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Arbeitswelt 4.0 | Meine neue Kollegin heißt Alexa

Arbeitswelt 4.0 – Über kein Thema wird zurzeit in den diversen HR-Zirkeln so intensiv diskutiert, wie über die zu erwartenden Auswirkungen der Digitalisierungs-Welle auf die Unternehmen und deren Mitarbeiter.

Dass gravierende Veränderungen bevorstehen, daran zweifelt kaum jemand der Experten. Im Fokus steht vor allem die Frage, ob es wieder so kommt wie bisher. Denn bislang galt: Wann immer in der Geschichte technischer Fortschritt Arbeit überflüssig gemacht hat, sind an anderer Stelle neue Arbeitsplätze entstanden.

Dieses Mal deuten jedoch viele Anzeichen darauf hin, dass die vierte industrielle Revolution (4.0) die Arbeitswelt in einem noch nie gesehenen Ausmaß verändern wird. Mit epochalen Folgen für den Arbeitsmarkt. Und damit auch für die Gesellschaft.

Die Arbeitswelt der letzten Jahre

Es ist ja nicht so, dass in den vergangen Jahren in Punkto Automatisierung nichts passiert wäre. Im Gegenteil: Wer kann sich z.B. noch an das Berufsbild des Tankwarts erinnern? Das waren jene Personen, die vor der flächendeckenden Installation der Automaten-Zapfsäule das Auto der Kunden betankt haben. Waren vor 10 Jahren Bankomat-Zapfsäulen noch die Ausnahme, so sind heute Tankstellen mit Bedienpersonal echte Raritäten.

Ebenfalls massiv verändert hat sich das Bild einer Bankfiliale. Weniger Personal, aber dafür Automaten für (fast) alle notwendigen Abläufe im Zahlungsverkehr. Gleiches bei den Fluglinien oder Bundesbahnen: Die Check-in-Schalter werden immer weniger. Der Kunde wurde in den letzten Jahren dazu erzogen, sich sein Ticket selbst auszustellen. Entweder online oder beim Ticket-Automaten am Flughafen/Bahnhof.

Sowohl der Tank- und Bankkunde als auch der Flug- und Bahnpassagier verrichten also heute Tätigkeiten, für die früher Personal benötigt wurde. Diese Arbeitsprozesse wurden quasi an den Kunden ausgelagert und die Personalkosten reduziert. Und das Besondere an diesem Geschäftsmodell: Der Kunde zahlt deshalb nicht weniger. Im Gegenteil – die Banken planen, zukünftig für die Bankomat-Nutzung Gebühren zu verrechnen.

Die Liste der Automatisierungs-Prozesse ließe sich beliebig fortführen. Alle mit dem gleichen Ergebnis. Standardisierte Arbeiten wurden an Maschinen übertragen und ein Großteil der davor benötigten Jobs eingespart. Dennoch – das, was die letzten Jahre in der Arbeitswelt passiert ist, ist nichts im Vergleich zu dem, was die Arbeitswelt 4.0 bringen wird.

Die Arbeitswelt von morgen

Das die Transportlogistik weiter im Fokus der digitalen Veränderungsprozesse stehen wird steht außer Frage. Die großen Reedereien haben schon längst damit begonnen, selbstfahrende Container-Schiffe zu entwickeln, die in absehbarer Zeit ohne Mannschaft über die Meere schippern werden. Die Pläne von Amazon, zukünftig Pakete mittels Drohnen zustellen zu lassen, sind hinlänglich bekannt. Und Wien bekommt mit der neuen U5 2023 die erste vollautomatische U-Bahn ohne Fahrpersonal.

Bisher hatten sich die Automatisierungsprozesse vorwiegend auf die Fertigung und auf die Logistik konzentriert. Mit der digitalen Vernetzung und der Entwicklung von intelligenten Robotern wird es in der Wirtschaft 4.0 möglich sein, nun auch die enormen Einsparungspotentiale im Verwaltungsbereich ins Visier zu nehmen.  Damit werden sich zunehmend die Rationalisierungsmaßnahmen von der Welt der Blue-Color-Worker auf jene der Büromitarbeiter verlagern.

Einen ersten Vorgeschmack, was möglich ist, haben wir bei der letzten Wahl erlebt. Hier wurde in den sozialen Medien intensiv geworben und Stimmung gemacht. Sehr oft mit dabei, ohne für die User als solche erkennbar zu sein: BOTS – Computerprogramme, die Postings in den diversen sozialen Medien platziert haben. Selbstgesteuert, ohne Zutun menschlicher Hand. Und für einen anderen Forumsteilnehmer nicht als Roboter-Post erkennbar.

