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Weg mit den Überstunden – sie machen uns dumm…

Österreich ist Überstunden-Vize-Europameister. Nach Zahlen der Eurostat arbeiten nur die Briten wöchentlich mehr als die Österreicher. Es ist schick, Überstunden zu machen. Dabei gibt es zahlreiche Gründe, die gegen eine solche Überstundenkultur sprechen. Neben Themen wie steigender Fehlerquote, Kosten und Folgekosten, sinkende Loyalität und Motivation gibt es jetzt noch einen – und der sollte uns zu denken geben: Überstunden machen dumm!

 

Weniger IQ, geringerer Wortschatz und andere Probleme

Finnische Wissenschafter des Finnish Institute of Occupational Health haben in einer über fünf Jahre dauernden Studie festgestellt, dass Arbeitnehmer, die regelmäßig Überstunden leisten, ein kleineres Vokabular verwenden und niedrigere IQ Werte aufweisen. Verglichen wurden dabei Arbeitnehmer, die durchschnittlich 55 Stunden pro Woche arbeiten, mit welchen, die 40 Stunden pro Woche arbeiten.

Neben Wortschatz, Sprachvermögen und IQ, die zurück gingen, konnten aber noch eine Reihe anderer Effekte bemerkt werden, wie etwa Bluthochdruck oder Herzerkrankungen.

Der Klügere arbeitet weniger

Auffallend in der Untersuchung war, dass besonders Menschen mit höherer Bildung eher dazu neigen, Überstunden zu leisten und sich zu verausgaben. Damit sind sie auch stärker von den Effekten betroffen. Sie sind es auch, die weniger schlafen und öfters zum Alkohol greifen. Wer also klug ist – und bleiben will – der arbeitet lieber mal ein bisschen weniger.

Wer länger arbeitet, schafft deswegen nicht mehr

In einem Eigenversuch hat die Zukunftsanalystin und Autorin Sara Robinson 2012 mit ihrem Team über acht Wochen jeweils 60 Stunden gearbeitet. Gemessen am Ergebnis war im Vergleich zur anderen Gruppe, die nur 40 Stunden gearbeitet hatte, kein Unterschied erkennbar. Bereits nach 9 Stunden täglicher Arbeit haben Müdigkeit und Unkonzentriertheit zugeschlagen, bereits nach drei Wochen des Versuchs sind die Ausfälle merklich gestiegen. Ihr Fazit: Wer etwas in seinem Unternehmen für eine höhere Leistung tun will, der geht von den 55-Stunden-Wochen am besten schnell wieder zurück auf die 40-Stunden-Woche.

Auch andere Studien, etwa zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Eine Untersuchung des Forschungszentraum familienbewusste Personalpolitik der Steinbeis Hochschule Berlin unter 411 österreichischen Unternehmen kam 2012 zu dem Ergebnis, dass Unternehmen, die besonders auf die Work-Life-Balance Ihrer Mitarbeitenden achten, um 23% geringere krankheitsbedingte Fehltage haben als der Durschnitt, während die Produktivität um 12% gestiegen ist.

Und mal ehrlich: Wären Sie bereit, für einen stark gebrauchten Artikel um die Hälfte mehr zu bezahlen? Überstunden machen nicht nur dumm – sie zu forcieren, ist auch dumm.

Mag. (FH) Peter Rieder

Mag. (FH) Peter Rieder ist Gründer der Arbeitswelten Consulting sowie geschäftsführender Gesellschafter des Diversity Think Tank Austria und begleitet Unternehmen in den Themen Vereinbarkeit von Beruf und Familie (Audit berufundfamilie), Diversity Management und nachhaltiges Personalmanagement.

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