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Innere Kündigung | Wenn der Arbeitsplatz zum Käfig wird

Innere Kündigung oder „Mit mir nicht mehr“.  Jeder von uns kennt vermutlich jemanden, der in seinem Job keinen Sinn mehr sieht. Oft geht dem ein langer Leidensweg voraus. Diese Personen sind schwer frustriert und haben beruflich resigniert, schaffen aber auch nicht den Absprung. Das Ergebnis: Große Frustration. Die Folge: Dienst nach Vorschrift.

Eine innere Kündigung ist das Schlimmste, was in einer Arbeitsbeziehung zwischen Unternehmen und Mitarbeiter passieren kann. Wer Engagement und Begeisterung im Job verloren hat und trotzdem bleibt, wird zunehmend zur Belastung. Für das Unternehmen, für sein Arbeitsumfeld, aber vor allem auch für sich selbst.

Innere Kündigung oder Der Gefangene am Arbeitsplatz

„Prisoners in the workplace“ – So werden in einer Studie des Beratungsunternehmens Aon Hewitt  jene Personen bezeichnet, die sich nicht mehr im Unternehmen engagieren, diesem die Loyalität aufkündigen und trotzdem nicht den Job wechseln. Meistens geht diesem Verhalten ein längerer Prozess voraus, an dessen Ende ein schwer frustrierter Mitarbeiter zurückbleibt.

Die Ursachen für eine innere Kündigung können vielfältig sein. Konkurrenz, Neid oder Antipathien unter Kollegen zählen ebenso dazu, wie eine fehlende Zukunftsperspektive sowie das Empfinden des Betroffenen, zu viel oder zu wenig Arbeit zu bekommen. Mit Abstand am häufigsten genannter Frustrationsgrund: der Führungsstil des Chefs. Oder anders gesagt: fehlendes Feedback, mangelnde Anerkennung und kein wahrnehmbares Interesse an der eigenen Person.

Wenig überraschendes Detail-Ergebnis der Studie: je länger ein Mitarbeiter im Unternehmen ist, desto höher ist das Risiko, ein Gefangener am Arbeitsplatz zu werden. Liegt der Anteil bei einer  Betriebszugehörigkeit von  6 – 12 Monaten  noch bei 5 %, sind es nach 11 – 15 Jahren bereits 11 % und nach mehr als 26 Jahren betrifft es nahezu jeden fünften Arbeitnehmer.

Diese Mitarbeiter kündigen zwar nicht das Dienstverhältnis, dafür aber den psychologischen Arbeitsvertrag und damit auch die emotionale Bindung zum Unternehmen. Mit fatalen Folgen für alle Beteiligten.

Innere Kündigung oder Der Worst Case für Führungskräfte

Fragt man Führungskräfte was das schlimmste Szenario für Ihr Team wäre, hört man oft: „Der Verlust eines Leistungsträgers“. Zugegeben, wenn ein High Performer wegbricht, ist das bitter. Und es dauert oft Monate, bis diese Lücke wieder geschlossen ist. Aber es gibt die Perspektive, dass es wieder aufwärts geht. In einem funktionierenden Team entwickeln sich laufend neue Mitarbeiter zu Leistungsträgern.

Wer allerdings Mitarbeiter im Team hat, die mit dem Job abgeschlossen haben und trotzdem bleiben, der hat einen mächtigen Bremsklotz am Bein, der immer schwerer wird. Vor allem dann, wenn das Team recht klein ist. Wer innerlich gekündigt hat, lädt seinen Frust oft auf die  Kollegen ab. Nicht selten müssen diese dessen mangelnde Arbeitseinstellung durch Mehrarbeit kompensieren. Und sich zusätzlich die ständigen Jammereien anhören. Das macht Stress.

Wenig verwunderlich, dass das Konfliktpotential im Team täglich steigt und die Produktivität sukzessive sinkt. Es entsteht eine negative Dynamik, die immer weiter nach unten führt. Oft ist die Stimmung in solchen Teams so mies, dass dann genau das passiert, was Führungskräfte besonders fürchten: Ein Leistungsträger zieht die Konsequenzen und geht. Das ist dann ein echter Worst Case für die Führungskraft. Denn der verantwortliche Brunnenvergifter bleibt.

Innere Kündigung oder Die Gefahr der Selbstbeschädigung

Mitarbeiter, die sich so destruktiv verhalten, machen das selten ohne Grund. Bei diesen hat sich oft über viele Jahre das Gefühl entwickelt, massiv benachteiligt zu werden: Meistens durch ein unehrliches oder gar kein Feedback seitens der Führungskraft. Aus Konfliktscheu wurden nie die unterschiedlichen Wahrnehmungen abgeglichen. Gesagt wurde nichts, spüren hat man es dem Mitarbeiter trotzdem lassen.

Jemand, der das Gefühl hat, ungerecht behandelt zu werden, neigt dazu, mit gleicher Münze zurückzuzahlen. Eine innere Kündigung ist so eine Retourkutsche. Ich spreche zwar nicht (mehr) an, was mich stört, aber ich ziehe meine Konsequenzen. Und das lasse ich dich spüren. Aber dieses Verhalten verschafft dem Mitarbeiter nur vordergründig ein Gefühl von Gerechtigkeit. Denn er übersieht dabei einen wesentlichen Punkt: Wer grundsätzlich engagiert ist, sich aber aus Rache völlig zurücknimmt, schadet sich selbst am meisten.

Eine unbefriedigende Arbeitsbeziehung weiter zu führen, heißt auch weiter gegen die eigenen Überzeugungen zu leben. Und dieses unechte Verhalten kann nicht zuletzt dazu führen, dass ein über viele Jahre geschätzter Mitarbeiter dadurch das eigene Image massiv beschädigt. Bis es der Führungskraft reicht und diese einen Schlussstrich zieht. Und damit eine selbsterfüllende Prophezeiung zum Abschluss kommt

Fazit

Die innere Kündigung ist ein Lose-Lose-Szenario für alle Beteiligten. Der Mitarbeiter schafft sich seinen eigenen Käfig und die Führungskraft und das Team bekommen einen Klotz ans Bein gebunden. Alle leiden.

Solange man miteinander in Kontakt steht, gibt es immer die Chance, so eine Entwicklung zu vermeiden. Aber Menschen und Beziehungen verändern sich und daher ist es manchmal nicht mehr möglich, eine gemeinsame Zukunft zu gestalten.

In diesem Fall ist es gesünder, einen sauberen Schlussstrich zu ziehen. Für alle Beteiligten.


„Wenn einem alles gegen den Strich geht, sollte man einen Punkt machen.“
(von unbekannt)

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Ein Kommentar

  1. Andreas Madjari am

    Wie so oft ist eine mögliche Grundursache ein beschädigtes Vertrauensverhältnis, eine nicht mehr funktionierende Kommunikationsebene.
    Die menschliche Komponente lässt sich weder wegrationalisieren noch streichen – und hier bleibt Führung gefragt. Das hilft beiden Seiten.
    Danke Harald für die klare Darstellung der Risiken dieses Verhaltens auf beiden Seiten, der Führung und des Mitarbeiters.

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