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Geschäftsführer-Gehalt & Führungskräfte-Gehalt. Stimmungslage & Realität in Österreich

Geschäftsführer-Gehalt. Wie sieht die subjektive Stimmung unter Führungskräften aus wenn es um Gehälter geht? Was spricht die Realität?

Um diese 2 Blickwinkel der Frage zu betrachten wende ich mich einerseits an Günther Mathé, MBA (der seit Jahren Führungskräfte-Ausbildungen anbietet und aufgrund der guten Gesprächsbasis mit den Teilnehmern einen authentischen Stimmungsbericht abgeben kann) und andererseits Dr. Conrad Pramböck (der vor dem Hintergrund von tatsächlichen Zahlen, Daten & Fakten spricht).

 

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Wie ist die Stimmung der Führungskräfte bzgl. Gehältern in Österreich – vom Geschäftsführer-Gehalt (in KMUs) bis Manager-Gehalt in Konzernen? Positiv? Pessimistisch?

Günther Mathé, MBA (careercenter): Tendenziell steigen die Führungskräftegehälter von Jahr zu Jahr. Feststellen lässt sich, dass Geschäftsführer-Gehalt in Konzernen deutlich höher ist als das Geschäftsführer-Gehalt von KMUs, diese tragen aber auch mehr Verantwortung. Die Stimmung bezüglich der Gehälter der Führungskräfte ist nach meiner Erfahrung also durchwegs positiv.

Dr. Conrad Pramböck: In den letzten Jahren haben sich die Gehälter der Manager in Österreich recht konservativ entwickelt. Waren noch vor zehn Jahren für Spitzenkräfte Gehaltssteigerungen von 5 bis 8 % im Schnitt üblich, liegen mittlerweile die durchschnittlichen Gehaltserhöhungen für Top-Manager im Bereich zwischen 3 und 4 %. Damit bekommen mittlerweile alle im Unternehmen – vom jungen Einsteiger bis zum Spitzenmanager – in etwa die selbe Gehaltssteigerung.

Welche Länder sind für Österreichs Führungskräfte lukrativ wenn es um Gehalt geht – hinsichtlich eines langfristigen Arbeitsverhältnisses?

Dr. Conrad Pramböck: Im benachbarten Ausland liegen die Gehälter vor allem in der Schweiz und in Deutschland zum Teil deutlich über den österreichischen Vergütungen und sind daher bei österreichischen Managern besonders beliebt. Die Unterschiede betragen im Schnitt je nach Standort zwischen 10 bis teilweise über 50 %. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Lebenshaltungskosten zum Teil deutlich höher sind als hierzulande.
Ein österreichischer Geschäftsführer formulierte es so: „Als ich in die Schweiz ging, gab es zwei Vorteile und einen Nachteil. Die erste gute Nachricht: Ich habe für den selben Job 30 % mehr Gehalt verdient. Die zweite gute Nachricht: Dabei habe ich 30 % weniger Steuern gezahlt. So weit, so gut. Doch die schlechte Nachricht lautet, dass das Leben in der Schweiz so teuer ist, dass ich mir lediglich den gleichen Lebensstandard leisten konnte.“

Günther Mathé, MBA (careercenter): Im EU-Vergleich liegt Österreich im oberen Durchschnitt betreffend Managementgehälter. Strebt jemand dennoch nach mehr Geld bieten sich unsere unmittelbaren Nachbarländer Deutschland und die Schweiz an. Auch in Großbritannien hat man als Führungskraft die Möglichkeit mehr zu verdienen. Für österreichische Führungskräfte bieten sich also spannende Möglichkeiten ihre Expertise in anderen Ländern beruflich anzuwenden.

Welche Länder sind für Österreichs Führungskräfte lukrativ wenn es um Gehalt geht – hinsichtlich eines kurzfristigen Arbeitsverhältnisses zB als Expat (Geschäftsführer-Gehalt & generell Manager-Gehälter)?

Günther Mathé, MBA (careercenter): Das Bruttogehalt der Expatriates im Gastland wird ausgehend vom Nettogehalt im Heimatland berechnet. Die Auslandszulage, die Expatriates zusätzlich zum Gehalt bekommen variiert stark je nach Arbeitsbedingungen und Entfernung. Darum erhalten österreichische Führungskräfte in unseren Nachbarländern meistens keine Auslandszulagen. Vor allem in Gebieten in denen Krieg herrscht oder in denen die Lebensbedingungen schlecht sind erhalten die Expatriates eine Auslandszulage von bis zu 100%. Derartige Länder sind demnach auch lukkrativer (wenn es um Geld geht), als österreichische Nachbarländer.

