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HR Inside Summit 2015 – Vor-Ort-Berichterstattung

HR Inside Summit 2015, 23+24sep2015, Wiener Hofburg, Veranstalter: ÜBERALL scene

 

Mein Auftrag an mich hier und jetzt ist es, einen Event-Bericht zu verfassen. Über Inhalt und Stimmung. Über Ambiente und Teilnehmer. Über Kongress und Messe. Meine Herausforderung ist es, Worte zu finden für etwas das ich nicht greifen kann. Es ist gleichzeitig ein Kongress und eine Messe. So weit komme ich damit klar. Es ist „HR Inside Summit“ und „Manageers Career Days“. Und genau hier stolpere ich. HR Inside Summit spricht Personalisten an, Manageers ist eine Recruitingkonferenz, deren Zielgruppe High Potentials ist. Matchen diese beiden Zielgruppen? Ehrlich, ich weiß es nicht.

Ich spreche mit vielen Personalisten, vielen Ausstellern und die Stimmung ist überaus positiv, doch diesen Eindruck der 2 Zielgruppen fällt vielen auf. Im Gespräch mit Victoria Schmied (Geschäftsführerin des Veranstalters ÜBERALL scene) wird schnell klar: 2 Veranstaltungen, 2 Zielgruppen, die Thematiken gehen in die selbe Richtung, ein Trennen der beiden Veranstaltungen würde ein in sich schlüssigeres Bild ergeben und wird für kommendes Jahr angedacht.

Der Event

Das Ambiente in der Wiener Hofburg ist – selbst für Wiener – immer wieder ein Erlebnis. Geschichtsträchtige, wunderschöne Räumlichkeiten, die Sonne flutet durch hohe Glasscheiben, Blick auf das Rathaus, strahlend blauer Himmel. Die Räumlichkeiten sind schön gebrandet, das Türkis des Logos zieht sich hin bis zu türkisen Teppichläufern.

Der Event ist auf Besucherseite hoch-professionell aufgezogen, bereits im Vorfeld erhielt man regelmäßig Emails mit Location, Programm, etc.

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Mainstage

Nationale und internationale Vortragende und Podiums-Diskutierende, die ihr Thema verständlich in Worte fassen. Ich gebe einen Auszug aus den Key Notes wieder.

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Durch das Programm führt Christian Clerici, er macht persönlich einen genauso sympathischen und lockeren Eindruck wie im Fernsehen.

hr-inside-summit-achilliMatteo Achilli (Egomania, Italien) spricht über „Meritocraty and young talent“. Meritokratie bedeutet, Menschen nach ihren Fähigkeiten zu beschäftigen. Egomania matcht Studenten und Arbeitgeber und mauserte sich vom Start Up zu einem enorm erfolgreichen Unternehmen. Leider war die Zeit des Key-Note-Vortrags zu kurz, auch nur annähernd in die Tiefe zu gehen. Das geschah wohl in einer späteren Q&A-Session (bei der ich leider nicht persönlich anwesend war).

Carolyn Taylor (Walking the Talk, Australien, im Foto mit Christian Clerici) spricht über „Achieving Business results through Culture: How to ensure your culture supports your business imperatives“ und spielt dabei auch auf die aktuelle VW-Situation an.

Mit diesen beiden Vortragenden trifft man bei mir das generelle Bedürfnis nach internationalen Spekaern. „International“, das über „Deutschland“ hinausgeht. Das braucht natürlich auch einen Veranstalter, der den Teilnehmern zutraut, englischsprachigen Vorträgen folgen zu wollen und zu können. Die große Zahl an Teilnehmern im Auditorium bestätigt, dass das genau der richtige Schritt war.

hr-inside-summit-kitzmueller250David Kitzmüller (karriere.at) bezieht sich auf die aktuelle Situation in Österreich in seiner Key Note „Mobile vs. HR – Wie daumentauglich ist Österreichs Recruiting?“ Sehr souverän und anschaulich. Vertieft wird das Thema ebenfalls später in einer interaktiven Session. Das wie immer hurtige Karriere.at-Team stellte bereits einen Blog-Beitrag darüber online.

