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Christine Marek im Interview: Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Die ehemalige Nationalrats-Abgeordnete Christine Marek ist in die Privatwirtschaft zurückgekehrt und widmet sich dem Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“. Bevor Sie beim CEO-Kongress (8nov2018,Schlosspark Mauerbach) persönlich mit ihr darüber sprechen können, bat ich sie zum Interview.

Wie erlebten Sie den Umstieg von der Politik in die Selbständigkeit?

Nachdem ich ja bereits vor meiner, bzw. parallel als NR-Abgeordnete, während meiner politischen Tätigkeit in der Privatwirtschaft tätig war, fiel mir die Rückkehr verhältnismäßig leicht. Insbesondere da der Schwerpunkt meines Unternehmens in den Bereich fiel, in dem ich zuvor sowohl in der Privatwirtschaft als auch in der Politik aktiv war, der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der Förderung von Frauen und Diversität. Mein Unternehmen habe ich 2011 sehr bewusst in diesem Bereich gegründet. Die Erfahrung aus beiden „Welten“ ist eine für mein Engagement für meine Kunden sehr wichtige.

Sie beraten Unternehmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie – wo steht Österreich im internationalen Vergleich?

In den letzten Jahren hat sich hier das Bewusstsein spürbar verändert. Als Arbeitgeber attraktiv zu sein, die besten Mitarbeiter zu finden, motivieren und zu halten ist gerade in Österreich eine zentrale Herausforderung.

Worin liegen für die Unternehmen die größten Herausforderungen?

Qualifizierte Mitarbeiter haben mittlerweile längst andere Ansprüche als „nur“ ein gutes Gehalt. Zu den Kriterien für einen guten Job zählen zunehmend auch eine attraktive Arbeitszeitgestaltung, Flexibilität am Arbeitsplatz und eben gute Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dazu gehören aber längst nicht mehr „nur“ Unterstützung bei Kinderbetreuung und Wiedereinstieg, sondern auch das zur Verfügung stellen von entsprechenden Informationen und insbesondere auch Angebote für pflegende Angehörige – eine massiv steigende Herausforderung für Arbeitgeber.

Sie beraten auch werdende Mütter bzgl. Kinderbetreuung und Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben. Welcher ist Ihr wichtigster Rat?

Ganz wichtig ist einerseits das vorausschauende und rechtzeitige Planen und Suchen von unterstützenden Services und Netzwerken. Sich schon vor Beginn des Mutterschutzes zumindest über Möglichkeiten und Rahmenbedingungen zu informieren, macht Sinn und hilft später bei der tatsächlichen Umsetzung. Ganz wichtig ist auch eine möglichst frühe Anmeldung für die Wunsch-Kinderbetreuungseinrichtung.
Bei der frühzeitigen Planung kann übrigens auch der Arbeitgeber bereits entsprechend unterstützen – im eigenen Interesse. Wenn im Unternehmen schon in der Schwangerschaft einer Mutter über Angebote und Möglichkeiten während Babypause und Wiedereinstieg – etwa im Rahmen eines strukturierten Karenzmanagements – informiert wird und das Gespräch gesucht wird, können beider Parteien eher planen. Oftmals „passieren“ Karenz und Wiedereinstieg einfach. Durch sehr strikte gesetzliche Regelungen sind Unternehmen hier aber in einem engen Korsett und ein bewusstes Herangehen macht dabei umso mehr Sinn.

Beim CEO-Kongress betreuen Sie einen Runden Tisch mit dem Thema „Ökonomische Vorteile durch Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ – wie kann das bemessen werden?

Wer als Arbeitgeber familienfreundliche Maßnahmen und ein wertschätzendes Miteinander pflegt, was schlichtweg bedeutet, dass man die Mitarbeiter nicht nur als Arbeitskräfte sieht, sondern auch berücksichtigt, dass Jede/r immer auch das Privatleben an den Arbeitsplatz mitbringt, hat nachweislich eine geringere Fluktuation, geringere Krankenstandstage und eine höhere Rückkehrquote nach der Karenz. Wer voll im Wettbewerb um die besten Köpfe steht, weiß, wie wichtig das ist. Klar ist, dass für ein Unternehmen der ökonomische Nutzen im Vordergrund stehen muss, was mit den genannten Entwicklungen auch klar gegeben ist.

Dabei geht es bei weitem nicht (nur) um Angebote, die Geld kosten, sondern insbesondere auch darum, über den Tellerrand zu sehen und vorhandene Möglichkeiten zu nutzen. Nicht immer ist das, wie es bisher immer war, tatsächlich das auch in Zukunft Optimale. Oft hilft aber bereits der Blick von außen, um Veränderungen und Weiterentwicklungen anzustoßen.

Was konkret können Unternehmen tun?

Neben flexibler Arbeitszeitgestaltung und Angeboten wie Teleworking ist ein strukturiertes Karenz- und Auszeitenmanagement eine wichtige Hilfestellung für die Planung und Begleitung von Auszeiten. Etwa mit Leitfäden für strukturierte Mitarbeitergespräche können insbesondere die Führungskräfte unterstützt und begleitet und so die Ressourcenplanung erleichtert werden. Denn „passieren“ tut das ohnehin, die Frage ist nur, ob man als Arbeitgeber aktiv ist oder alles einfach auf sich zukommen lässt. Auch Informationsangebote für Mitarbeiter mit Betreuungspflichten (sowohl wenn es um Kinder als auch um pflegebedürftige Angehörige geht) halten den Rücken frei und fördern eine bessere Konzentration auf den Job. Denn es ist eine echte Herausforderung, wenn man, oft unter Druck, rasch bestimmte Informationen und Angebote für den familiären Bereich sucht, etwa wenn es um Anbieter von Pflegeservices geht. Dies bindet Zeit und Energie und hier kann ein gezieltes Informationsangebot durch den Arbeitgeber wirklich entlasten. Auch Unterstützung bei Kinderbetreuung, insbesondere an schulfreien Tagen, hilft sehr. Unternehmen haben hier unterschiedlichste und je nach Bedarf individuelle Möglichkeiten der Hilfestellung für betroffene Mitarbeiter.


Interview-Partnerin

Christine Marek: Die gebürtige Bayerin und ehemalige Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium mit dem Schwerpunkt Familie, Frauen und Integration hat nach mehreren Jahren in der Politik 2013 ihr Nationalratsmandat niedergelegt und ist seither als selbständige Unternehmensberaterin mit dem Schwerpunkt Diversity Management und Work Life Balance in ihrem Unternehmen CM-Consult tätig. Zudem ist sie seit Februar 2014 Vorsitzende des Aufsichtsrates der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), Präsidentin des privaten Kindergarten-Trägers „Kinder in Wien“ und Vorsitzende des Vereins MiA, einer Initiative für Frauen mit Migrationshintergrund.
www.cm-consult.at


CEO-Kongress

Christine Marek treffen Sie persönlich beim Kongress:

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