Solche intelligenten Programme werden nun für Unternehmen entwickelt. Um z.B. zukünftig das Kundenservice oder den Helpdesk in den Firmen zu automatisieren. Ein Kunde, der per Mail oder Online ein Anliegen oder eine Beschwerde einbringt, wird demnächst nicht mehr mit einem Menschen kommunizieren, sondern mit einer Maschine. Und sich dessen gar nicht bewusst sein. Gefüttert mit den richtigen Algorithmen können diese Roboter menschenähnlich kommunizieren. Kommt uns das nicht bekannt vor?

Arbeitswelt 4.0 – Ins Teambuilding mit Alexa?

Warum soll das, was Amazon in den letzten Jahren für den Privatgebrauch entwickelt hat, nicht auch im Büro Einzug halten? Ein Roboter, der für Kunden oder Kollegen Tätigkeiten verrichtet oder mit ihnen Small-Talk betreibt. Der an wichtige Termine erinnert, ein Telefonat entgegennimmt oder das Protokoll des letzten Meetings verfasst. Wie wirkt sich so eine Alexa als Kollegin auf das Teamgefüge aus?

Spannend dabei ist die Frage, ob unsere digitale Kollegin auch mit Emotionen gefüttert wird. Kann man sich mit ihr so richtig befetzen oder bleibt sie auch im Streitfall kühl und sachlich? Weiß sie für jedes Problem eine Lösung? Oder jammert auch sie über den Boss, weil er uns schon wieder zu einem Team-Building verdonnert hat? Und was ist bei einem Stromausfall? Wird Alexa dann krankgeschrieben oder gilt das als unentschuldigtes Fernbleiben vom Dienst?

Zugegeben, die letzten Fragen sind nicht ernst gemeint. Andererseits, die Entwicklungen der letzten Jahre zeigen, dass durch die intelligente Programmierung von Maschinen kaum noch etwas ausgeschlossen werden kann. Eines ist jedenfalls fix: In der Arbeitswelt von morgen wird die Zusammenarbeit mit Robotern auch in klassischen Bürojobs zur Realität werden. Mit unabsehbaren Folgen für den Arbeitsmarkt.

Die Unternehmensberatung McKinsey schätzt, dass bis 2030 durch die Digitalisierung 1/3 der heutigen Jobs wegfällt. Das muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass dadurch auch ein 1/3 der heute Beschäftigten ohne Arbeit ist. Denn wie bereits erwähnt, sorgt technischer Fortschritt immer auch dafür, dass neue Jobs entstehen. Aber ein beträchtlicher Teil der heutigen Arbeitnehmer wird auf jeden Fall gefordert sein, sich beruflich neu zu orientieren.

Fazit

In einem Punkt sind sich alle Experten einig: Wir stehen vor revolutionären Veränderungen in der Arbeitswelt. Aber wie es letzendlich wirklich kommt, weiß niemand. Und zu Tode gefürchtet, ist auch gestorben.

Und wer weiß, vielleicht machen uns die neuen Jobs weit mehr Spaß, als die alten, langweiligen. Vor allem dann, wenn die neue Kollegin Alexa immer pünktlich den Kaffee serviert. Das wäre schon mal ein guter Anfang.

 

 „Jedes neue Ding erscheint zuerst lächerlich,
dann wird es bekämpft,
schließlich ist es selbstverständlich.“

(Arthur Schoppenhauer)

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Ein Kommentar

  1. Andraes Madjari am

    Die Arbeitswelt von morgen ist heute schon realität, zumindest was Chatbots betrifft. Seit mindestens drei Jahren wird in mehr und mehr Firmen der First-Level-Support in Richtung Chatbots verschoben. Tatsächlich lösen diese auch einen signifikanten Anteil der Anliegen im Sinne des Fragenden.
    Tätigkeiten verschieben sich zunächst in den nichtlinearen, nicht vorberechenbaren Bereich. Doch der verlangt auch ein hohes Qualifikationsniveau und ein anderes Belastbarkeitsprofil. Was tun also vor allem mit Menschen, deren Potential in diesem Bereich geringer ist, die Freude an vorhersehbaren Aufgaben und stabilen Verhältnissen haben?
    Es ist eine Minderheit, die Change-affin ist – unsere Welt verändert sich zugunsten dieser Minderheit. Hoffen wir, dass für die Mehrheit eine Lösung entsteht, die friedlich und revolutionsfrei implementiert werden kann.

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