hr-inside-summit-molletPatrick Mollet (eqipia, Schweiz) geht am nächsten Tag mit „Talente finden statt suchen“ auf ein ähnliches Thema ein, seine Statistik jedoch zeigt andere Zahlen: Mollet sagt, 68 % der Arbeitnehmer würden gerne innerhalb der kommenden 12 Monate ihre Stelle wechseln, bei Kitzmüller waren es ca 30 % (ich hoffe, ich habe die Prozentsätze noch korrekt im Kopf).

hr-inside-summit-pitzlMartin Pitzl (P&I) sagt in seinem Vortrag „Selbstbestimmtes Arbeiten – Selbstausbeutung oder Normalität?“ klar: nicht jeder Mitarbeiter kann selbst bestimmt arbeiten – ein Chirurg oder Baumarkt-Mitarbeiter etwas soll bitte nicht flexible Arbeitszeiten leben.


Eine Podiumsdiskussion beschäftigt sich mit flexiblen Arbeitszeiten – die rechtliche Seine, jene der Arbeitgeber und auch der Arbeitnehmer.

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Eine weitere Podiumsdiskussion fokussiert die Arbeitswelt 4.0: Wie schaffen wir den Sprung – müssen wir überhaupt springen?

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Generell waren die Key Notes mit der Beschränkung auf je 20 min ein wenig kurz. Zu kurz um wirklich in den Inhalt eintauchen zu können. Tja, wären sie keine „Key Notes“ geworden. Alle Vortragenden waren nach der Präsentation für persönliche Gespräche bereit und/oder hatten eine interaktive Session im kleinen Rahmen.

Interactive Sessions

5 kleinere Bühnen, 5 Themenschwerpunkte:

  • HR Innovation & Future Trends
  • Beratung & Dienstleistung
  • Personalentwicklung
  • Corporate Health
  • IT-Lösungen

Der Interaktions-Level variiert stark: von Q-&-A-Sessions bis zu enttarnten Frontalvorträgen ist alles dabei.

Positivbeispiele

Armin Trost (Universität Furtwangen) überrascht das Publikum mit seinem englischen Vortrag. Es transportierte das Thema „The future is agile“ anschaulich mit guten Zitaten und Beispielen. Ein Zitat  ist mir besonders in Erinnerung geblieben: „What we need are a few crazy people; look where the ordinary ones have brought us.“ Er regt damit zum Nachdenken an, ob das Recruiting der „perfekten“ Kandidaten immer zum Erfolg führt. Und auch er bezieht sich in seinem Vortrag auf den aktuellen VW Skandal.

Heiko Fischer (Resourceful Humans) betritt in Jeans und Schlabberpulli die Bühne und erobert die Herzen der Personalisten im Sturm. Und das obwohl er dafür plädiert, HR Funktionen abzuschaffen. Sein Vortrag lautet „Das beste HR ist keine HR. Der Weg von hier zu 100% Unternehmertum und 0% Bürokratie“ und er fordert mehr Demokratie in der Unternehmensführung. Ein humoriger Vortragender, der sich natürlich den einen oder anderen Seitenhieb auf VW nicht verkneifen kann.

Talent Sourcing, das Recruiting von morgen stellte Hermann Pavelka-Denk (Pavelka-Denk Personalberatung) in seiner Interactive Session anschaulich dar. Es wurden Methoden wie zum Beispiel wie das Boolsche System zu einem effizienteren Recruiting, präsentiert. Das Resultat Talent Sourcing professionell, strukturiert und geplan einzusetzen führt zu enormen Einsparungen in der Time to Hire und den Cost to Hire.

Wirklich interaktiv war die kompakte Session von Clemens Widhalm (Dale Carnegie Austria). Mitarbeiter-Engagement wurde in einigen Übungen tatsächlich erlebbar. Auf den Punkt gebracht: Ehrliches Interesse der Führungskraft am Menschen gelebt mit einfachen Kommunikations-Prozessen kann Mitarbeiter-Engagement vervielfachen. Deswegen muss Persönlichkeitsentwicklung bei Führungskräften auf Verhalten und auf Haltung Augenmerk legen.

