HRweb | Die erfrischende Plattform für Human Resources

Event-Bericht | HR-Tagung-15: Lebensabschnitts-Partner OÖ

HR-Tagung-15,  Veranstalter: Netzwerk HR, 14okt2015 in Wels

 

10 Jahre Geschichte schreibt das Netzwerk HR bereits. Die Tagung in Wels beschäftigt sich mit der Zukunft der Region. Wie kann der Standort Oberösterreich 2030 für Talente am Arbeitsmarkt maximal attraktiv sein?

Eine Lebensabschnittspartnerschaft ist schon etwas Ernstes, aber nicht für das ganze (Berufs-)Leben. Es geht im „war for talents“ daher um Attraktivität, um die richtigen Köpfe anzusprechen, zu gewinnen und auch zu halten. Mit zentralen Fragen dazu leitet Sigrid Brandstätter von den OÖ Nachrichten die Podiumsdiskussion. Michael Strugl (Wirtschaftslandesrat OÖ) sieht als wesentliche Faktoren Ausbildungsmöglichkeiten für Kinder der Arbeitnehmer und auch weiche Faktoren, die zur Lebensqualität beitragen. Er sieht hier grundsätzlich eine gute Erfüllung in OÖ, jedoch nur wenig internationale Sichtbarkeit. Werner Pamminger (GF von Business Upper Austria – OÖ Wirtschaftsagentur GmbH) streicht den herausfordernden regionalen Wettbewerb mit Wien und München heraus. Der könne nur mit besonderes attraktiven Arbeitsbedingungen und hoher Lebensqualität gewonnen werden. Andreas Berger, HR-Director von Rosenbauer International AG, sieht durchaus die Unternehmen in der Verantwortung, die Region positiv sichtbar zu machen – und zwar auch außerhalb. Viele eigentümergeführte Unternehmen bilden dazu eine gute Ausgangslage. Eine stärkere Vernetzung dieser würde da noch mehr möglich machen. Weiters wird mit dem zunehmenden massiven Fachkräftemangel ein Screening auch bei den neuen Immigranten erforderlich sein, welche Kompetenzen da verfügbar werden. Ohne Zuwanderung könne der Fachkräftemangel jedenfalls nicht kompensiert werden.

Engpässe differenziert antizipieren

Einen quantitativen Ansatz zur differenzierten Einschätzung von Angebot und Nachfrage am oberösterreichischen Arbeitsmarkte liefert Dennis Ostwald, GF der WifOR, mit seinem Fachkräftemonotor OÖ (www.fachkraeftemonitor.at). Und die entsprechende Situation hängt von 5 Faktoren ab: Region, Branche, Tätigkeit, Qualifikation und Fachkräfteentwicklung. Nach all diesen Dimensionen kann und muss selektiert werden, um entscheidungsrelevante Informationen zu erhalten. So wird beispielsweise sichtbar, dass der Engpass 2030 in der Industrie um ein Vielfaches höher sein wird, als in der IKT-Branche. Gegenmaßnahmen könnten neben der Zuwanderung noch eine Erhöhung des Erwerbsanteils von Frauen und auch von älteren Arbeitnehmern sein, sowie eine zielgerichtetere Ausbildung Jugendlicher (bessere Berufsinformation) und auch mehr Weiterqualifikation für neue Tätigkeitsprofile.

Geistiges Klima als harter Faktor

Als einen wesentlichen Zukunftsfaktor sieht Walter Osztovics, GF von Kovar & Partners, den Resilienzfaktor. Sowohl gesellschaftliches Kapital als auch das geistige Klima werden hier herausgestrichen. Hier spielt auch der Faktor Kultur eine wesentliche Rolle, weil diese einerseits selbst einen Wirtschaftszeig darstellt, die Reputation und den Lifestylefaktor heben kann, und andererseits auch positiv zu Innovation, kritischem Denken und einem offenen Klima beiträgt. Dieses geistige Klima der Offenheit gilt es unbedingt weiterzupflegen, um die Attraktivität der Region hochzuhalten.

