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HR-Tipp | Ein interkulturelles Umfeld ist ein idealer Nährboden für Perspektivenwechsel


HR-Tipp: Perspektivenwechsel

anhand eines Beispiels einer Finnin in Österreich


Zielgruppe:



Personen, für die kulturelle Diversität zum Arbeitsalltag zählt


Tipp-Geber:


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Dr. Karin Schreiner (Intercultural Know How – Training & Consulting)


 

Im interkulturellen Bereich ist es bedeutend, Verhalten und Interaktionsweisen genau zu beobachten und im jeweiligen Kontext zu deuten. Fragen wie: In welcher Situation muss ich beim Begrüßen Händeschütteln? In welcher ist es nicht angebracht? Was kann ich daraus schließen? Im interkulturellen Bereich wird empfohlen, sich auf konkrete Umgebungen zu beziehen, in denen bestimmte Regeln und Umgangsformen gelten, basierend auf Werten und Normen, die in diesem Kontext geteilt werden.

Eine Führungskraft aus Finnland arbeitet seit kurzem in einem multinationalen Unternehmen in Wien. Jeden Morgen betritt sie das Gebäude, nimmt den Aufzug und geht in ihr Büro, ohne auch nur ein einziges Mal „Guten Morgen“ zu sagen. Da sie ihre Bürotür immer offen hält, ist sie sehr erstaunt darüber, dass ihre österreichischen Kollegen und Kolleginnen, wenn sie morgens an ihrem Büro vorbeigehen, ihren Kopf zur Tür hereinstecken und ihr ein freundliches „Guten Morgen!“ zurufen. Sie findet dieses Verhalten ziemlich übergriffig und fühlt sich in ihrer Privatsphäre gestört. Als sie einmal mit einer Kollegin in der Kaffeeküche gemeinsam Kaffee trinkt, kommen sie auf das morgendliche Ritual des Grüßens zu sprechen. Die Kollegin gesteht, dass sie und die anderen Kollegen es ziemlich unfreundlich finden, dass sie morgens ohne zu grüßen und links oder rechts zu schauen in ihr Büro geht. Ein freundliches „Guten Morgen“ sei hier üblich und gehöre zum guten Ton. Da bekannte die Führungskraft, dass sie wiederum das Verhalten ihrer Kollegen als übergriffig empfinde, wenn diese in ihr Büro „Guten Morgen“ hineinriefen. Sie lachten beide befreit und konnten nach einem ausführlichen Gespräch über die kulturell unterschiedlichen Verhaltenscodes die Sicht der anderen nachvollziehen. Die finnische Führungskraft änderte daraufhin ihr Verhalten.

Alltagsrituale sind kulturell sehr unterschiedlich und erfordern Einblicke in kulturspezifische Hintergründe. In Finnland ist es nicht üblich, am Morgen jeden einzelnen zu begrüßen – sei es im Aufzug, im Treppenhaus, im Büro oder in einem Geschäft. Das ist nicht unfreundlich gemeint, sondern vielmehr Ausdruck einer interpersonellen Distanz, die in diesem kulturellen Kontext gewahrt wird. In Österreich ist das Ritual des Grüßens – sei es am Morgen zu Mittag oder beim Weggehen – sehr bedeutend und Ausdruck von Beziehungsorientierung. Fehlt dieses Verhalten, wird es als Desinteresse und sogar Arroganz ausgelegt.

Weiß man über die Hintergründe eines Verhaltens Bescheid, ist es möglich, die Situation aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und sein Verhalten anzupassen. So betrachtet lassen sich verschiedene Kontexte von einander trennen, aber auch Überschneidungen sehen.

Perspektivenwechsel gilt als eine der Basiskomponenten interkultureller Kompetenz. Die Fähigkeit, sich in verschiedene kulturelle Kontexte hineinzuversetzen, ermöglicht es, kulturelle Unterschiede im jeweiligen Kontext zu erkennen und zu verstehen und in der Folge das Handeln danach auszurichten.

Tipps für den Perspektivenwechsel

  • Reden Sie offen über die herrschenden kulturellen Codes in Ihrem Unternehmen
  • Informieren Sie vor allem neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Ländern über Umgangsformen und Regelungen in Ihrem Unternehmen
  • Achten Sie auf die Möglichkeiten, in informellen Situationen wie in der Kaffeeküche ober beim Mittagessen mit Ihren internationalen Kollegen und Kolleginnen über die Alltagsrituale zu sprechen
  • Weisen Sie humorvoll auf bestimmte Verhaltenscodes hin, die in Ihrem Unternehmen üblich sind
  • Buchen Sie für Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen regelmäßig Trainings zur Entwicklung kulturellen Bewusstseins.

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