ein wirklich sehr interessanter und mit Beispielen gefüllter Beitrag der eine Vielzahl an Möglichkeiten aufzeigt, wie man als Unternehmen Kinderbetreuung bewerkstelligen kann.

    LG Catrin Trajkovski

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