Orte prägen Menschen – und umgekehrt

Wie kann die Region die Besten Talente gewinnen? Michael Shamiyeh, leitender Professor beim Design-Organization-Media (DOM) Research Lab, betrachtet das Thema aus mehreren Perspektiven. Der Übergang von Industrie- zu Wissensgesellschaft führte dazu, dass örtlich gebundene Ressourcen (Rohstoffe, wenig mobile Arbeitskräfte) zu sehr mobilen Ressourcen (Information, mobile Arbeitskräfte) wurden. Die Frage ist also, wie sich Arbeitskräfte entscheiden, und was sie wollen. Interessant, dass Persönlichkeitsprofile auch mit Regionen korrelieren. Menschen mit bestimmten Einstellungs-Settings sind daher bevorzugt in bestimmten Regionen zu finden. Und umgekehrt suchen sich Talente jene Regionen und Arbeitgeber aus, die zu eigenem Wertesystem passen und auch Entwicklungsperspektive bieten. Diese Dynamiken werden im Recruiting noch unterbewertet.

Genug abgewartet

Ein inspirierendes Feuerwerk entzündet Chris Müller, Direktor für Entwicklung, Gestaltung und künstlerische Agenden der Tabakfabrik Linz, und läutet die Protomoderne für Oberösterreich ein. Er sprengt traditionelle Gedankenwelten, wenn er mit „urban mining“ das Fördern von Talenten meint, von Großbaustellen ich China berichtet, bei denen in Werften gefertigte Gebäudeteile von Robotern aus der Automobilindustrie automatisiert zu futuristischen Gebäuden montiert werden, oder wenn bis zu 60 Meter hohe Gebäude einfach ausgedruckt werden. Er gibt Einblick in das komplexe Kreativlabor seiner Tabakfabrik und fordert von der Politik, moderne Entwicklungen nicht zu behindern sondern zu ermöglichen. Er nimmt aber auch sich selbst und alle anderen nicht aus der Verantwortung: Jeder muss ein Leuchtturm sein und als Vorbild wirken. Überall und jederzeit.

Das Netz

Das Netzwerken selbst findet in unterschiedlichen Settings statt. Vorbildliche Zeitdisziplin – auch dank Moderatorin Claudia Halbartschlager – bewahrt die Pausenzeiten, in denen informell ausgetauscht wird und auch die begleitende Fachausstellung ihren Raum bekommt. Vier interaktive Parallelworkshops sollen Grundpfeiler einer Human Capital Agenda (was braucht Oberösterreich in 15 Jahren?) vorbereiten, die in den Dimensionen Gesellschaft, Unternehmen, Bildung und Politik. Sicherlich ein erster kleiner Schritt einer längeren Reise. Rasch entwickelt sich eine Diskussion nicht nur zu den „golden agers“ und auch anderen Chancen der Deregulierung. Der Wunsch nach einer Wertediskussion für ein offeneres Mindset wird deutlich. Verbildlicht wird die Idee des Netzwerkes durch eine live Aufstellung und Verknüpfung der Teilnehmenden mit farbigen Leinen im Raum (Foto).

HRtagung15

Die Rückschau

Andreas Geiblinger freut sich mit dem Team des HR Netzwerk über zahlreiche unternehmensübergreifende Projekte, von Social Media Aktivitäten bis hin zu Kinderbetreuungsprogrammen, die schon bisher die Attraktivität der Region gefördert haben. Mit einem Kommittment, auch weiterhin aktuelle Themen aus dem Netzwerk aufzugreifen und zu behandeln, geht es schließlich zum Ausklang mit Geburtstagstorte. Die Verbundenheit der Teilnehmenden mit dem Netzwerk ist spürbar.

teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Spielregeln