HRweb | Die erfrischende Plattform für Human Resources

Ein Musik-Coach für Unternehmen. Wozu?

Jö, ein „Musik-Coach für Unternehmen“. Entdeckt beim Schmökern durch das Programm des HR Inside Summit (27+28sep2017, Hofburg, Wien). Matthias Jackel ist Musik-Coach. Wozu? Mit welchem Ziel? Wenn er bei diesem HR-Kongress als Speaker auf die Mainstage geladen wurde, muss einiges dahinter stecken.

Meine Neugierde ist geweckt.
Herr Jackel, bitte zum Interview!

 

Wozu braucht ein Unternehmen einen Musik-Coach?

Die zentrale Frage ist zunächst, wozu Musik dem Unternehmen dienen soll. Unser Ziel ist es nicht, Musikunterricht zu geben oder ein Instrument zu vermitteln. Wir verwenden eine Methode, um so viele Menschen wie möglich aus ihrem bekannten System zu führen, dazu nutzen wir so etwas Emotionales wie Musik. Es gibt diesen schönen Satz, vor lauter Wald die Bäume nicht zu sehen. In diesem Satz versteckt sich für mich die Erkenntnis, dass wir mitten in unserem gewohnten Umfeld das wesentliche Detail gar nicht mehr wahrnehmen. Wir alle wissen, dass wir uns Neuem aussetzen, unsere Komfortzone schrittweise verlassen und alternative Wege gehen müssen, um uns entwickeln zu können und nicht ständig in alte Fallen zu tappen. Im unternehmerischen Kontext gemeinsam Musik zu machen stellt die Teilnehmer vor eine herausfordernde, meist völlig neue und ungewohnte Aufgabe. Diese Aufgabe in der Gemeinschaft sehr positiv zu bewältigen, ist ein imposantes Referenzerlebnis, aus dem wir ableiten können, wie wir mit großen Aufgaben, anderen Menschen und uns selbst erfolgreicher umgehen können.

Was ist ein Musik-Coach – welches Ziel verfolgen Sie – welches Ziel sollte das Unternehmen verfolgen, das Sie bucht?

Als Musik-Coach führe ich die Teilnehmer durch den Prozess des gemeinsamen Musizierens, meist des Trommelns. Mein primäres Ziel ist dabei die Haltung eines Ermöglichers, der sich auf Potenziale und Ressourcen der Teilnehmer konzentriert und diese so aktivieren kann, dass es zu einem wirklich erstaunlichen Ergebnis führt. Es entstehen Melodien und Rhythmen weit jenseits der Erwartungen. Meine Moderation zielt darauf ab, schnell Zusammenhänge erkennen zu lassen, warum es so gut funktioniert hat. Nachfolgende Workshops erlauben den Teilnehmern zu erarbeiten, welche positiven Erkenntnisse daraus auf den (unternehmerischen) Alltag übertragbar sind. Dazu setzen sich die Teilnehmer mit ein paar grundlegenden Fragen zu ihren inneren Haltungen und ihrem Unterbewusstsein auseinander.

Ein Unternehmen das uns bucht, sollte demnach den Wunsch haben, in der Personalführung neue Wege zu gehen. Damit meine ich die Akzeptanz des Umstandes, dass der Spirit eines Unternehmens ein „Spirituelles Thema“ ist. Spiritualität verstehe ich dabei nicht als etwas Esoterisches, sondern ganz bodenständig als alles, was wir zwar nicht anfassen oder artikulieren können aber dennoch auf uns wirkt. Musik ist in diesem Sinne hoch spirituell. Unsere Arbeit macht die Teilnehmer für dieses Thema zugänglich. Unternehmen stellen sich für die modernen Herausforderungen ideal auf, wenn sie neben aller prozeduralen und kognitiven Brillanz ihre Aufgabe als Menschenentwickler verstehen und leben. Mitarbeiter müssen als Subjekte verstanden werden, die sich persönlich einbringen und sich in einem kooperativen Ansatz mit der Firma gemeinsamen persönlich entwickeln, statt als Objekte, die nur zur Erfüllung einer Aufgabe da sind. Dazu ist es notwendig, dass ich mich mit mir und meinen Mitarbeitern in größerer Tiefe auseinandersetze(n) und Ziele aufeinander abstimme(n). Spiritualität ist nicht die Kultivierung vom Glücklich sein, sondern eben die Kultivierung von Tiefe. Achtsamkeit und Bewusstsein als Basis für Tiefe zu trainieren, wird dabei immer noch relativ kritisch gesehen. Doch die Arbeitswelt der Zukunft braucht diese Qualitäten.

Wie gehen Sie mit Menschen in Ihren Coachings um, die völlig unmusikalisch sind oder sich dafür halten?

Unmusikalisch im pathologischen Sinne, also Amusikalität, ist eine Teilleistungsstörung wie Dyskalkulie oder Legasthenie und betrifft nur 1-2% der Bevölkerung. Das ist jemand, der ein Lied nur am Text erkennt und nicht an der Melodie. Mit bisher rund 750.000 Teilnehmern hatten wir also statistisch wohl an die 15.000 amusikalische Menschen im Raum. Doch noch nie ist das aufgefallen. Dieser Anteil ist so gering, dass diese Menschen von der Gemeinschaft getragen werden und das ist gut so.

Viel mehr Menschen aber DENKEN, sie wären unmusikalisch. Dazu eine Frage: Gehen Sie eine Treppe mit 20 Stufen hoch, Stufe 18 ist 2cm höher als alle davor – was passiert? So ziemlich jeder Mensch würde jetzt stolpern. Also hat er Rhythmusgefühl. Jeder erfahrene Fahrer eines Wagens mit Schaltgetriebe schaltet nicht nach Drehzahlmesser, sondern nach der Tonhöhe des Motors die er hört. Also ist er musikalisch. Mit solchen Informationen und mit dem realen Erfolgserlebnis, gemeinsam Musik gemacht zu haben, kommt hier schnell Bewegung ins Spiel. Deswegen eignet sich diese Methode so gut. Wer nicht fast professionell Musik macht, ist meist übervoll mit Glaubenssätzen, was er alles in Sachen Musik NICHT kann und was alles unmöglich sein soll. Diese gemachten Prägungen live ad absurdum zu führen, lässt die Menschen aufhorchen. Das ist der wache Gemütszustand, in dem wir echte Lernerfahrungen machen können.


Interview-Partner

Matthias Jackel ist Geschäftsführer der andante communications GmbH, Inhaber von Drum Cafe, Motivationstrainer und Musik-Coach für Unternehmen. Seit 1994 entwickelte er in verschiedenen Managementpositionen Teams unterschiedlicher Firmen. Seit 2004 coacht er Führungskräfte und Unternehmen speziell mittels Musik. Seine Überzeugung ist, dass der Schlüssel zur Bewältigung von Herausforderungen die Qualität ist, mit der wir als Gemeinschaft agieren. Matthias Jackel hat mit Melicutie® eine neue Methode zur Nutzung von Musik erschaffen, ein erstaunliches Werkzeug, um sich und das Leben zu begreifen.

Am diesjährigen HR Inside Summit, von 27. – 28. September dreht sich bei seiner Keynote auf der Mainstage in der Wiener Hofburg alles um: Live experience: Den Spirit des Unternehmens prägen die Mitarbeiter!


HR Inside Summit 2017 (Wien)

See you @ HR Inside Summit!

teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Spielregeln