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HR-Tipp | Situative Anpassung & interkulturelles Bewusstsein


HR-Tipp: Kulturelles Bewusstsein
Situative Anpassung

Zielgruppe:



Personen, für die kulturelle Diversität zum Arbeitsalltag zählt


Tipp-Geber:


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Dr. Karin Schreiner (Intercultural Know How – Training & Consulting)


 

 

Kulturelles Bewusstsein besteht darin, sich bewusst zu machen, dass alle Menschen durch kulturell unterschiedliche Werte und Normen geprägt sind und durch eine so genannte kulturelle Brille ihre Umgebung wahrnehmen. Kulturelle Werte entstehen in konkreten kulturellen Kontexten und können immer aus der Geschichte, Soziokultur, Religion, Wirtschaft und Politik erklärt werden. Das führt zu vielen Unterschieden, die immer kontextgebunden sind.

Verhaltensweisen haben daher in unterschiedlichen kulturellen Kontexten unterschiedliche Bedeutungen. Interkulturelle Kompetenz besteht darin, diese Unterschiede in ihrem jeweiligen Kontext zu sehen.

Ich führte ein interkulturelles Training mit einer Managerin aus Indonesien durch, die in Österreich in einem großen IT-Unternehmen arbeitet, und sie erzählte mir:

Ja, wissen Sie, in meiner Kultur sagen wir immer „Ja“ und geben nicht zu, wenn wir etwas nicht verstanden haben. Am Anfang habe ich das hier im Unternehmen auch gemacht. Als ich neu war, wurde viel erklärt und ich sagte immer ja – aber einmal war es unangenehm, weil ich einen wesentlichen Punkt nicht verstanden hatte. Ich habe daraus gelernt. Seitdem sage ich immer gleich, wenn etwas für mich unklar ist. Ich habe mein Verhalten geändert. Und ich komme bei meinen Kollegen gut damit an.

Das Beispiel zeigt, dass situative Anpassung an lokale Gepflogenheiten dazu führt, den Erwartungen in der jeweiligen Situation zu entsprechen. Oft sind es alltägliche Gepflogenheiten, die erkannt und angewandt werden und die dazu führen, dass man das Gefühl hat, die Situation gemeistert zu haben.

Ivana ist Russin und nahm an einem meiner interkulturellen Trainings für eine österreichische Firma teil und erzählte zum Thema Begrüßen und Händeschütteln:

In meinem Heimatland ist es nicht üblich, dass Männer Frauen beim Begrüßen die Hand geben, und zwar aus Höflichkeit. Man vermeidet eine zu große Intimität zwischen Männern und Frauen, die einander nicht kennen. Hier in Österreich ist genau das Gegenteil der Fall. Es wäre sehr unhöflich, bei der Begrüßung männlichen Kollegen oder Kunden nicht die Hand zu geben. Ich schüttle hier beim Begrüßen allen die Hand. Ich habe mich da angepasst. Es macht keinen Sinn, an einem Ritual festzuhalten, wenn es hier eine andere Bedeutung hat.

Situative Anpassung ist Ausdruck von interkultureller Kompetenz, denn die Akteurin erkennt, dass ihr Verhaltensmuster im vorhandenen Kontext nicht passend ist. Daher verändert sie es. International tätige Managerinnen und Manager lernen gut zu beobachten und sich in unterschiedlichen Situationen rasch anzupassen. Interkulturelle Trainings können diesen Lernprozess beschleunigen, indem durch die Analyse einer Vielzahl an Beispielen aus verschiedenen kulturellen Kontexten die Sensibilisierung für kulturelle Unterschiede erweitert wird.

Tipps

  • Bieten Sie Mentoring Programme für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Ländern an
  • Begleiten Sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Ländern in den ersten Wochen und führen Sie sie in die Alltagskultur Ihres Unternehmens ein
  • Achten Sie darauf, dass sich keine „nationalen“ Gruppen unter den Mitarbeitern bilden und einzelne Mitarbeiter ausgeschlossen werden
  • Bieten Sie für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Ländern Aktivitäten in den Mittagspausen an wie: „30 Minuten Deutschkurs beim Mittagessen“, „20 Minuten Gepflogenheiten im Unternehmensalltag in der Nachmittagspause“ oder „After-Work-Activity: 40 Minutes Austria for Expatriates“ jeden ersten Montag eines Monats
  • Bieten Sie Ihren international tätigen Mitarbeitern regelmäßig interkulturelle Trainings oder Diversity Trainings an.

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