HRweb | Die erfrischende Plattform für Human Resources

Arbeitsmarkt 2020 | Generation 50+ wohin gehst du?

Der Arbeitsmarkt in Österreich hat sich erholt. Der Wirtschaftsmotor brummt und die Unternehmen stellen wieder mehr Mitarbeiter ein. Logische Folge: Die seit Jahren hohen Arbeitslosenzahlen sind endlich wieder in den Sinkflug übergegangen. Also alles wieder im grünen Bereich am Job-Markt?

Nicht ganz. Denn es gibt eine Gruppe am Arbeitsmarkt, deren Situation sich durch diesen Konjunktur-Aufschwung nur marginal verbessert hat. Und das ist jene der Jobsuchenden 50+. Warum? Weil es so scheint, als hätte sich in unserer Gesellschaft ein Bild manifestiert, das ältere Mitarbeiter nicht ins positive Licht rückt.

Das ist doppelt bitter für die betroffene Altersgruppe: Denn die herannahende Digitalisierungswelle wird deren Jobsuche nicht einfacher machen..

Was zählen die Babyboomer noch am Arbeitsmarkt?

Dienstzugehörigkeit und Alter sind die besten Trümpfe, wenn es in den Unternehmen ans Eingemachte geht. So die weit verbreitete Ansicht. Das mag vielleicht in den wenigen noch verbliebenen geschützten Bereichen der Wirtschaft zutreffen. In Unternehmen, die sich täglich im freien Wettbewerb zu beweisen haben, gilt dieser Mythos längst nicht mehr. Im Gegenteil, nicht wenige Firmen haben die vergangene Wirtschaftskrise dazu benutzt, um sich von alten (und vermeindlich teuren) Mitarbeitern zu trennen.

„Denn sie haben mich gefeuert, weil ich nicht mehr 30 bin. Man wirft mich zum alten Eisen auf den großen Müllplatz hin.“ Das ist der Refrain aus dem Lied „Gefeuert“ von Udo Jürgens. Getextet Ende der 1970-Jahre zeigt dieser sozialkritische Song, dass die Freisetzung älterer Mitarbeiter kein neues Phänomen ist. Verändert hat sich allerdings das Umfeld. Die Kündigung von älteren Mitarbeitern ist in den letzten 40 Jahren auch bei den „Anzugträgern“ salonfähig geworden.

Wenig verwunderlich. Hier wurde von vielen Seiten erfolgreich an einer selbst erfüllenden Prophezeiung gebastelt. Wo und wann immer in den vergangenen Jahren das Thema „Ältere am Arbeitsmarkt“ diskutiert wurde, war es meistens defizitorientiert. Teuer, krankheitsanfällig und wenig veränderungsbereit so der allgemeine Tenor. Zu diesem negativen Image hat auch die Politik ihren Teil beigetragen. Indem sie die Unternehmen mit Bonuszahlungen geködert hat, damit diese mehr ältere Beschäftigungslose einstellen. Gut gemeint, aber nicht zu Ende gedacht.

Denn das Bild, das sich durch die öffentliche Diskussion über die Fördergelder in den Köpfen der Entscheidungsträger festgesetzt hat, ist folgendes: Ältere Mitarbeiter sollte ich gnadenhalber dulden. Oder anders gesagt: „Bonus = Abgeltung für die Defizite von Mitarbeitern 50+“.

Der große Traum – vom Arbeitsmarkt direkt in die Frühpension

Dass die Diskussion über die Eigenschaften  älterer Mitarbeiter einen negativen Beigeschmack hat, darf sich die Generation 50+ auch an die eigenen Fahnen heften. Unterhält man sich in Österreich mit einer Person jenseits der 50 über den Beruf, kommt man im Gespräch sehr bald beim letzten großen Karrieretraum an: So schnell wie möglich in den vorzeitigen Ruhestand zu gehen.

Diese große Sehnsucht resultiert aus einer jahrzehntelangen Sozialisierung im Umgang mit dem Pensionsantrittsalter in Österreich. Ganze Generationen waren den Babyboomern prägende Vorbilder, wenn es darum ging, dem Berufsleben möglichst schnell Adieu zu sagen. Nicht nur in den staatsnahen Unternehmen. In Frühpension zu gehen scheint in diesem Land ein Anspruch zu sein, den jeder zu haben glaubt.

