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Personalabbau | Wenn die Gerüchteküche überschäumt

Personalabbau – trotz guter Konjunktur ist dieser Begriff in den Wirtschaftsmedien nach wie vor präsent. Das klingt paradox, klagen doch gleichzeitig viele Unternehmen über zu wenig qualifizierte Bewerber für ihre offenen Stellen. Das Arbeitsmarktumfeld ist geprägt von zwei gegensätzlichen Entwicklungen: Firmen, die verzweifelt Personal suchen und gleichzeitig wird in etlichen Branchen Personal freigesetzt.

Für die Unternehmen ist das eine herausfordernde Situation. Den zwischen Personalsuche und Personalabbau gibt es einen direkten Zusammenhang. Und zwar welchen? Unprofessionelle Trennungsprozesse sorgen für ein negatives Image und beschädigen damit ein mühsam aufgebautes Employer Branding. Es kann aber auch noch teurer werden….

Personalabbau – Was sich hinter den Kulissen tut

Personalreduktion von 20 % bei der Deutschen Bank, eine harte Restrukturierung bei einem mittelständischen Automobilzulieferer, die Umstellung auf Agilität bei einer österreichischen Großbank, der Konkurs eines Filial-Betriebs in der Modebranche oder die Umstellung von 4 auf 3-Schicht-Betrieb bei einem Stahlkonzern. Das sind nur einige Beispiele von Medien-Headlines in Österreich vom Juli 2019. Alle mit der gleichen Botschaft: Ein Teil der Belegschaft muss gehen.

Auf Außenstehende wirken solche Meldungen beklemmend. Man ist froh, nicht in den betroffenen Unternehmen tätig zu sein. Wer allerdings in seinem Bekanntenkreis Personen hat, die von Personalabbau-Maßnahmen betroffen sind, bekommt meist hautnah mit, was der Verlust des Arbeitsplatzes für den Einzelnen bedeutet. Und was sich in diesen Unternehmen während der Freisetzungsmassnahmen hinter den Kulissen abspielt.

Was vielen Unternehmen nicht bewusst ist: Betroffen sind bei Personalabbau nicht nur jene Personen, die das Unternehmen letztendlich verlassen müssen. Sorge um den Arbeitsplatz und damit Zukunfts- und Existenzängste plagen vor allem auch jene Mitarbeiter, die verbleiben und die Zukunft gestalten sollen. Wer wird die Arbeit der gekündigten Kollegen übernehmen? Bin ich bei der nächsten Welle mit dabei? Hat dieses Unternehmen überhaupt noch eine Zukunft?

Das sind nur einige der Fragen, die sich die Verbleibenden bei Personalabbau stellen. Wenn deren Ängste überhand nehmen, kann das zu einem erheblichen Performance-Verlust in der gesamten Organisation führen. Und im Extremfall sogar den Fortbestand des Unternehmens gefährden.

Personalabbau – Die Kosten der Gerüchteküche

Personaleinsparungs-Maßnahmen passieren in der Regel nicht von heute auf morgen. Sehr oft werden die Weichen dafür in der 2. Jahreshälfte gestellt. Spätestens dann, wenn sich endgültig abzeichnet, dass die Ziele für dieses Jahr nicht mehr erreicht werden, fixiert das Management mit der Budget-Planung  auch die Kostensenkungs-Programme für das kommende Jahr. Natürlich „strictly confidential“, versteht sich.

Trotzdem ist die Gerüchteküche bereits am Brodeln. Denn die wirtschaftliche Situation ist den Mitarbeitern an der Front nicht verborgen geblieben. Egal, ob im Vertriebsinnendienst oder am Fließband – wenn die Aufträge ausbleiben, bekommen dass die Mitarbeiter natürlich mit. Sie machen sich ihre Gedanken und tauschen sich mit Kollegen aus. Allerdings über das übliche Maß hinaus. Der normale „Flurfunk“ wird damit in so einer Situation zum Sorgengrab.

Wenn dieser Kreislauf einmal angelaufen ist, kann das für das betroffene Unternehmen teuer werden. Eine einfache Rechnung: Gehen wir von einem Betrieb mit 500 Mitarbeitern aus. Wenn sich jeder Mitarbeiter 30 Minuten pro Tag mit Kollegen über das neueste Gerücht zur wirtschaftlichen Lage unterhält, sind das 1.250 Arbeitsstunden pro Woche. Nimmt man einen Stundenlohn (inkl. Abgaben) von € 35,– pro Mitarbeiter an, summiert sich der Produktivitätsverlust für dieses Unternehmen auf knapp € 44.000,– pro Woche.

Und das zu einem Zeitpunkt, wo das Unternehmen seine „normalen“ Kosten kaum mehr in den Griff bekommt. Klar ist auch, je länger die Phase der Unsicherheit andauert, desto teurer wird sie.

Personalabbau – Das Unvermeidliche erträglich machen

Gerüchteküchen und Flurfunk gibt es in jedem Unternehmen. Und dass in einer Zeit mit Personalabbau diese über das übliche Maß hinaus strapaziert werden, ist normal und unvermeidlich. Trotzdem kann das Top-Management in so einem Fall gegensteuern. Und damit entscheidend mit beeinflussen, wie hoch die (nicht sichtbaren) Folgekosten von Personalabbau sind.