Dr. Conrad Pramböck: Ja, die Auslandszulage ist umso höher, je weiter entfernt der Einsatzort von der Heimat ist und je widriger die Lebensumstände sind. Mehr Cash gibt es für jene, die dorthin gehen, wo niemand anderer hinwill.
Anders formuliert: Wer von Wien nach Bratislava entsendet wird, erhält in der Regel eine Auslandszulage von Null Euro. Wer in ein Bürgerkriegsgebiet in Afrika oder im Nahen Osten, in ein verseuchtes Gebiet in Zentralafrika, in den abgelegenen Dschungel oder in die Wüste geschickt wird, kann sein Gehalt mit der Auslandszulage teilweise mehr als verdoppeln.

Welche Länder sind für Österreichs Führungskräfte hoch-begehrt wenn es NICHT um monetäre Gründe geht (Geschäftsführer-Gehalt & generell Manager-Gehälter)?

Dr. Conrad Pramböck: Nach meiner Erfahrung bleiben österreichische Manager am liebsten in der Heimat oder ziehen in das Herkunftsland des privaten Partners. Dienstreisen sind für die meisten Manager kein Problem. Gänzlich in ein anderes Land zu übersiedeln, kommt jedoch für die Mehrheit nicht infrage, wenn nicht private Gründe dafür sprechen.
Im Gegensatz zu deutschen Managern ist die Mobilität österreichischer Führungskräfte sehr gering. Während es für deutsche Spitzenkräfte gängig ist, von einem Standort innerhalb Deutschlands an einen anderen zu übersiedeln, ist dies in Österreich deutlich weniger üblich. Am wenigsten mobil sind dabei die Wiener, die nur in seltenen Fällen aus beruflichen Gründen in ein anderes Bundesland übersiedeln.

Ist Geld für Führungskräfte wirklich alles?

Dr. Conrad Pramböck: Geld spielt im Management natürlich eine sehr große Rolle, genauso wie Status und Ansehen. Auf der anderen Seite gibt es noch andere Punkte, die in der Regel noch wichtiger als Geld sind. Dazu zählen insbesondere die Freude an der persönlichen Herausforderung, die Übernahme eines größeren Verantwortungsbereichs und mehr Macht die wichtigsten Aspekte, die sich in Gesprächen mit unseren Kandidaten als jene Punkte herauskristallisieren, warum Manager eine neue Position anstreben.

Verdienen Frauen im Management wirklich so viel weniger als Männer?

Dr. Conrad Pramböck: Mit diesem Thema habe ich mich intensiv beschäftigt und kann aufgrund meiner Studien sagen, dass Frauen und Männer in den selben Jobs im Schnitt gleich verdienen. Im Einzelfall existieren große Abweichungen der Gehälter für ähnliche Jobs, aber das betrifft sowohl Frauen als auch Männer. Im Schnitt liegen die Vergütungen gleich hoch. Fakt ist, dass Frauen gerade in Führungspositionen deutlich seltener anzutreffen sind als Männer. Sobald sie allerdings eine Managementfunktion innehaben, haben sie die gleichen Gehaltschancen wie ihre männlichen Kollegen.

Fazit

Letztendlich decken sich subjektives Stimmungsbild & Zahlen-Fakten-Daten. Wundert es mich? Nein. Ich denke, Führungskräfte haben ein sehr realistisches Bild ihrer Gehälter, ihrer Möglichkeiten, ihrer regionalen Rahmenbedingungen. Ein emotionales Bauchgefühl hat wenig zu suchen wenn wir über Führungs-Gehälter sprechen. Das mag auch der Grund sein, warum sich diese beiden Sichtweisen so sehr decken.

Danke für das Interview.


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Die Gesprächspartner


pramboeck_conrad150Dr. Conrad Pramböck
Experte in Gehaltsfragen, Buchautor, HRweb-Autor

www.conradpramboeck.com

Autoren-Profil


mathe_guenther_careercenter100Günther Mathé, MBA
Geschäftsführer

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www.careercenter.at

Unternehmens-Profil


Interview durchgeführt von

Autor Selan Eva

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


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