Negativbeispiel

Ein Kommentar eines Vortragenden: „Ich habe soeben erfahren, dass dieser Vortrag interaktiv sein soll. Daher eine Frage an Sie: wer von Ihnen hat bereits blablabla – bitte heben Sie die Hand! … Das war der interaktive Teil, jetzt zurück zum Frontalvortrag.“ Und um dem noch eins draufzusetzen kam am Ende des wenig-Neues-beinhaltenden Vortrags ein „wenn Sie nochmehr über das Thema wissen möchten, besuchen Sie doch meinen Kongress XY.“

Die Messe

Konferenz und Messe in einem. Die Messe zählt 46 Aussteller, was für die erste Durchführung einer Messe der doch kleinen Nische eine sehr gute Zahl ist. Dennoch, ich hatte gehofft, dass der HR Inside Summit die Personal Austria (deren Trend der geringeren Ausstellerzahl sich auch dieses Jahr fortsetzt) ablösen wird. Derzeit kann sie das aus meiner Sicht nicht, da bei weitem nicht die gesamte Breite der HR-Welt abgebildet wird. Dennoch findet sich bereits ein Teil der Big Player unter den Ausstellern – karriere.at, P&I, Stepstone, etc.

Die Aussteller selbst waren mit der Zahl der Besucher und der Qualität der Besucher sehr zufrieden und das Ambiente gab weniger das Gefühl einer Verkaufsmesse als eher Beratungsstände, die von den Teilnehmern gerne besucht wurden.

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Die Teilnehmer

Angemeldet sind 1800 Teilnehmer für den HR Inside Summit (und 500 für Manageers), nicht alle sind zeitgleich anwesend, dennoch ist die Messe gut gefüllt ohne dass ein Drängeln aufkommen würde.

Ich treffe viele alte Bekannte aus der HR-Szene, einige Aussteller, die ich auch jahrjährlich bei der Personal Austria sehe (und die tw hier ausstellen, jedoch nicht mehr auf der Personal Austria), führe zahlreiche hochinteressante Gespräch gespickt mit Info oder auch einfach Fachgeplänkel.

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Na das passt ja: in der Wiener Hofburg sparziert der Bundespräsident durch die Hallen – im Foto v.l.n.r: 2 Mitarbeiterinnen des Veranstalters, Heinz Fischer (Bundespräsident), Sindy Amadei und Victoria Schmied (Geschäftsführung ÜBERALL scene development & Initiatorinnen HR Inside Summit). Fotos dieses Event-Berichts großteils von Benedikt Weiß benediktweiss.com

Fazit

Alles in allem: eine große Veranstaltung, technisch hervorragend organisiert, ein Heer an kompetenten Mitarbeitrn, der Event ist mutig und selbstbewusst.

1800 Teilnehmer ist für die Premiere einer Veranstaltung wie dieser ein riesiger Erfolg. Denken Sie an die Personal Austria, die – obwohl alteingesessen + großteils kostenfrei für die Besucher – bei weitem nicht an diese Zahlen heranreicht.

Für mich waren es sehr positive Tage. Dennoch fällt auf, dass dieser Event noch ein wenig in den Kinderschuhen steckt. V.a. weil er versucht, als eierlegende Wollmilchsau möglichst viel abzudecken: viele Zielgruppen, viele Inhalte (Keynotes, Interaktivität, Messe, Tombola, Eintrittskarten mit Chip-Funktion, etc). Letztendlich ist der Event auch ein großes Konstrukt mit vielen wirtschaftlichen Interessen (Aussteller, die zusätzlich Kurzvorträge halten möchten um das eigene Prodkt anzupreisen) und ein Veranstalter der viele Kurzvorträge im Programm präsentieren möchte (Achtung: das ist eine Unterstellung meinerseits) und Teilnehmer, die allergisch sind auf Werbevorträge. Es ist eine Gratwanderung, die der Veranstalter sehr gut vollführte – ein wenig wurde bei dieser Wanderung gewackelt, doch letztendlich kam ÜBERALL scene am anderen Ende des Grats souverän an und kann mit Recht die Arme jubelnd in die Höhe strecken!

Liebe ÜBERALL scene, von euch wird man noch einiges hören und ich freue mich sehr, künftig diesen Event als Teil der HR-Szene zu sehen!


Infogeber & Mit-Schreiberlinge

Die obenstehenden Gedanken entspringen nicht alle meinem wohlreflektierten Gehirn, sondern ich sprach mit vielen Teilnehmern und Austellern. Danke für Ihre und Eure Ideen. Konkrete Unterstützung mit schriftlichen Wortspenden erhielt ich von Sabine Hödl (IDENTITÄTER®), Hermann Pavelka-Denk (Pavelka-Denk Personalberatung) und Clemens Widhalm (Dale Carnegie Austria).

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