Dass sich das heute  nicht mehr ausgeht, haben viele ältere Arbeitnehmer noch nicht realisiert. Und erzählen daher jedem, ob er es hören will oder nicht, dass sie schon lange genug gearbeitet und nun auch ein Recht auf Auszeit haben. Den Freunden am Stammtisch, den Kollegen im Büro und nicht selten auch dem Berater im Arbeitsmarktservice, wenn der Job dann futsch ist. Menschlich ist das verständlich, zielführend ist es aber nicht.

Denn auch das festigt in der Öffentlichkeit ein bestimmtes Image über ältere Arbeitnehmer.

Die Qualitäten der Älteren am Arbeitsmarkt

Verantwortungsbewusstsein, Teamfähigkeit, Geduld, gutes Urteilsvermögen, soziale Kompetenz, große Loyalität, viel Erfahrungswissen – auch das könnte ein Bild vom älteren Mitarbeiter sein. Denn das sind jene Eigenschaften, die Mitarbeiter 50+ sehr oft auszeichnen. Aber auch die Fähigkeit, Strategien zu entwickeln, um mit weniger Aufwand zumindest gleiche Ergebnisse zu erzielen.

Die heute 50jährigen sind auch die letzten Mitarbeiter, die noch in der analogen Arbeitswelt ausgebildet wurden. Und sie sind daher die einzigen, die beide Welten kennen. Was sich auch immer wieder zeigt, wenn die Technik streikt. Denn oft sind es gerade ältere Mitarbeiter, die dann aufgrund ihrer Erfahrung einen „work-around“ aus dem Hut zaubern.

Es wäre dringend an der Zeit, dass sich die öffentliche Wahrnehmung zum Thema Mitarbeiter 50+ wandelt. Vorangehen muss diese Generation allerdings selbst, indem sie sich von der Frühpensions-Sehnsucht verabschiedet und sich auf ihre Qualitäten besinnt. Sonst könnte der Arbeitsmarkt 2020 für sie ein böses Erwachen bringen.

 

„Mit dem Altwerden ist es wie mit Auf-einen-Berg-Steigen:
Je höher man steigt, desto mehr schwinden die Kräfte
– aber umso weiter sieht man.“

(Ingmar Bergman, schwedischer Regisseur)

teilen

3 Kommentrare

  1. Michael Hanschitz am

    Bei uns landen verstärkt Manager & Mitarbeitinnen 50+ in der Beratung und ich habe auch den Eindruck gewonnen, dass der öffentliche Diskurs in puncto Chancen am Arbeitsmarkt 50+ negativer als nötig geführt wird. Mit der richtigen Selbstwahrnehmung und Fokussierung kann diese Gruppe auch dementsprechend gut reüssieren. Und dann ist es oft gar nicht notwendig mit jüngeren in Konkurrenz zu treten sondern es finden sich passendere Herausforderungen wie zb das erworbene Wissen an Auszubildende weiterzugeben. Da braucht es eben vorab gute Ideengeber und natürlich die Bereitschaft sich drauf einzulassen.

  2. Harald Schmid am

    Hallo Herr Hanschitz,

    es freut mich, dass Mitbewerber meine Einschätzung des Arbeitsmarktes für die Generation 50+ teilen ;-). Diesen Jobsuchenden unter herausfordernden Rahmenbedingungen eine Vorwärtsperspektive zu vermitteln, das ist in der Outplacement-Beratung unser Auftrag. Und hier sind wir auch bei älteren Jobsuchenden immer erfolgreich, wenn sich diese offen auf den Prozess der beruflichen Neuorientierung einlassen.

    LG
    Harald Schmid

  3. Dr. Leopold Stieger am

    Es ändert sich doch etwas in der Einstellung der Älteren. In einer repräsentativen, österreichweiten Umfrage 2015 und 2017 zeigt sich ein Trend: die Gruppe derer, die Pension mit Himmel gleichsetzen, ist geringer geworden. Und: früher hätte ich folgendes Mail nicht erhalten: „Herr Stieger, ich gehe in einem Jahr in Pension und ich habe Angst. Ich weiß nicht, was ich dann machen soll“.
    Das ist ein guter Ansatz, den ich mit meinem Buch “ . . . “ [Anm.d.Redaktion: BITTE KEINE EIGENWERBUNG] unterstütze.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Spielregeln