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Wiener Gesundheitsförderungskonferenz ganz nah | „Siehst du mich?“

Veranstaltungs-Bericht

Erste Wiener Gesundheitskonferenz, Wiener Rathaus,
WIG, 15sep2014, Wien

Eine Premiere! Der Festsaal im Wiener Rathaus strahlte vor seelischer Gesundheit, als am 15sep2014 die erste gleichnamige Konferenz der WIG mit spannenden Vorträgen von renommierten Referenten stattfand. Joachim Bauer stellte die Verbindung von Hirnforschung, Motivation und seelischer Gesundheit her.

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Einen wunderbaren Rahmen für ein wichtiges Thema bildete der wunderschöne Festsaal im Wiener Rathaus, der die erste Wiener Gesundheitsförderungskonferenz mit dem Thema „Seelische Gesundheit“ symbolisch vergoldete. Die WIG (Wiener Gesundheitsförderung) lockte mit den, durch zahlreiche Veröffentlichungen bekannten Vortragenden viele interessierte Menschen aus der Praxis an, die dazu auch gleich in den Genuss einer „Can you dance…?“-Challenge kamen. Doch dazu später …

Zuerst mal zu Joachim Bauer, Hirnforscher, Arzt & Psychotherapeut:

Siehst du mich? Gehirn & Motivation.

Lebensfreude, Vitalität, Anstrengungsbereitschaft – all das ist Motivation. Und übersetzt für das Gehirn sind das bestimmte Botenstoffe, die wirksam werden und uns gute Gefühle und Handlungskraft geben. Diese Neurotransmitter – Dopamin, endogene Opioide, Oxytozin – werden im Mittelhirn gebildet. Wenn der „Auftrag“ dazu kommt… Nun haben Ärzte dazu geforscht, was es braucht, damit die Produktion ausgelöst wird. Und siehe da, es ist ein soziales Phänomen. Die „harte Forschung“, wie es Joachim Bauer ausdrückt, stellt fest, dass Zuwendung, Wertschätzung und Anerkennung die Erzeugung und Ausschüttung dieser Motivationsbotenstoffe bewirken. „Das Gehirn macht aus Psychologie Biologie“, nennt es Prof. Bauer.

Gesehen zu werden ist also ein ganz zentraler Faktor um seelisch gesund und motiviert zu sein. Dieses „Gesehen werden“ besteht nicht nur aus Anerkennung sondern aus der bewussten Auseinandersetzung mit mir als Mensch und die darf auch kritisches, faires Feedback enthalten.

Soziale Verbundenheit vs. Ausgrenzung

Für unsere ganzheitliche Gesundheit ist es also zentral wichtig, von anderen als Mensch akzeptiert zu werden und sich als positiv verbunden mit anderen zu erleben (siehe dazu auch die Forschungsergebnisse von Barbara Fredrickson im HRweb-Artikel Mehr Liebe am Arbeitsplatz“. Wenn Menschen sich hingegen als sozial ausgegrenzt wahrnehmen, so zeigt der Gehirnscan, dass das Schmerzzentrum aktiv ist. Unser Gehirn verarbeitet soziale Ausgrenzung wie körperliche Schmerzen (!) und das öffnet den Zugang zur Aggression als reaktives Phänomen: Als mögliche Abwehr- und Schutzreaktion – eben wie bei einem körperlichen Angriff.

Der Antrieb zu sozialer Verbundenheit ist im Menschen – zur Sicherung eines positiven Lebens – so stark, dass er unter schwierigen Bedingungen auch mal eine falsche Wahl treffen kann. „So kann es passieren“, erzählt Prof. Bauer „dass z.B. Pubertierende sich bestimmten Gruppen anschließen, nur um sich zugehörig zu fühlen und dafür auch bereit sind Schlechtes zu tun, z.B. Ausgrenzung von Ausländern.“ Und er warnt vor den „Rattenfängern der Zugehörigkeit“, die dieses Grundmotiv bei Menschen mit einer Sinnkrise für ihre Zwecke ausnutzen.

Für uns am Arbeitsplatz heißt das zusammengefasst: „Schau mich an, hör mir zu, nimm mich ernst und ich kann meine positiven Energien entfalten und gesund und leistungsfähig bleiben.“ Damit bestätigt die Hirnforschung mit Fakten, was erfolgreiche Führungskräfte bereits wissen und tun: Der Mensch und das Gemeinschaftsgefühl zählt!

Can you dance? Show me.

Neben zwei weiteren spannenden Vorträgen von Prof. Uwe Böschemeyer und Prof. Verena Kast zu Sinn und der Wirkkraft unserer Vorstellungen (dazu gibt es einen Folgeartikel), wurden am Kongress die „Wiener Gesundheitspreise 2014“ für Projekte zur Förderung der körperlichen und seelischen Gesundheit verliehen.

Moderiert wurde diese Preisverleihung vom Humorexperten Michael Trybek, der uns gleich die positive Wirkung vom gemeinsamen Lachen demonstrierte und die Zuhörer auch zu kleinen Späßen (Haben Sie schon ein Quietsche-Hendi für Anrufe im Aufzug?) anregte, die mehr Humor in unseren Alltag bringen. Mit der Geschichte des Arztes Karl Hammerschlag und seiner Herausforderung bei der Behandlung eines alten Indianers, brachte er uns gleich von den Sesseln hoch. Denn der Indianer sagte zum Arzt: „If you are my doctor and you want to heal me, I have one more question: Can you dance? Yes? Show me!“ Eine locker-lustige Choreografieanleitung später tanzten und lachten alle Konferenzteilnehmer. Einfach herrlich – herrlich einfach! Man muss sich nur trauen, ein bisschen aus dem Rahmen zu fallen.

Und dazu noch eine wunderbare Tagesprogrammanleitung, die mir meine Glückspsychologie-Partnerin Renate Pils geschickt hat:

„Heute will ich aus dem Rahmen fallen und weich landen,
dann zu der Musik in meinem Kopf schön aus der Reihe tanzen,
mich zum Ausruhen zwischen die Stühle setzen,
danach ein bisschen gegen den Strom schwimmen,
unter allem Geschwätz wegtauchen und
am Ufer der Phantasie so lange den Sonnenschein genießen,
bis dem Ernst des Lebens das Lachen vergangen ist.“
(Hans Kruppa)

Viel Vergnügen! Ihre Sabine Piotrowski

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Links

Informationen zum Veranstalter, Fotos & die Preisträger finden Sie auf www.wig.or.at

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