Den Zeitraum der Unsicherheit möglichst kurz halten, eine transparente und klare Information und Kommunikation in dieser Phase sowie eine schnelle und konsequente Umsetzung der geplanten Einsparungsmaßnahmen. „Harte Schnitte schnell setzen“ – so könnte das Dogma in Restrukturierungsprozessen lauten. Damit das gelingt, braucht es eine fundierte Vorbereitung im Vorfeld und einen Schulterschluss im Management.

Aber vor allem braucht es einen fairen Umgang mit jenen Mitarbeitern, die gehen müssen. Werden diese für den Verlust ihres Arbeitsplatzes entsprechend entschädigt? Wird ihnen Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung angeboten? Werden die Gespräche seitens der Führungskräfte offen, ehrlich und respektvoll geführt? Die Verbleibenden schauen genau hin, wie diese Trennungsprozesse ablaufen. Entstehen dabei Zweifel an einem fairen Umgang, läuft das Unternehmen Gefahr, dass sich Leistungsträger abwenden und abwandern.

Fazit

Wenn Unternehmen Personal abbauen, ist das eine harte Zeit für alle Beteiligten. In so einer Situation kann es keine Gewinner geben. Es geht nur darum, dass Unvermeidliche erträglich zu machen. Für jene die gehen müssen und für jene die bleiben können. Aber auch für das Management, das diese Entscheidungen kommunizieren und umsetzen muss.

Damit die unvermeidlichen Folgekosten von Trennungsmaßnahmen im Rahmen bleiben. Und nicht den Fortbestand des gesamten Unternehmens gefährden.


„Personalabbau: Bei gleicher Arbeitslast die Träger solange
reduzieren, bis den Übriggebliebenen die Knie zittern.“
(Karsten Mekelburg, dt. Satiriker)

 


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3 Kommentrare

  1. B. Sailer am

    Vielen Dank für Ihren Beitrag.
    Anmerkung 1: „Flurfunk“ infolge von mangelnder bzw. intransparenter Information und Kommunikation verursacht Kosten nicht nur bei Personalabbau – auch sonst.
    Anmerkung 2: Schauen wir doch ehrlich in die Praxis fernab jeglicher Theorie. In Ihrem Fazit ist von „keinen Gewinnern“ die Rede – im allgemeinen gibt es einen Gewinner, das ist jene Führungskraft, die den Personalabbau beschließt. Zumindest diese Person hat bei der Geschäftsführung, beim Vorstand, Aufsichtsrat…Pluspunkte gesammelt. Ich stimme daher nicht zu, dass es gar keinen Gewinner gibt. Denn genau diese eine Person ist es in der Praxis häufig, die genau aufgrund solcher Personal- und somit Kosteneinsparungen zur Existenzsicherung des Unternehmens beiträgt und somit sich selbst für den nächsten Karriereschritt verdient macht (d.h. hohe intrinsische Motivation der Führungskraft – auf Kosten anderer am eigenen Karrierevorteil zu arbeiten).

  2. Harald SCHMID am

    Sehr geehrte Frau Sailer,
    vielen Dank für Ihre Rückmeldung.
    Fernab von jeglicher Theorie habe ich in meiner langjährigen Praxis viele Entscheidungsträger in Trennungssituationen erlebt. Und daher bin ich mir sicher: Niemand kündigt gerne. In der Regel ist es ja umgekehrt: Der Aufsichtsrat oder die Geschäftsführung beschließen aus wirtschaftlichen Gründen den Personalabbau. Mit der Umsetzung beauftragt werden dann die untergeordneten Führungskräfte. Was bei diesen oft zu Unsicherheit und Überforderung führt. Und zu Personalabbauprozessen, die mehr Porzellan zerschlagen als notwendig. Wobei einen Gewinner gibt es bei börsennotierten Unternehmen vielleicht doch – wird Personal abgebaut, steigt oft der Aktienkurs.
    Herzliche Grüße
    Harald Schmid

  3. R am

    Einen wichtigen Teil habt ihr da allerdings vergessen:
    Wenn Leute gehen und darüber wenig bis gar nicht kommuniziert wird, fängt der Rest an, die Anfragen von Recruitern ernst zu nehmen, schaut sich „nur mal so“ auf dem Arbeitsmarkt um oder poliert schon mal die Unterlagen auf. Wer Angebote hatte, nimmt jetzt Gespräche wahr und schon sind die weg, die noch können, die jemand haben will. Das kommt nicht von ungefähr und so bleiben am Ende im schlimmsten Fall nur die, die zwar Erfahrung im Geschäft haben, aber schon längst mal rotiert gehört hätten, weil sie im Trott festgefahren sind, oder noch schlimmer, die Unmotivierten und Bis-Zur-Rente-Absitzer.
    Derjenige, der die Idee hatte, wird dafür erst mal belohnt, weil das in den Zahlen noch gut aussieht. Die fehlende Produktivität, Innovationskraft und das Wissen machen sich aber nach ein, zwei Jahren bemerkbar.
    Personalabbau ist immer strategisches Versagen, also sollten Vorstand und GF zuerst „verschlankt“ werden.

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